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Eine ungewollte Bewerbung

Unter 10-Tage-Bundestrainer Marcus Sorg gewinnen die deutschen Fußballer zweimal souverän. Dennoch will er den Job schnell wieder an seinen Chef abgeben

  • Von Oliver Mucha und Marco Mader, Mainz
  • Lesedauer: 4 Min.

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DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Ehrenspielführer Philipp Lahm plauderten bei Blasmusik und deftiger bayerischer Kost völlig entspannt über die Europameisterschaft 2020. Auch im mondänen Bootshaus des Mainzer Ruderclubs war am Tag nach der Torparty beim 8:0 (5:0) gegen Estland der Stimmungswandel rund um die Nationalmannschaft beim Deutschen Fußball-Bund spürbar.

Ein Jahr nach dem WM-Desaster und zwölf Monate vor der paneuropäischen EM sind die jungen Spieler auf dem Weg zurück in die Weltspitze - und daran hat Ersatzbundestrainer Marcus Sorg keinen geringen Anteil. »Es wächst etwas zusammen. Die Mannschaft sprüht vor Energie. Sie versucht, die Menschen außerhalb des Spielfeldes zu begeistern. Der Bundestrainer kann aus einer optimalen Ausgangssituation weiterarbeiten«, sagte Sorg nach dem dritten Sieg im dritten Qualifikationsspiel.

Der im vergangenen Jahr tief gefallene Weltmeister liegt damit klar auf EM-Kurs - der in Belarus (2:0) und gegen Estland erkrankt fehlende Bundestrainer Joachim Löw soll im September die nächsten Schritte verantworten. »Der Bundestrainer ist derjenige, der vorangeht und an dem sich alle orientieren und festhalten. Er hat gefehlt. Deswegen sind alle froh, wenn er bald wieder gesund und bei uns sein wird«, sagte Sorg bescheiden.

Bei einer Veranstaltung des DFB mit dem Titel »EURO-Countdown 2020« wuchs mit Blick auf den Rhein und den von Bierhoff präsentierten EM-Pokal schon einmal die Vorfreude auf das Turnier in zwölf europäischen Städten im nächsten Sommer. Bei einer erfolgreichen Qualifikation hätte das DFB-Team zwei Vorrundenspiele in München sicher, ein drittes könnte hinzukommen. Bierhoff hat die Planungen jedenfalls schon aufgenommen. Laut »Sport Bild« soll sich die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen bei Bierhoffs Suche als Favorit für das deutsche EM-Quartier der herauskristallisiert haben.

Und an einer Teilnahme zweifelt niemand mehr. Bierhoff sah »eine Mannschaft, die es wieder allen zeigen will.« Sorg lobte einen »unfassbaren Zusammenhalt.« Die Mannschaft versuche, »begeisternden Fußball zu spielen. Sie ist gewillt, bis zum Schluss Vollgas zu geben und bereit, Widerstände zu überwinden.« Sorg stellte mit Blick auf die nächsten Prüfungen gegen die Niederlande in Hamburg (6. September) und drei Tage später in Nordirland fest: »Wir wollen unsere Aufgaben weiter erfüllen und nicht nach links und rechts schauen.«

Davon sind die Spieler weit entfernt. »Wir sind gut beraten, nicht abzuheben«, sagte Leon Goretzka angesichts der fehlenden Qualität der letzten beiden Gegner. Doch wie die DFB-Auswahl die Pflichtaufgaben löste, war beeindruckend. Die spielerische Raffinesse verzückte die Fans in Mainz. Die Treffer von Marco Reus (10./37.), Serge Gnabry (17./62.), Leon Goretzka (20.), Ilkay Gündogan (26., Foulelfmeter), Timo Werner (79.) und Leroy Sane (88.) waren Ausdruck einer bemerkenswerten Spielfreude. Sorg war daher »ein wenig stolz auf die Mannschaft, die nach einer kräftezehrenden Saison konzentriert und konsequent gearbeitet« habe.

Dementsprechend zufrieden verabschiedeten sich Manuel Neuer und Co. am Mittwoch in den Sommerurlaub. Man habe sich in »einen Rausch gespielt«, stellte Neuer nach dem höchsten Sieg seit November 2016 und fest. Julian Draxler sprach von einem »frischen Wind« in der Mannschaft, während Joshua Kimmich die »Leidenschaft« lobte: »Jeder ist gierig, jeder ist hungrig.«

Sechs Spiele ist die Mannschaft nach der erzwungenen Verjüngung des Kaders nun ungeschlagen. »Wir wollen wieder nach ganz oben, aber das wird noch ein bisschen dauern. Doch mit dieser Gier und Leidenschaft kann es klappen«, sagte Reus, der mit Sane und Gnabry erneut mächtig wirbelte.

Stark präsentierte sich auch Gündogan, der im Zuge der Erdogan-Affäre vor einem Jahr von den eigenen Fans noch ausgepfiffen wurde. In Mainz applaudierten die Anhänger bei seiner Auswechslung begeistert.

Gündogan war über den Stimmungswandel ebenso erleichtert wie Sorg über seine erfolgreiche Arbeit als Zehn-Tage-Bundestrainer. »Es war schon ein gewisser Druck da«, sagte der 53-Jährige. Sechs Punkte und 10:0 Tore - die Bilanz könnte nicht besser sein. Sorg blieb aber zieht es zurück in die zweite Reihe: »Ich gehe nicht in die Geschichte ein. Ich bin kein Bundestrainer.« Ilkay Gündogan attestierte Sorg aber vor seinem »Rückzug« noch, »einen sehr, sehr guten Job gemacht« zu haben. Ebenso wie Leroy Sane, der eigenen Angaben zufolge »sehr viel Spaß« gehabt habe. Schon jetzt wächst offensichtlich die EM-Vorfreude. SID/nd

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