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»Die Erwachsenen sollten auf uns hören, wenn wir sagen, da läuft was nicht«

In 130 Ländern wurde am Freitag für das Klima gestreikt. Allein in Berlin waren 10.000 Kinder und Jugendliche am Brandenburger Tor. Wir haben mit sechs von ihnen gesprochen.

  • Von Lou Zucker
  • Lesedauer: 7 Min.
Charlotte, Aisosa und Charlotte sind heute für Fridays for Future am Brandenburger Tor.
Charlotte, Aisosa und Charlotte sind heute für Fridays for Future am Brandenburger Tor.

Die Sonne scheint, die Musik ist laut, der Platz vor dem Brandenburger Tor brechend voll: Schulklassen von Grundschulkindern mit ihren Lehrer*innen, Gruppen von Jugendlichen, die zu Klima-Punk auf und ab springen, sogar ein paar »Omas für die Zukunft unserer Enkel«. Sie wollen die Europa-Wahl zur Klimawahl machen, verkünden die Redner*innen. 10.000 Kinder und Jugendliche sind allein in Berlin für Fridays for Future auf der Straße. Sechs von ihnen erzählen, was sich ändern muss.

Aisosa, 15

Was sollen die Erwachsenen von euch als Bewegung lernen?

Aisosa, 15
Aisosa, 15

Ich finde, wir sollten uns einfach alle gegen den Klimawandel einsetzten, selbst wann nicht viel machen kann, sollte man das machen, was man gerade machen kann, weil die Mehrheit bewegt es.

Und was machst du selbst gegen den Klimawandel?

Ich finde Rauchen nicht so gut, das ist ja auch nicht gut für die Umwelt. Ich werde auch weiterhin mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, meine Mutter macht das auch. Autos sind echt schlecht für die Umwelt, das wissen wir alle.

Ich werde mir auch definitiv niemals ein Auto kaufen. Autos sind ein Luxus, in einer Stadt wie Berlin haben wir so viele Verkehrsmittel, da ist das wirklich unnötig. Dafür, dass wir jetzt ein paar Jahre im Luxus leben, werden die nächsten Generationen darunter leiden.

Kriegst du Ärger in der Schule, wenn du streikst?

Nein, wir konnten uns heute aussuchen, ob wir zur Schule gehen oder hier her kommen. Die Meisten sind hier.

In einer Solidaritätserklärung mit Fridays For Future fordern die Studierenden der Berliner Humboldt-Universität den Umbau der Bildungsinstitution in Richtung kompletter Klimaneutralität. Außerdem fordern sie das Berlin den Klimanotstand ausruft.

Aniko, 8

Aniko, 8
Aniko, 8

Was sollen die Erwachsenen anders machen?

Die sollen nicht ihren Müll auf die Straße schmeißen.

Wirfst du selber manchmal Müll auf die Straße?

Nein.

Kriegst du in der Schule Ärger, weil du heute nicht kommst?

Papa hat mir einen Zettel geschrieben und meine Lehrerin fand das gut, dass ich streike.

Es ist ein klares Bekenntnis zu mehr Klimaschutz: Laut einer aktuellen Umfrage wollen 69 Prozent der Befragten in Deutschland das sich die Politik ehrgeizigere Klimaziele setzt und das Land bis 2030 klimaneutral macht. 56 Prozent unterstützen die Fridays for Future-Proteste.

Charlotte, 16

Was sollen die Erwachsenen von euch lernen?

Wir als Bewegung können den Erwachsenen beibringen, dass es eine sehr große Vielfalt geben kann für ein Ziel. Dass es keine Frage von jung oder alt, links oder rechts ist, sondern es ist am Ende wirklich eine Frage, ob man der Wissenschaft glaubt und dementsprechend handelt.

Was machst du selber gegen den Klimawandel?

Charlotte, 16
Charlotte, 16

Ich versuche vor allem, mein Konsumverhalten einzuschränken, also immer drei mal drüber nachzudenken: Brauche ich das jetzt gerade? Kann ich das auch Second Hand bekommen? Gibt es plastikfreie Alternativen? Wie kann ich meine Ernährung umstellen? Es gibt ganz viele Punkte, wo man ansetzen kann und wo ich mich bemühe.

Kriegt ihr in der Schule Ärger wenn ihr Freitags nicht kommt?

Wir tatsächlich nicht so. Von der Schulleitung wurde uns sogar gesagt: »Wir finden es gut, wenn ihr euch politisch engagiert«. Die haben nicht direkt gesagt: »Geht streiken!«, das können die nicht machen.

Allerdings gibt es einzelne Lehrer, die sich angegriffen fühlen, wenn es immer auf ihren Unterricht fällt, weil es halt jede Woche am Freitag ist. Dadurch gibt es manchmal Konflikte.

Wie gehst du mit solchen Konflikten um?

Ich versuche den Lehrer dann zu erklären, warum ich streiken gehe. Wenn ich weiß, ich habe jeden Freitag eine Doppelstunde Englisch, die dann immer ausfällt, frage ich zum Beispiel, was für ein Stoff dran kommt, damit ich das nacharbeiten kann.

Ich versuche ihm irgendwie zu vermitteln, ich nehme ihn trotzdem als Lehrer ernst und der Unterricht ist mir wichtig. Aber in dem Moment ist mir die Demonstration eben wichtiger.

Im Juni wollen Fridays for Future-Aktivisten mit einer internationalen Großdemonstration gegen den Braunkohleabbau im Rheinland demonstrieren - und dann auch noch ziemlich nah an den Tagebau heran und in räumlicher Nähe zu den linken Ende Gelände Aktivisten, die Kohlebagger blockieren, demonstrieren - man ist sich freundlich verbunden.

Len, 12

Was findest du, was sollten die Erwachsenen von euch lernen?

Len, 12
Len, 12

Na, dass die mal was machen in der Politik, dass sie mal handeln!

Und was sollen die machen?

Na, dass mal mehr auf Klimaschutz geachtet wird und Kohleausstieg bis 2030!

Machst du selber auch irgendwas gegen den Klimawandel?

Wir haben kein Auto, ich bin auch noch nie geflogen. Und ich bin Vegetarier.

Kriegst du in der Schule Ärger wenn du streikst?

Nö, wir kriegen halt ne Schulbefreiung. Unsere Eltern beantragen die und dann erlauben die das auch, unsere Lehrer.

Unternehmer gegen die Klimakrise: Längst sind es aber nicht mehr nur Schüler, die protestieren. In Anlehnung an »Fridays for Future« haben sich schon zahlreiche Initiativen gegründet, und es kommen immer mehr hinzu. Erst gab es die »Parents for Future«, dann die »Scientists for Future« und jetzt denken auch noch zukunftsbewusste Konzerne.

Tabea, 18

Was soll die Gesellschaft von euch als Bewegung lernen?

Tabea, 18
Tabea, 18

Ich finde, dass es auch ok ist, wenn sich jeder einzelne engagiert. Auch wir können etwas verändern, denn es ist eben unsere Zukunft. Es ist auch wichtig, dass wir jetzt handeln.

Auch wenn einige von uns noch nicht wählen gehen können - wie zum Beispiel meine Freundin hier, die ist noch nicht 18 - dann sollte trotzdem auf uns gehört werden, wenn wir sagen, da läuft was nicht. Vielleicht sind wir idealistisch in manchen Sachen. Aber wir müssen handeln und die Erwachsenen müssen uns dabei helfen.

Was tust du selber gegen den Klimawandel?

Ich lebe vegan mittlerweile. Ich versuche Einwegplastikflaschen so gut es geht zu vermeiden. Ich habe den Führerschein, aber ich nehme öfter mal Bahn und Fahrrad. Ich lebe auch nicht in Berlin sondern in Brandenburg und da ist es sehr einfach, mal das Fahrrad zu nehmen anstatt das Auto.

Hast du vor, dich auch nach der Schule weiter bei Fridays for Future zu engagieren?

Ja, auf jeden Fall!

Nur grüne Reformisten? Bei Fridays for Future gibt es auch einen Zusammenschluss von Antikapitalisten. Die kritisieren die ausschließliche konsumkritische Haltung mancher Klimaaktivist*innen. Nur darauf hinzuarbeiten, dass alle weniger Auto fahren und mehr Fair-Trade-Kleidung kaufen, ist aus ihrer Sicht zu wenig.

Charlotte, 9

Charlotte, 9
Charlotte, 9

Was sollen die Erwachsenen besser machen, damit es weniger Klimawandel gibt?

Weniger Autofahren.

Was machst du selber gegen den Klimawandel?

Ich fahre mit dem Fahrrad.

Kriegt ihr in der Schule Ärger, wenn ihr Freitags streikt?

Nein.

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