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Die vielleicht gefährlichste Psychogruppe Deutschlands

Bei der SPD entfernt sich nicht nur Olaf Scholz immer weiter von der Realität

  • Von Roberto De Lapuente
  • Lesedauer: 4 Min.

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Kaum war die SPD nach der Europawahl in ihre nächste schwierige Krise geschlittert, weil sie um Vorsitzende und Wählerinnen und Wähler gebracht wurde, meldete sich der Sozialdemokrat Olaf Scholz zu Wort: Seine Partei könne die stärkste Kraft im Lande werden, diktierte er zitierfähig. Und das nicht etwa irgendwann, sondern schon bei der nächsten Bundestagswahl. Man dürfe sich nicht kleiner machen, als man sei, so schwadronierte er weiter. Scholz glaubt offenbar inbrünstig an seine Partei.

Nun hat der Mann ja nicht ganz unrecht. Die SPD könnte tatsächlich die stärkste Partei werden. Sie könnte aber auch die schwächste Partei werden. Das ist so mit der Zukunft und der Vorstellungskraft der Menschen: Denn der Mensch hofft viel und weiß doch so wenig über das, was noch vor ihm liegt. Wenn ich nun sage, dass die Sonne morgen nicht aufgehen könnte, gibt es sicher ein millionstel Promille einer Chance, dass ich recht haben könnte. Wir behaupten dergleichen nur nicht, weil wir es besser ahnen - so wusste es zumindest schon David Hume. Für den Philosophen lag es an der Erfahrung, dass wir derlei Möglichkeiten für abwegig halten, obwohl wir nicht beweisen können, dass auch morgen wieder die Sonne scheint.

Innerhalb der Sozialdemokratie scheint aber nichts mehr: Keine Sonne und auch nichts mehr abwegig genug zu sein, um nicht trotzdem als Sentenz an die Öffentlichkeit gerichtet zu werden. Dabei wirken die Genossinnen und Genossen oft wie ferngesteuerte, hirngewaschene Mitglieder einer Psychogruppe.

Das spürte man deutlich nach jenem Debakel bei der Europawahl. Es meldeten sich natürlich viele Sozis zu Wort, die ihre Einschätzung preisgaben. Am beliebtesten war hierbei die Theorie, dass die Wählerschaft nur deshalb die SPD mied, weil sie nicht kapiert habe, worauf die Partei eigentlich hinauswill. Alles nur ein Vermittlungsproblem. Kommunikationsschwierigkeiten. Ein Gesprächsdefizit. Dabei reden die Sozialdemokraten doch eigentlich nicht wenig. Es sind daher wohl die Wähler, die nicht zuhören. Täten sie es, hätte es am 26. Mai dieses Jahres nur eine Option gegeben: nämlich die SPD, die nächste stärkste Partei in Deutschland.

So ein eschatologisches und gleichzeitig weltabgewandtes Verhalten kennt man gemeinhin von Leuten solcher Gruppierungen, die gesellschaftlich isoliert sind und gemieden werden. Bei Sekten ist das zum Beispiel die übliche Einstellung zur Umwelt. Wenn die Jünger Bhagwans zusammengesessen haben, war es sicherlich dieselbe Leier. Da hieß es dann, »die Leute verstehen uns einfach nicht, sie würden uns aber verstehen, wüssten sie bloß, dass wir alle voller Liebe sind, dann würden sie sich uns doch anschließen… Mimimi.«

Von politischen Parteien kennt man so eine Verhaltensnorm dann eher nicht. Jedenfalls nicht in neuester Zeit. Aber innerhalb der SPD scheint man notwendige Analysebereitschaft, gesunde Selbstkritik und eine gewisse Nähe zur Lebensrealität der eigenen potenziellen Wählerschaft durch ein anderes, eben sektiererisches Wertesystem ersetzt zu haben. Eines, das auf die parteiliche Prädestination baut, auf Einengung des Blickwinkels und auf den unumstößlichen Frohsinn einer Spaßpartei – auch, ja ganz besonders dann wenn es schlecht läuft!

Solchen Psychogruppen ist es ja gemein, dass sie sich auch gar nicht erst von außen diktieren lassen, ob was schlecht läuft oder gut wirkt. Die Deutungshoheit liegt ja in den Händen des inneren Zirkels – und wenn der befindet, dass die Umwelt irrt und nur die Gruppe sei auf dem richtigen Weg, dann tut man gut daran, die Wege der Herren für unergründlich, aber leider nicht abänderbar zu halten.

Scientology treibt es böse mit den Mitgliedern. Und diese Typen in schlecht sitzenden Anzügen, die in einem Spartenkanal ohne Unterlass vom »sophianischen Zeitalter« salbadern und dabei wie Vogonen unendliche Verse rezitieren, können einen auch ordentlich verschrecken. Aber die sind alle nichts gegenüber einer Partei, die sich ins Sektenhafte verabschiedet hat. Denn die wird bald die stärkste politische Kraft im Lande – und sollte das eintreten, verstärkt sich der psychotische Kurs im Inneren des Zirkels nur noch, dann hält man sich für unsterblich. Ommm!

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