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Jetzt geht es zur Sache!

In der zweiten Staffel der Serie »Eichwald, MdB« wird die Groteske zur Tragikomödie

  • Von Jan Freitag
  • Lesedauer: 3 Min.

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Julia Schleicher (Lucie Heinze), während sie am Mutterdasein verzweifelt
Julia Schleicher (Lucie Heinze), während sie am Mutterdasein verzweifelt

Was im Fernsehen die erste Geige spielt, hat meistens Kopf und Beine, seltener Straßen und Steine. Tränen rinnen aus den Augenwinkeln des Protagonisten hinab in seinen Dreitagebart. Genau das geschieht am Ende des sechsten Teils von »Eichwald, MdB« - eigentlich kein Stoff für große Gefühle. Bisher.

Serienkiller www.dasND.de/serienkiller Grafik: 123rf/Tijana Nikolovska, nd
Serienkiller www.dasND.de/serienkiller Grafik: 123rf/Tijana Nikolovska, nd

Denn vier Jahre, nachdem der Showrunner Stefan Stuckmann einen heillos abgehalfterten Parlamentarier zur Titelfigur einer Seriengroteske aus dem Alltag der Berliner Bundespolitik gemacht hatte, kehrt Hans-Josef Eichwald zurück auf den Bildschirm.

Anfang 2015 war der tagtägliche Kampf des Bonner Veteranen im Berliner Reichstag um Anerkennung, Autorität, Pöstchen und - ganz, ganz selten - sogar Ideale ein sensationell unterhaltsames Potpourri satirischer Überspitzungen. Vor einer Legislaturperiode war sein dreiköpfiges Team schließlich vollauf damit ausgelastet, den ernüchternden Alterskonservatismus ihres Arbeitgebers mit der globalisierten Gegenwart in Einklang zu bringen. Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Im Bundestag sitzen nun auch rechts der CSU Radikale, Youtuber machen der Nachkriegsgeneration digital die Hölle heiß. Und als ausgerechnet im direkten Einflussbereich des Sportbeauftragten Eichwald ein veritabler Dopingskandal publik wird, stößt der Platzhirsch an die Grenzen.

Für ulkige Pointen um Listenplatz-Kabbeleien, Pietätlosigkeit und Prostitutionsskandale wie in den ersten vier Folgen bleibt in dieser Dramatik daher wenig Raum. Jetzt geht es zur Sache. Und zwar verblüffend sachlich. Während Eichwalds feministische Assistentin Julia (Lucie Heinze) erst an ihrer gleichnamigen Schwangerschaftsvertretung und dann am Mutterdasein selbst verzweifelt, arbeiten auch alle anderen im Umfeld des MdB am eigenen Zerfall: Dem langmütigen Bernd (Rainer Reiners) setzt der ringsum herrschende wachsende Zynismus zu. Der Kollege Sebastian (Leon Ullrich) erfährt mangelnden Rückhalt und flüchtet nach seiner eingangs erwähnten Verelendung in die Lokalpolitik. Eichwalds einst unbeugsamer Konkurrent Bornsen (Robert Schupp) droht am Tod seiner Frau zu zerbrechen. Selbst die zielstrebige Julia II (Hanna Hilsdorf) betäubt sich in Stressmomenten mit Sprühsahne.

Sämtliche Profilneurosen, so zeigt sich mit jeder der sechs Episoden klarer, werden demaskiert, bis kaum noch Platz zum Schmunzeln, geschweige denn Lachen bleibt. Doch wenn Julia I ihren Ex Sebastian anschnauzt mit den Worten: »ich bin hier so ’ne alleinerziehende Mut… ’ne junge Frau im Mutterschutz« und der realexistierende »heute-show«-Berserker Lutz van der Horst sich selbst als Ruhepol im Irrenhaus spielen darf, schimmert die wahrhaftige Leichtigkeit dieser wunderbaren Serie durch.

Genau das macht sie zwischen den dramaturgisch überdrehten Hollywood-Epen von »Veep« bis »West Wing« auf der einen und den staubig-verkopften Berlin-Variationen von »Kanzleramt« bis »Die Stadt und die Macht« auf der anderen Seite so sehenswert. Im Ambiente ulkiger Wahrhaftigkeit spielt - neben der Träne vom Beginn - deshalb noch etwas die Hauptrolle: eine Schiebetür im Reichstag, die sich dauernd im ungünstigsten Moment öffnet und schließt, scheinbar transparent, aber undurchdringlich. Wie die Politik dahinter.

ZDF, ab 14.6., 22.30 Uhr

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