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CDU-Zerstörer auf YouTube

Der Influencer Rezo macht mit einem wütenden Video gegen die Union mobil - die reagiert verschnupft

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

In seinem Video benutzt er oft Worte wie »heftig«, vor allem aber erklärt er seinen überwiegend jungen Abonnenten Politik verständlich, ohne Phrasen und in ziemlich deutlichen Worten. Er wolle zeigen, »wie die CDU unser Leben und das von Zigtausenden Menschen zerstört« – gemeint ist der Klimawandel, aber nicht nur. Dann holt der YouTuber Rezo in seinem neuen Video zu einer 55-minütigen und alles andere als langweiligen Politrede aus. Betitelt ist sie mit »Die Zerstörung der CDU«. Das sei zwar nicht sein Ziel, aber die Partei besorge das ganz von selbst, meint der YouTuber, indem sie nämlich Politik gegen die Interessen der Bevölkerungsmehrheit und vor allem gegen die Jugend mache und zudem häufig eine »krasse Inkompetenz« an den Tag lege.

Den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel erklärt er mit einer eingeblendeten Temperaturskala. Die zeigt unten 1 Grad für »jetzt«. Darüber wird das im Pariser Klimaabkommen festgelegte Ziel von 1,5 Grad Erderwärmung angezeigt, daneben steht »Ende im Gelände« und neben dem Temperaturbereich darüber steht »Wahrscheinlich Welt kaputt«. Der wissenschaftliche Konsens sei »eindeutig«, da könne es keine zwei Standpunkte geben so, wie CDU-Politiker das suggerierten. Rezo erklärt Begriffe wie Klimakrise und Klimaflüchtlinge drastisch und verständlich, denn die Lösung ist einfach: »Aufhören mit dem Buddeln und Verbrennen«, gemeint sind die Förderung von Kohle und fossilen Energien sowie deren Nutzung.

Auf 13 Seiten führt der YouTuber mit den blauen Haaren in einem separaten Dokument Quellen – hauptsächlich Zeitungsartikel – für seinen Themenritt auf. Bei dem geht es um steigende Armut, Untätigkeit beim Klimawandel und Ignoranz der deutschen Politik gegenüber dem US-amerikanischen Drohnenkrieg auch von deutschem Boden aus – und eben um die Rolle der CDU als einflussreichste Partei Deutschlands bei allen diesen Themen.

Im Video geht es – wenn auch sekundär – auch gegen die SPD als Juniorpartner der Union. So wird etwa ein, was die Kriegsführung über den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein angeht, offenbar völlig ahnungsloser Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) gezeigt. Gestreift wird auch die AfD, bei der gebe es nicht nur »Nazis«, sie sei mit der kompletten Leugnung des Klimawandels »einfach kognitiv nicht beeindruckend«. Die FDP habe Glück gehabt, »dass das Video schon viel zu lang war«, erklärte Rezo später im Interview mit dem Technikmagazin T3N. Wahlempfehlungen über das Nichtwählen von CDU und SPD hinaus will er nicht geben.

Mehr als drei Millionen mal wurde das Video bisher angeguckt, es gibt 79 000 Kommentare und 416 000 Likes. Die sind laut dem YouTuber, der in Aachen wohnt und ein Informatik-Masterstudium abgeschlossen hat, überwiegend positiv. Offenbar wird sein Video bereits in einigen Klassenzimmern der Republik von Lehrern gezeigt.

In der CDU ist man nicht sehr erfreut. Erst äußerten sich Parteiaktivisten, am Mittwoch dann auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. Dabei geschah genau das, was Rezo der Partei vorwirft: Diskreditierung »junger Menschen« mittels Unwahrheiten sowie das Verächtlichmachen von Demonstrierenden, etwa bei Fridays for Future oder in der Debatte um Uploadfilter.

Rezo sei populistisch und verbreite Falschbehauptungen, so Ziemiak. Welche das seien, sagte er nicht. Am Mittwochnachmittag wollte die CDU laut ZDF-Informationen ein Antwortvideo aussenden. In den Videos von Rezo geht es häufig um unpolitische »Challenges« oder um das Nachstellen von Instagram-Fotoposen. Mehr Politikvideos will der YouTuber, dessen Eltern Pfarrer sind, wohl nicht produzieren. Das sei für ihn unattraktiv – wegen des Rechercheaufwands und auch wegen der Morddrohungen, die er erhalten habe, so der Influencer gegenüber T3N.

Erste Einladungen in Talkshows hat es offenbar auch schon gegeben. Doch die wolle der YouTuber nicht annehmen, weil er nach eigenen Angaben stottert. Die Einflussmöglichkeiten der Jugend auf die Politik sieht er ohnehin als nur begrenzt an. Die sei »gefickt«. Er appelliert dennoch an seine Zuschauer, den Versuch zu starten, die eigenen Eltern und Großeltern zu überzeugen.

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