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Die Klimaproteste am Freitag werden wohl so groß wie noch nie

Am Freitag werden in über 2100 Städten weltweit Fridays for Future-Proteste stattfinden / 69 Prozent der Deutschen wollen in Umfrage Klimaneutralität bis 2030

  • Lesedauer: 4 Min.

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Kopenhagen. An diesem Freitag werden erneut Menschen auf der ganzen Welt für mehr Klimaschutz protestieren. Beim zweiten globalen Klimaprotesttag könnten es die Organisatoren des Netzwerks Fridays for Future schaffen, noch einmal mehr Teilnehmer zu mobilisieren als bei der ersten Auflage am 15. März. Zeit, sich die Bewegung einmal genauer anzuschauen, die längst nicht mehr bloß aus Schülern besteht.

Beim ersten globalen Klimaprotest Mitte März gingen nach Angaben von Fridays for Future etwa 1,9 Millionen Menschen - die Zahl variiert, weil sie regelmäßig aktualisiert wird - auf die Straße. In 2378 Städten in 134 Ländern wurde demnach protestiert, darunter an 207 Orten in Deutschland. Diesmal soll der grenzübergreifende Protest noch größer werden: Bislang listet das Netzwerk 2112 beteiligte Städte auf - einige Hundert dürften noch dazu kommen. Durch die Zeitverschiebung geht es in Neuseeland und Australien los.

Der Star der Bewegung, Greta Thunberg, wird den globalen Protesttag in ihrer schwedischen Heimat verbringen. In Stockholm nimmt sie ab 11:30 Uhr an einem Protestmarsch teil, neben ihr werden eine Reihe Forscher und Aktivisten sprechen. In der schwedischen Hauptstadt hatte sie am 20. August 2018 – übrigens war das ein Montag, kein Freitag – damit begonnen, täglich fürs Klima zu streiken. Zweieinhalb Wochen später kündigte sie an, dies ausschließlich freitags zu tun. Damit schuf sie den Slogan »Fridays for Future« (Freitage für die Zukunft).

Aus dem still protestierenden Mädchen ist mittlerweile eine weltweit bekannte Klimaschutz-Ikone geworden, die auf der aktuellen Ausgabe des »Time«-Magazins zu sehen ist. Ihre einst einsame Aktion hat sich zu einer internationalen Klimaschutzbewegung mit Hunderttausenden Anhängern entwickelt.

Verglichen mit den Zehntausenden Menschen, die in Deutschland und Belgien für das Klima demonstrieren, ist Thunbergs wöchentlicher Protest in Stockholm verhältnismäßig klein: Nur ein paar Dutzend Mitstreiter finden sich normalerweise mit ihr auf dem Mynttorget zwischen Reichstag und Schloss ein. Am globalen Protesttag dürften es wie bereits Mitte März nun wieder Tausende sein, die die Straßen der Stadt säumen werden.

Während auf Thunbergs Protestschild seit Tag eins die Aufschrift »Schulstreik fürs Klima« prangt, ziehen die Freitagsdemonstrationen längst nicht mehr nur Schüler und junge Studierende an. Auf Schildern ist auch von »Parents for Future«, »Teachers for Future« oder »Scientists for Future« zu lesen. In dieser Woche unterzeichneten mehr als 1000 Unternehmen einen Katalog mit Klimaforderungen wie eine wirksame Bepreisung von CO2-Ausstößen. Der Name passt in die Reihe: »Entrepreneurs for Future«.

In Belgien haben, wie in Deutschland, die Klimaproteste besonders schnell Fahrt aufgenommen. Zu verdanken ist das den nationalen Anführerinnen Anuna De Wever und Kyra Gantois. Kurios: Die Belgier bevorzugen den Donnerstag zum Klimaprotest. Einen konkreten Grund dafür gibt es nicht – es wurde einfach von Anfang an immer donnerstags gestreikt.

Anstatt #FridaysForFuture nennen die Belgier ihren Protest deshalb wochentagsneutral #YouthForClimate (Jugend fürs Klima). Zur weltweiten Aktion gehen sie aber auch am Freitag auf die Straße – zwei Tage vor der belgischen Parlamentswahl, die parallel zur EU-Parlamentswahl an diesem Sonntag stattfindet.

Die Bewegung wird weltweit beachtet, auch in den höchsten Etagen der Macht. Greta Thunberg lud im Vatikan den Papst persönlich ein, sich den Protesten anzuschließen. Luisa Neubauer von den deutschen Klima-Demonstranten und ihre belgische Mitstreiterin Anuna De Wever trafen unter anderem Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron bei einem EU-Gipfel. Die Kanzlerin Angela Merkel sagt, die Proteste hätten »etwas verändert«, es gebe Druck auf Politiker weltweit. Vor der EU-Wahl gehört Klimaschutz zu den Top-Themen der Wähler. Eine am Freitag veröffentlichte Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov für die linke Nichtregierungsorganisation Campact durchführte, zeigt noch einmal eindrücklich das Meinungsbild in Deutschland. 80 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, die Bundesregierung müsse »alles in Ihrer Macht Stehende tun, um die Klimakrise aufzuhalten«.

Drei Viertel geben in der repräsentativen Umfrage an, dass sie die Forderungen der Schüler und Schülerinnen, dass das 1,5 Grad-Ziel aus dem Pariser Klima-Abkommen eingehalten werden muss, teilen – und zwar auf jeden Fall. 69 Prozent verlangen von der Bundesregierung ehrgeizigere Klimaziele.

In der Onlineumfrage wurden zwischen dem 30. April und dem 2. Mai diesen Jahres 2043 Personen befragt wurden. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) findet die Fridays for Future-Proteste richtig. Jetzt muss das nur noch in konkretes, wirksames politisches Handeln münden. dpa/nd

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