Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Doppelt und dreifach

Führungskrise in der SPD / Doppel- und sogar Dreifachspitzen haben eine lange Tradition

  • Von Ronald Friedmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die kriselnde SPD hat aktuell ein Führungstrio als Interimslösung für die Nahles-Nachfolge. Doppel- und sogar Dreifachspitzen haben in der SPD eine lange Tradition, die bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht. Allerdings ging es in diesen vergangenen Zeiten nie darum, beide Geschlechter angemessen zu repräsentieren, angestrebt wurde vielmehr ein Ausgleich zwischen den divergierenden politischen Richtungen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie.

Die erste Doppelspitze wurde im Oktober 1890 gewählt, auf dem Parteitag in Halle (Saale), dem ersten nach der Aufhebung des Bismarck’schen Sozialistengesetzes. Auf diesem Parteitag beschloss die Partei übrigens auch ihren bis heute gültigen Namen: Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Gleichberechtigte Parteivorsitzende wurden damals Paul Singer und der heute nur noch unter Historikern bekannte Vogtländer Alwin Gerisch.

1892 rückte August Bebel, der »Arbeiterkaiser«, an die Spitze der SPD auf. Das »Doppel« Bebel - Singer führte die SPD unter anderem durch die Höhen und Tiefen des sogenannten Revisionismusstreits mit den Protagonisten Eduard Bernstein und Karl Kautsky, durch die von Rosa Luxemburg und anderen Linken angestoßenen Debatten um den politischen Massenstreik. Und nicht zuletzt durch die Auseinandersetzungen um die Bewilligung oder grundsätzliche Ablehnung der Haushalte der deutschen Länder durch die Fraktionen der SPD.

Nach dem Tod von Paul Singer 1911 - mehr als eine Million Menschen begleiteten ihn auf dem Weg zu seiner letzten Ruhestätte in Berlin-Friedrichsfelde - drohte zunächst eine Kampfabstimmung um dessen Nachfolge. Obwohl Friedrich Ebert schließlich seine Kandidatur zurückzog, erhielt er auf dem Wahlparteitag im September 1911 in Jena trotzdem mehr als 100 Delegiertenstimmen. Gewählt wurden jedoch August Bebel und Hugo Haase, beide auf dem linken Parteiflügel verortet.

Erst nach dem Tod Bebels im August 1913 wurde Friedrich Ebert zum Parteivorsitzenden gewählt. Diese Doppelspitze Ebert - Haase war die Inkarnation der parteiinternen Konflikte der SPD, die von der Zustimmung zu den Kriegskrediten im August 1914 bis zur Spaltung der Partei und der Gründung der USPD im April 1917 in Gotha führte, der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei, an deren Spitze Hugo Haase stand.

Der Parteitag in Weimar im Juni 1919 wählte Otto Wels und den späteren Reichskanzler Hermann Müller zu Parteivorsitzenden. Ebert, der im Februar 1919 von der Nationalversammlung zum Reichspräsidenten gewählt worden war, konnte nicht wieder kandidieren. Im September 1922 wurde Arthur Crispien zum dritten Vorsitzenden der SPD gewählt. Er hatte bedeutende Reste der USPD - ein großer Teil hatte sich Ende 1920 mit der KPD zusammengeschlossen - zurück in die »Mutterpartei« geführt. Allerdings spielte er innerhalb der Partei nur eine untergeordnete Rolle. Nach der Machtübergabe an Hitler im Januar 1933 sowie dem Verbot der SPD und ihrer Zerschlagung im Frühsommer 1933 übernahm Otto Wels die Verantwortung für den Aufbau der Sopade, der in Prag und später in Paris ansässigen Exilleitung der SPD. Mehrfachspitzen waren nun kein Thema mehr.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln