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Verkehr ohne Wende

An der Oberbaumbrücke sollen Radler wegen einer Baustelle nun absteigen

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Während aller Baumaßnahmen mit Auswirkungen auf das öffentliche Straßenland soll eine sichere Radverkehrsführung sichergestellt werden«, heißt es in Paragraf 39 des Berliner Mobilitätsgesetzes. Doch an der Oberbaumbrücke, die Friedrichshain und Kreuzberg verbindet, ist davon nicht viel zu spüren. Am Montag begannen die bauvorbereitenden Arbeiten für einen Austausch der Fahrbahndecke und eine Erneuerung der Abdichtung der Brückenkonstruktion.

In Richtung Friedrichshain wurde eine temporäre Fahrradspur vom Fußgängerweg unter den Arkaden abgeteilt. Das ist schon eine eher halbgare Lösung angesichts der zahllosen Passanten sowie raumgreifend dort lagernden Musikern und Lebenskünstlern. In Richtung Kreuzberg sollten Radfahrer auf der verbliebenen Autospur mitschwimmen. Doch kurz nach Einrichtung der Baustelle kam die zuständige Verkehrslenkung Berlin (VLB) noch am Montag zu dem Schluss, dass dies für die Radler zu gefährlich sei und verfügte, dass diese ihr Gefährt auf dem Bürgersteig über die Brücke zu schieben hätten. Und das bei einer der wichtigsten Spreequerungen für Zweiräder, die von täglich über 20 000 Radfahrenden passiert wird.

»Wir hatten gerade die Europawahl, bei der der Klimawandel ein ausschlaggebendes Argument war, aber Berlin agiert nach dem alten Muster ›Autoverkehr zuerst‹!«, echauffiert sich Dirk von Schneidemesser von Changing Cities. »Dabei ist klar, dass die Förderung des Radverkehrs zentral für eine nachhaltige Verkehrswende ist.«

»Es gibt gute Gründe für diese temporäre schlechte Regelung - es geht um Verkehrssicherheit für Radfahrende und Fußgänger*innen«, verteidigt Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrsverwaltung das Vorgehen auf Twitter. »Radfahrende können nicht neben Autos fahren, das Hintereinanderfahren führt - trotz Rücksichtnahmegebot - absehbar zur massiven Gefährdung von Radfahrenden, erklärt er auf nd-Anfrage.

«Uns wurden keine Zahlen vorgelegt, die solche Behauptungen stützen würden», erklärt von Schneidemesser auf nd-Anfrage. Für ihn ist klar: «Wenn wegen der Baustelle kein Platz für Fahrräder und Autos ist, dann muss die Oberbaumbrücke eben für den motorisierten Individualverkehr gesperrt werden.»

«Wer den Oberbaum für Autos komplett dicht macht, riskiert den Kollaps der Elsenbrücke für alle. Kann man wollen, sollte man dann aber auch sagen», so Thomsen bei Twitter.

Zum Vergleich: Wegen eines Streiks im Amsterdamer Nahverkehr diesen Dienstag hat die Stadtverwaltung den Autobahntunnel unter dem Fluss IJ, der den Norden ans Zentrum anbindet, komplett für den Autoverkehr gesperrt. Nur Radler dürfen fahren.

«In Abstimmung mit dem Bezirksamt werden bei der Senatsverkehrsverwaltung jetzt alternative Wegeführungen geprüft, die auch das Radfahren in beide Richtungen ermöglichen», der Friedrichshain-Kreuzberger Verkehrsstadtrat Florian Schmidt (Grüne) auf nd-Anfrage. «Die aktuelle Regelung sehe ich als Provisorium, damit die Bauarbeiten los gehen konnten», so Schmidt weiter.

Für diesen späten Dienstagnachmittag, nach Redaktionsschluss dieser Seite, haben die Aktivisten von Changing Cities zu einer Sitzblockade der Oberbaumbrücke aufgerufen. Sie fordern nicht nur eine neue Lösung für die Bauzeit bis November, sondern auch die Einrichtung eines abgetrennten Fahrradwegs unter Wegfall einer Autospur danach.

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