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Im Schmerz liegt der Erfolg

Alexander Zverev geht in Paris auch vor dem Duell mit der Nummer eins der Tenniswelt in die Eiskammer

  • Von Wolfgang Müller, Paris
  • Lesedauer: 4 Min.

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Auch vor dem Viertelfinalkracher gegen Novak Djokovic wollte Alexander Zverev wieder in die Eiskammer. Drei Minuten bei minus 180 Grad Celsius - in Unterhose, Socken, Handschuhen und mit Schutz für Nase, Ohren und Mund. Auf die schmerzhafte Erholungskur setzen bei den French Open auch Stars wie der frühere Champion Stan Wawrinka. Dem besten deutschen Tennisspieler hat der regelmäßige Gang in die Kälte bislang auch nicht geschadet. Im Gegenteil: Nach unerfreulichen Monaten mit sportlichen Tiefschlägen, der Trennung von der Freundin und einem Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Manager steht Zverev in Paris vor dem bislang bedeutendsten Match seiner wechselhaften Saison.

An diesem Mittwoch trifft der 22-jährige Hamburger beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt auf den besten Tennisspieler der Welt. »Ich habe große Lust auf so ein Viertelfinale«, sagt Zverev. Djokovic ist mit großem Abstand auf Rafael Nadal die Nummer eins der Rangliste. Der 32-jährige Serbe ist aktueller Champion der Australian Open, der US Open und von Wimbledon. Sage und schreibe 25 Grand-Slam-Matches in Folge hat Djokovic gewonnen. In Paris erreichte er jetzt als erster Spieler das zehnte French-Open-Viertelfinale in Serie.

»Ich weiß, dass ich mein bestes Tennis spielen muss, sonst habe ich keine Chance«, sagt Zverev vor dem fünften Vergleich mit Djokovic. Zweimal hat Zverev schon gegen den Mann aus Belgrad gewonnen, jüngst bei seinem ersten großen Titel bei den ATP-Finals im November in London - aber auch schon vor zwei Jahren im Endspiel von Rom auf Sand. Sollte ihm tatsächlich ein weiterer Coup auf dem Court Philippe Chatrier gelingen, winkt Zverev nicht nur sein bestes Ergebnis bei einem der vier großen Turniere, sondern auch eine unterhaltsame statistische Momentaufnahme. 80 Spieler haben mindestens viermal gegen Djokovic gespielt, nur ein einziger hat mit 5:4 eine positive Bilanz gegen den Serben: der längst zurückgetretene Andy Roddick.

Aber Zahlenspielereien interessieren Zverev ebenso wenig wie all die Einwürfe oder vermeintlichen Ratschläge von Außenstehenden. Zverev zerstöre sich selbst und habe »zu viele Fragezeichen im Kopf«, bemängelte jüngst Ex-Profi Tommy Haas. Er stehe viel zu weit hinter der Grundlinie, analysierten die ehemaligen Weltklassespieler Boris Becker und Mats Wilander. John McEnroe machte »physische und mentale« Gründe aus, warum der junge Norddeutsche mit russischen Wurzeln in dieser Saison noch nicht so richtig zu überzeugen wusste.

»Ach, die ganzen Experten, davon gibt es ja immer Tausende«, sagte Zverev nach seinem letztendlich überzeugenden Achtelfinalerfolg gegen den Italiener Fabio Fognini. »Das ist mir nicht egal, aber was soll ich machen? Sie können sagen, was sie wollen. Letztes Jahr war ich auf einmal der neue Superstar, dieses Jahr ist es Tsitsipas, nächstes Jahr ist es noch jemand anderes. Ich fokussiere mich auf mich selbst«, sagt Zverev und bekräftigte: »Ich höre auf sehr wenige Leute, ich höre immer nur auf die Leute, die in meinem Umkreis sind.«

Zu diesen gehört auch Zverevs Trainer Ivan Lendl, der erst zur Rasensaison wieder einfliegen wird und in Roland Garros fehlt. In Paris ist es Vater Alexander Zverev senior, der die Matches seines Sohnes mit meist gleichbleibendem Gesichtsausdruck von der Box aus verfolgt. Er habe täglich Kontakt mit Lendl, sagt Zverev. Sie schreiben sich, manchmal telefonieren sie. »Er hält sich kurz, meistens ist er auf dem Golfplatz und hat nur 44 Sekunden Zeit«, erzählt Zverev wohlgelaunt.

Überhaupt fällt auf, wie entspannt und freundlich Zverev zumindest nach außen hin auftritt. Weiterhin düst er auf E-Scootern durch die französische Hauptstadt, lebt nach eigener Aussage noch immer ohne eigenes Handy und betont regelmäßig, wie gut ihm die kurzfristige Turnierteilnahme in Genf und der dort gewonnene Titel getan habe.

Unabhängig vom Ausgang des Duells mit Djokovic hat sich Zverev schon ein wenig aus der Negativspirale der vergangenen Monate befreit. Er weiß, dass es aktuell keine schwierigere Aufgabe gibt als einen Vergleich mit Djokovic oder Nadal. Doch Zverev will sich seine beiden Siege gegen den Serben noch einmal auf Video anschauen, denn er weiß auch: »Ich habe gegen ihn schon große Matches gewonnen.« dpa/nd

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