Werbung

Theresa May am Ende

Die britische Premierministerin ist gescheitert / Rücktrittsgerüchte in London verdichten sich

  • Von Peter Stäuber, London
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Position von Premierministerin Theresa May ist mittlerweile so wackelig, dass es womöglich nur noch eine Frage von Tagen ist, bis sie zurücktritt - oder gestürzt wird. Mehrere ihrer vormaligen Verbündeten im Kabinett haben sich in den vergangenen zwei Tagen gegen May gewandt, weil sie ihren Brexit-Kurs ablehnen. Andrea Leadsom, die Vorsitzende des Unterhauses, hat am Mittwochabend das Handtuch geworfen.

May hat am Dienstag einen letzten Versuch gestartet, ihren Austrittsvertrag doch noch durchs Parlament zu bringen, obwohl ihn die Abgeordneten schon drei Mal abgelehnt haben. Mit einer Reihe von Konzessionen an die EU-Befürworter hoffte sie, die nötige Anzahl Stimmen zusammenzubekommen. So stellte sie etwa die Möglichkeit einer Zollunion sowie ein zweites Referendum in Aussicht. Die Oppositionspartei zeigte sich jedoch von dieser Offerte kaum beeindruckt - vor allem aber sorgte May damit bei den Brexit-Anhängern in der eigenen Partei für großen Ärger.

Mehrere Minister machten ihrer Chefin klar, dass sie den Deal unter keinen Umständen akzeptieren würden. Andrea Leadsom, die der Premierministerin bislang stets den Rücken stärkte, schrieb in ihrem Rücktrittsschreiben, dass Mays Vorschläge dem Referendumsentscheid nicht gerecht würden, und dass sie Teile der neuen Vorlage »fundamental ablehne«. Lead᠆som ist die 36. Ministerin, die in Mays Amtszeit zurückgetreten ist.

Zunehmend in die Ecke gedrängt, machte May am Donnerstag einen Rückzieher: Die für Freitag geplante Veröffentlichung ihrer Brexit-Vorlage soll vorerst verschoben werden. Stattdessen wolle sie sich mit ihren Ministern treffen, um sich deren Einwände gegen ihre Pläne anzuhören. Es scheint ein verzweifelter Versuch, ihren unvermeidlichen Abgang noch einmal hinauszuzögern. Weiterhin wird spekuliert, dass May bereits am Freitag ihren Rücktrittstermin bekannt geben könnte.

Das einflussreiche 1922-Komitee konservativer Hinterbänkler hat bereits eine Abstimmung abgehalten, ob sie ein Misstrauensvotum gegen die Premierministerin anstrengen wollen, wenn sie bis Freitag nicht einen Fahrplan für ihren Abgang angekündigt hat. Allerdings ist das Resultat noch nicht bekanntgegeben worden.

Auch wenn sich May bis nächste Woche halten kann, wird am Montag ein weiterer Schlag folgen: Dann werden die Resultate der Europawahl ausgezählt sein. Die Tories machen sich auf eine historische Niederlage gefasst, in manchen Umfragen schaffen sie es nicht einmal auf zehn Prozent. Unzählige EU-skeptische Wähler werden stattdessen für Nigel Farages Brexit-Partei stimmen, die die Wahl deutlich gewinnen dürfte. Das wird die Hand der harten Brexit-Anhänger bei den Tories stärken: Ihr Argument lautet, dass nur ein enthusiastischer EU-Skeptiker die Unterstützung der konservativen Wähler sicherstellen könne.

Sollte bald ein Führungskampf beginnen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass May durch einen harten Brexit-Unterstützer ersetzt wird. Boris Johnson, der ehemalige Außenminister, ist bei den Tory-Mitgliedern mit Abstand der beliebteste Kandidat. Auch mehrere andere Tory-Abgeordnete, die eine Kandidatur fürs höchste Amt ins Auge fassen, sind EU-Gegner und haben sich für einen EU-Austritt ohne Nachfolgevertrag ausgesprochen, den berüchtigten »No Deal«.

Der Thinktank Institute for Government schreibt in einer neuen Publikation, dass das Parlament kaum Möglichkeiten hätte, einen solchen Ausgang zu verhindern, obwohl eine deutliche Mehrheit den No Deal ablehnt. »Es scheint eine fast unmögliche Aufgabe für MPs, einen Premierminister zu stoppen, der entschlossen ist, die EU ohne Deal zu verlassen«, schreibt die Autorin. »Die parlamentarischen Verfahren bieten keinen Weg.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!