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  • Deutschland gegen Spanien

Hoffen auf Sonnenschein

Die deutschen Fußballerinnen besiegen bei der WM auch Spanien - können mit ihrem Spiel aber nicht zufrieden sein

  • Von Frank Hellmann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Von Montpellier ist nur das Beste zu hören: eine lebhafte Universitätsstadt am Mittelmeer, nicht weit von den Badeorten Palavas-les-Flots und La Grande-Motte entfernt. Und ein junges Publikum, das sich gerne vom mediterranen Klima verwöhnen lässt. Vielleicht brauchen die deutschen Fußballerinnen bei dieser Weltmeisterschaft jetzt solche eine Luftveränderung. Raus aus dem verregneten Norden, rein in den sonnigen Süden. Am Donnerstag flog der DFB-Tross von Lille nach Montpellier. Vielleicht kommt dort im dritten WM-Spiel gegen Südafrika ja mal mehr als nur ein Arbeitssieg zustande.

Auch beim zweiten 1:0, diesmal gegen Spanien, übertünchte das Resultat die spielerischen Mängel. »Bei mir überwiegt der Stolz: Die Mannschaft musste an ihre Grenzen gehen, und ist an ihre Grenzen gegangen«, betonte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am Mittwochabend im Stade du Hainaut von Valenciennes. »Wenn wir jedes Spiel 1:0 gewinnen, werden wir Weltmeister. Das würde ich sofort unterschreiben«, sagte Melanie Leupolz. Die im offiziellen WM-Werbespot der DFB-Frauen mit ihren acht Fingern bekannt gewordene Mittelfeldspielerin wusste natürlich, dass diese Rechnung kaum aufgehen wird, weshalb sie noch anfügte: »Wir sind nicht hundertprozentig zufrieden. Natürlich haben wir einen höheren Anspruch.«

Ihre Trainerin ist fast gezwungen, das Glas als halb voll statt halb leer anzusehen. »Wir haben schon mal einen sehr komplizierten Einstieg in die WM bewältigt. Die sechs Punkte nimmt uns keiner mehr weg.« Ihre These: Ohne den Druck, der trotz der kürzlich eingetroffenen Teampsychologin Birgit Prinz die Köpfe nicht nur ein bisschen belastet hat, spielt es sich gegen Südafrika vielleicht befreiter auf. »Das wird kein Selbstläufer«, warnte Voss-Tecklenburg vor den Spielerinnen mit teils besonders bewegenden Lebensgeschichten. Deshalb sollen sich ihre Spielerinnen endlich locker machen: »Wir brauchen gar nicht so nervös zu sein. Es ist jetzt zweimal gut gegangen - nun muss der nächste Schritt kommen.«

In der Startelf gegen die Spanierinnen hatten nur die 33-jährige Lena Goeßling, die beiden 28-jährigen Alexandra Popp und Almuth Schult sowie die 24-jährige Siegtorschützin Sara Däbritz schon mal eine WM gespielt. Voss-Tecklenburg setzt jetzt darauf, dass die Erfahrungsprozesse schnell genug gehen. Wie bei ihrem Dreierblock mit der viel Ruhe ausstrahlenden Torhüterin Schult und den beiden Innenverteidigerinnen Sara Doorsoun und Marina Hegering. Dass der Findungsprozess ansonsten von zahlreichen Umstellungen - auch erzwungen durch den Ausfall von Dzsenifer Marozsan mit dem Wechsel auf ein 4-4-2-System - erschwert wird, ist offensichtlich.

Aber die Chefin will es so, dass mitten im Spiel die 17-jährige Lena Sophie Oberdorf anstandslos von der Außenbahn in die Mitte, die ein Jahr ältere Giulia Gwinn übergangslos von rechts nach links oder Popp klaglos von ihrer Lieblingsposition im Sturm ins Mittelfeld rückt. »Das Schöne ist, dass die Spielerinnen versuchen, ihre Aufgaben in großartiger Weise zu erfüllen.« Die Idealformation findet sich später. Irgendwie. Irgendwann. Daher wäre es ja so wichtig, dass ein noch etwas unrund laufendes Ensemble nicht schon im Achtelfinale auf den Rekordweltmeister USA trifft.

Als Gruppenerster wäre ein Gruppendritter als Gegner im Wintersportort Grenoble garantiert. Und danach könnte sich jener Lauf entwickeln, der erst einmal zur Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2020 führen soll. Um den Steigerungsbedarf wissen gerade die prägenden Protagonistinnen. »Wir waren anfangs zu weit weg, unsere Abstände haben nicht gepasst - das muss besser werden«, verlangte Popp, bei der sich Voss-Tecklenburg als erste nach Spielschluss für die »Energieleistung« bedankte.

Sie kennt aus ihrer prägenden Zeit als Schweizer Nationaltrainern die Mechanismen eines langen Turniers: Die Weltmeisterschaft vor vier Jahren in Kanada bildet eine unverzichtbare Erfahrung in ihrer Karriere. Von den späteren Finalisten, USA und Japan, drückte damals niemand in der Vorrunde das Gaspedal durch. Im Grunde streuten die Endspielteilnehmer anfangs sogar Nebelkerzen, um sich das Beste zum Schluss aufzuheben. Durchhaltevermögen ist also in Frankreich genauso gefordert wie Pragmatismus. Und die deutschen Fußballerinnen haben mehr als eine Prise davon bereits offenbart. Vielleicht kommt in Montpellier mal das Schöne zum Vorschein.

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