Werbung

Kleins Kippa-Kapitulation

Der Antisemitismusbeauftragte liegt richtig und falsch, findet Lotte Laloire

  • Von Lotte Laloire
  • Lesedauer: 1 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Israels Staatspräsident ist bestürzt über die Empfehlung des Antisemitismusbeauftragen der Bundesregierung, Juden sollten sich nicht überall in Deutschland mit der Kippa zeigen.
Israels Staatspräsident ist bestürzt über die Empfehlung des Antisemitismusbeauftragen der Bundesregierung, Juden sollten sich nicht überall in Deutschland mit der Kippa zeigen.

Juden sollten nicht überall Kippa tragen. Vor allem nicht in Teilen deutscher Großstädte. Das empfahl am Wochenende ausgerechnet der Antisemitismusbeauftrage der Bundesregierung, Felix Klein. Die Kippa, die kleine runde Mütze, tragen jüdische Männer als Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag. Menschen, die in der Öffentlichkeit als jüdisch erkennbar sind, sind gefährdet. Die Beobachtung, die Kleins Warnung zugrunde liegt, ist absolut richtig. Antisemitische Straftaten stiegen 2018 um fast 20 Prozent.

Nicht richtig ist Kleins Handlungsempfehlung. Sie ist »ein Armutszeugnis für das moderne Deutschland«, wie Konstantin Kuhle von der FDP zu Recht sagte. Auch Israels Präsident Reuven Rivlin reagierte entsetzt. Er warnt umgekehrt davor, vor Antisemiten zu »kapitulieren« - und somit auch vor Kleins unfreiwilliger Botschaft. Sie suggeriert, Kippas oder gar Juden seien das Problem, dabei heißt es Antisemitismus. Juden zu raten, die Kippa wegzulassen, um nicht verprügelt zu werden, erinnert an die ebenso falsche Aufforderung, Frauen sollten keinen Minirock tragen, um nicht vergewaltigt zu werden. Hier ist nicht die Kleidung die Ursache, sondern Sexismus. Statt Betroffenen Ratschläge zu geben, sollten wir lieber alle Kippa (und Minirock) anziehen, die Strukturen bekämpfen, die diese Gewalt hervorbringen, und bis dahin vielleicht sensiblere Antisemitismusbeauftrage ernennen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!