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Verlaufen

Der Leiter des Jüdischen Museums in Berlin, Peter Schäfer, ist zurückgetreten

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 2 Min.

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Am Samstag konnte man in der »taz« einen längeren Text über die Probleme von Peter Schäfer als Leiter des Jüdischen Museums in Berlin lesen. Darin führt der 75-jährige die beiden Autoren Stefan Reinecke und Jannis Hagmann durch die verwinkelten Gänge des Hauses. »Ich verlaufe mich manchmal selbst noch«, bemerkt er dabei. Und das ist wörtlich zu nehmen: Als der Artikel erschien, war er als Leiter des Museums zurückgetreten - am Freitag nach Redaktionsschluss.

Schäfer reagierte damit auf die politische Aufregung, die die Pressestelle seines Museums verursacht hatte, als sie auf Twitter eine Kritik von israelischen und jüdischen Wissenschaftlern am Anti-BDS-Beschluss des Bundestages, als »lesenswert« bezeichnet hatte. Die Wissenschaftler meinten, die antiisraelische BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) sei kritikwürdig, aber nicht grundsätzlich als antisemitisch einzustufen, was aber der Bundestag so formuliert hatte. Tatsächlich dürfte diese feinsinnige Unterscheidung den sogenannten Israelkritikern ziemlich egal sein - wenn es nur gegen den Staat Israel geht, den man angeblich nicht kritisieren darf, auch wenn es nonstop geschieht.

In diesen falschen Fronten hat sich Peter Schäfer verlaufen. Reinecke und Hagmann beschreiben ihn so: »Durch die heißen Gewässer des Nahostkonflikts, Debatten über Besetzung und Antisemitismus bewegt er sich erstaunlich gelassen - aber auch mit einem Mangel an Feinfühligkeit, der an Naivität grenzt.«

Peter Schäfer kommt aus katholischer Familie aus dem Kölner Umland. Sein Theologiestudium hatte er in den 60er-Jahren abgebrochen, weil es ihm zu langweilig vorkam. Er wurde Judaist und als solcher ein vielfach ausgezeichneter Professor an der Privatuniversität in Princeton, USA. 2014 übernahm er die Leitung des Jüdischen Museums in Berlin. Damals fragte ihn die »Berliner Zeitung« nach den Unterschieden im »Umgang zwischen Juden und Nichtjuden« in USA und BRD. Schäfer meinte, hierzulande sei der »nicht unbeschwert«.

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