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Mächtig gewaltig: Frauenstreik in der Schweiz

Hunderttausende gingen am Freitag für Lohngleichheit, kürzere Arbeitszeiten für alle und gegen Gewalt und Frauenverachtung auf die Straße

  • Lesedauer: 3 Min.

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Berlin. So etwas hatte die Schweiz schon mal gesehen: Auf den Tag genau vor 28 Jahren hatten Hunderttausende Frauen in dem Land alle Arbeit ruhen gelassen und waren für Gleichberechtigung auf die Straße gegangen. Am Freitag taten die Schweizerinnen es erneut, und zwar in allen Kantonen, in vielen großen und kleineren Städten.

1991 lautete das Motto des großen Frauenstreiks »Wenn Frau will, steht alles still«. An diesem 14. Juni standen die Aktionen unter dem Slogan »Lohn. Zeit. Respekt.« Dies ist insofern bemerkenswert, als die Forderung im Streikmanifest nach einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung im Sinne aller Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ist. Sie würde den auch in Deutschland von Feministinnen seit langem geforderten Spielraum für Regeneration, kulturelles und politisches Engagement – für das ganze Leben also – geben.

Nach Angaben des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), der den Streik maßgeblich organisiert hatte, beteiligten sich am Freitag mehrere Hunderttausend Frauen an Demonstrationen, Sit-Ins und Picknicks auf Straßen und Plätzen. Der Schweizer Innen- und Sozialminister Alain Berset von den Sozialdemokraten sagte den Frauen in Bern Unterstützung zu. In Genf empfing der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Guy Ryder, Streikende zu einem Gespräch. Das Hauptanliegen war gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, denn Frauen verdienen nach SGB-Angaben im Schnitt 19 Prozent weniger als Männer. Die Folge ist unter anderem eine Rentenlücke von knapp 40 Prozent. In Lausanne kam Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga mit Gewerkschafterinnen zusammen.

Im Streikmanifest wird auch ein besserer Schutz von Frauen vor Gewalt und sexueller Belästigung verlangt. Übergriffe würden noch immer häufig als Kavaliersdelikte abgetan. Weiter wird gefordert, Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbrüche müssten kostenfrei sein.

Auch das kapitalistische Wirtschaftssystem wurde am Freitag vielerorts angeprangert, obwohl sich neben linken auch bürgerliche und konservative Gruppen wie der Katholische Frauenbund und der Bäuerinnen- und Landfrauenverband an dem Ausstand beteiligten. Der Verein »Business and Professional Women Switzerland« distanzierte sich allerdings vom Wort »Streik« und sprach von einem Aktionstag für die Gleichstellung.

Bereits in der Nacht zum Freitag hatte das Streiklogo – das Symbol für »weiblich« mit einer Faust im Kreis – auf dem Roche-Turm in Basel, dem höchsten Gebäude des Landes, gestrahlt. In Zürich hatten Aktivistinnen ab Mitternacht mit einem Auto-Corso den Streiktag begonnen. Dem Parlament in Bern wurde am Freitag wurde eine Petition mit 11000 Unterschriften für eine geringere Besteuerung von Tampons und anderen Menstruationsartikeln überreicht.

Schon die Erfolge des ersten landesweiten Frauenstreiks konnten sich sehen lassen: Seither gibt es ein Gleichstellungsgesetz, den Mutterschaftsurlaub, Erziehungsgutschriften in der Rentenversicherung, die Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch und Maßnahmen gegen häusliche Gewalt. Dennoch gibt es weiter viele Formen der Diskriminierung, wie die Lohnlücke zeigt. Agenturen/nd

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