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Wie Orkan »Kyrill« dem Förster half

Bei Treuenbrietzen versucht Dietrich Henke, den Wald an den Klimawandel anzupassen

  • Von Friederike Meier
  • Lesedauer: 5 Min.

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Förster Dietrich Henke kümmert sich um den Waldumbau.
Förster Dietrich Henke kümmert sich um den Waldumbau.

Dietrich Henke schiebt mit seinem Fuß ein paar Kiefernnadeln zur Seite. Er gräbt mit der Fußspitze. Staub wirbelt auf. Anfang Mai ist der Boden hier im Wald bei Treuenbrietzen staubtrocken. Henke zeigt auf einen Baum, dessen Nadeln komplett vertrocknet sind. »Die Douglasie hat Riesenprobleme mit der Dürre«, sagt Henke, der hier seit 17 Jahren Stadtförster ist.

»Wir kriegen Stürme, Waldbrände und schädliche Insekten. Jeder muss inzwischen erkennen, dass wir einen extremen Wandel in der Forstwirtschaft vor uns haben.« Insgesamt ist Henke für eine Fläche von 1900 Hektar zuständig, auf 300 davon versucht er seit Jahren, den Wald an den Klimawandel anzupassen. Wie das am besten geht, ist für ihn klar: Weg von der Monokultur mit Kiefern, hin zum Mischwald. »Es stehen überall Buchen bei mir drin«, ruft Henke. »Das muss man sich mal vorstellen.«

Tatsächlich wachsen zwischen den Kiefern auch Laubbäume, kleine Buchen und Eichen. Vor allem die Buchen sind Henkes ganzer Stolz. In Südbrandenburg kenne er kein Gebiet, wo die Buche sich in der Form »unverbissen verjüngt«, sagt er. Damit meint Henke, dass die kleinen Buchen groß werden können, ohne von Wild abgefressen zu werden.

Dass Henke auf dem richtigen Weg ist, bestätigt Pierre Ibisch, Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. »Laubbäume bremsen Feuer. Mischwälder mit gutem Boden und Totholz speichern mehr Wasser. Mehr Biomasse bedeutet mehr Kühlung«, erläutert Ibisch. »Kühlung, Befeuchtung, Pufferung von Schwankungen, nichts brauchen wir mehr in diesen Zeiten des Klimawandels.«

Bei seinem Vorhaben, aus dem Kiefernwald einen Mischwald zu machen, kam Stadtförster Henke ausgerechnet ein Sturm zu Hilfe. Im Jahr 2007 fegte Orkan »Kyrill« auch über Brandenburg hinweg. Im Stadtwald von Treuenbrietzen gab es viele Schäden. »Der Sturm hat mir die Möglichkeit gegeben, zu sehen, wie die Natur sich selbst strukturiert«, sagt Henke. Denn »Kyrill« warf nicht alle Bäume um, sondern nur die schwächeren. Den Rest hat der Förster stehenlassen. »Dadurch sind von Natur aus Licht-Schatten-Spiele entstanden, und damit haben sich unterschiedliche Baumarten eingefunden.«

Wo früher nur Kiefern standen, wachsen jetzt auch Birken, Eichen und Buchen. »Danach sind noch etliche Stürme gekommen. Aber die Strukturen, die nach ›Kyrill‹ erhalten geblieben sind, sind danach auch noch geblieben«, sagt Henke stolz. Der große Mann mit Bart spricht mit tiefer, eindringlicher Stimme.

Allerdings: Es reicht nicht aus, den Wald nach einem Sturm einfach wachsen zu lassen. »Ich muss sehr stark jagen, damit der Wald nicht entmischt wird«, erklärt Henke. Mit »entmischen« meint er, dass Wildtiere die jungen Laubbäume fressen und so dafür sorgen, dass nur die üblichen Kiefern wachsen. Für seine intensive Jagd hat er am Anfang viel Gegenwehr bekommen, wie er erzählt.

»Wenn wir raus wollen aus der Monokultur, müssen die Wildpopulationen effektiver kontrolliert werden und nicht für das Schießvergnügen von Hobbyjägern vorgehalten werden«, sagt auch Pierre Ibisch. Das jetzige Jagdgesetz schreibe »stabile Populationen« vor, natürlicherweise gäbe es aber eine Dynamik mit erheblichen Schwankungen, in der es auch mal wenig Wild gebe. »In dieser Zeit können sich dann Laubbäume einstellen und aufwachsen«, erklärt Ibisch. Er kritisiert, dass Jagd und Waldentwicklung nicht in einer Hand sind. »Das ist hinderlich, ja geradezu unzeitgemäß.«

Förster Henke will neben seiner Forderung nach mehr Jagd, dass Kahlschläge auch auf kleinen Flächen verboten werden. Außerdem kritisiert er, dass es vor allem für private Waldbesitzer schwierig ist, an Fördermittel für den Waldumbau zu kommen. Für die Anträge seien teilweise tiefgehende Forstkenntnisse nötig, was vor allem private Waldbesitzer vor Probleme stelle. Und finanzielle Unterstützung sei nötig: Denn wer frühzeitig Bäume fällt, um den Wald lichter zu machen, verzichtet auf Einnahmen aus dem Holzverkauf und braucht dafür einen Ausgleich.

Henkes Vision für den Waldumbau ist eine Art Gemeinwohlprämie. Wer durch Umbau dem Wald hilft, seine Funktionen für die Allgemeinheit auszufüllen, soll belohnt werden. Dafür fordert Henke eine unabhängige Instanz, die berät und Fördermittel für den Waldumbau zuteilt.

Der Bund Deutscher Forstleute hat für den Waldumbau und als Ausgleich für die Dürreschäden im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro von der Bundesregierung gefordert. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat bisher lediglich 25 Millionen über fünf Jahre versprochen. Das wird nach Henkes Einschätzung nicht reichen. »Ein paar Milliarden sind schon nötig. Wenn er lukrativ wird, werden den Waldumbau auch viele wollen.«

Dass es bitter nötig ist, den Wald vor Feuer zu schützen, hat Henke schon selbst erlebt. Nur wenige Kilometer von seinem mit jungen Buchen und Eichen verjüngten Wald sind nur noch ein paar verkohlte Kiefern vom Stadtwald übrig. Der Wind pfeift über die benachbarten Privatwaldflächen, deren Besitzer die Bäume komplett fällen ließen. Ein Teil des Stadtwaldes, 145 Hektar, war im vergangenen Sommer von einem der größten Waldbrände Brandenburgs betroffen, mehr als die Hälfte davon stark betroffen.

»Sowohl die Folgen des Klimawandels als auch das, was im Wald möglich ist, sind hier sichtbar«, sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des Umweltverbandes BUND. »Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Je später wir handeln, desto bitterer bezahlen wir.« Nach Weigers Einschätzung ist die Situation in den Wäldern noch schlimmer als in der Landwirtschaft. »Dort kann man durch Bewässerung und Humusaufbau noch einiges ausgleichen.« Der Wald hingegen reagiere nur langsam.

Stadtförster Henke kämpft als Ein-Mann-Betrieb allein gegen die Zeit. Waldumbau, Jagd, Betriebswirtschaft, Holzernte organisieren, die komplette Pflege der 1900 Hektar liegt in seiner Hand. Mit nur acht Stunden am Tag komme er nicht aus, gibt er zu. Aber der Wald gibt ihm auch Kraft. Wenn er Probleme hat mit der Bürokratie, fährt er einfach in den Wald. »Burn-out habe ich noch nicht, weil ich immer an den Baum denke.«

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