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Chaostage in der FPÖ

Strache verzichtet auf Mandat für EU-Parlament

  • Von Johannes Groß, Wien
  • Lesedauer: 3 Min.

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Vom obligatorischen Listenplatz 42 aus war Heinz-Christian Strache vor drei Wochen ins Rennen um den Einzug ins EU-Parlament gegangen. Ein Rennen, das er so eigentlich gar nicht bestreiten wollte. Nachdem der langjährige Erfolgsgarant der FPÖ im Zuge der Ibiza-Affäre über sein eigenes Machogehabe gestolpert war, sahen ihn manche bereits im politischen Nichts verschwinden. Zwar legte der 50-Jährige unmittelbar nach der Veröffentlichung des Videos alle seine politischen Funktionen nieder, dennoch schenkten knapp 45.000 Österreicher Strache Ende Mai ihre Vorzugsstimme - und legitimierten ihn somit direktdemokratisch für das EU-Parlament.

Lange ließ Strache die Öffentlichkeit darüber im Unklaren, ob er sein EU-Mandat annehmen werde. Vor allem der Wiener Landesverband, seine politische Heimat, machte sich für eine Rückkehr ihrer Galionsfigur stark. Sollte Strache weiterhin eine Rolle in der Partei spielen, geht die FPÖ nach dem abrupten Ende der Koalition und vor den Nationalratswahlen am 29. September ein hohes Risiko ein. Ihr Ex-Chef ist Wählermagnet und personifiziertes Glaubwürdigkeitsproblem in einem. Ein Dilemma für eine Partei, die seit jeher zum Kampf gegen »korrupte Apparatschiks« und die »etablierten Altparteien« bläst.

Insbesondere der designierte Parteichef Norbert Hofer soll mehrmals auf einen Mandatsverzicht Straches gepocht haben. Am gestrigen Montag gab dieser nun - nach mehrwöchigen Überlegungen - bekannt, nicht nach Brüssel zu gehen. Sein Herz schlage nach wie vor für »Österreich und meine Heimatstadt Wien«. Ganz ohne Strache will oder kann die FPÖ aber wohl doch nicht: Zur Überraschung vieler gab man bereits am Freitag bekannt, dass seine Ehefrau, Philippa Strache, bei den Parlamentswahlen im Herbst kandidieren wird. Und zwar auf dem aussichtsreichen dritten Platz der Wiener Liste.

Die 32-Jährige war politisch bisher vor allem hinter den Kulissen tätig. Philippa Strache arbeitete bereits als Assistentin im Parlamentsklub der Sozialdemokraten, fungierte als Pressesprecherin für den Ex-Politiker und Milliardär Frank Stronach und war Moderatorin beim Privatsender oe24.tv sowie bei FPÖ-TV. Zuletzt war sie Tierschutzbeauftragte der FPÖ und betreute die Social-Media-Kanäle ihres Mannes. Der FPÖ-Politikerin werden bereits seit längerem politische Ambitionen nachgesagt, die Kandidatur für die zeitnahen Nationalratswahlen im Herbst, kommt dennoch überraschend.

Vielfach diskutiert und ebenso häufig dementiert ist derzeit ein vermeintlicher Deal zwischen Parteichef Hofer und Strache: Letzterer solle auf sein EU-Mandat verzichten, um Schaden von der Partei während des Wahlkampfs abzuwenden. Im Gegenzug soll Straches Frau Philippa mehr Einfluss in der Partei gewinnen. Wie der »Standard« berichtete, habe es bereits in der vergangenen Woche diesbezügliche Absprachen gegeben. Strache selbst schließt eine Rückkehr in den aktiven Politikbetrieb laut seiner Erklärung vom Montag nicht aus. Möglicher Knackpunkt: Derzeit ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue gegen ihn.

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