»Prächtige Leute«

Warum »Russe« für viele in Ostdeutschland keinen drohenden Klang hat.

  • Von Hendrik Lasch
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.
»Liebe Freunde!«: Den Text auf der Tafel konnten DDR-Pioniere 1975 noch lesen, den meisten Westdeutschen bleibt er bis heute unverständlich.

Russenmagazin: So lautete der Arbeitstitel des Buches, das in diesem Sommer in Leipzig erscheint. Es enthält literarische Texte aus und Berichte über persönliche Begegnungen mit Russland und der Sowjetunion. Für eine Anthologie wäre »Russenmagazin« ein guter Name gewesen. Verkauft wird das Buch aber doch unter einem anderen Titel: »Geschichten über den Zaun«. Vielleicht fördert das den Absatz im Westen des Landes. Wer weiß dort schon, was ein »Russenmagazin« ist?

Es gibt Dinge, die auch fast 30 Jahre nach der deutsch-deutschen Vereinigung untrügliche Hinweise darauf sind, ob jemand in Ost oder West groß geworden ist. Dazu gehören Melodiesicherheit bei dem Lied »Ja igraju na garmoschkje« und Kenntnis darüber, welches Tier es zum Akkordeon singt (ein Krokodil); ein Leuchten in den Augen bei melodischen Vokabeln wie »Zhelesnaja doroga« (Eisenbahn) und eben Wissen darum, dass »Russenmagazin« nicht etwa ein Teil einer Kalaschnikow war....

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