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Sanierungsfall Berufsschule

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.

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Laut Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sollten die Oberstufenzentren Brandenburgs eine neue Bezeichnung erhalten. Das werde sie zwar nicht mehr selbst übernehmen, erklärte sie am Montag. Wenige Wochen vor der Landtagswahl im September werde sie eine so wichtige Sache dem Nachfolger nicht mehr vorschreiben. Doch schlage sie dies vor, um schon in der Bezeichnung der Oberstufenzentren deutlich zu machen, dass es hier in erster Linie um Berufsausbildung geht.

Das ist eine Schlussfolgerung aus der Studie »Zur Situation der öffentlichen beruflichen Schulen«, deren Ergebnisse die Ministerin durch Professor Andreas Diettrich von der Universität Rostock präsentieren ließ.

Seit der Jahrtausendewende hat sich die Zahl der Lehrlinge in Brandenburg durch den Geburtenknick auf weniger als 38.000 halbiert, die Zahl der Oberstufenzentren hat sich von 42 auf 25 verringert. Berufsschullehrer gibt es in Brandenburg jetzt noch 1850. Im Jahr 1998 waren es noch knapp 2700. Längst ist die Massenarbeitslosigkeit der 1990er Jahre in einen Fachkräftemangel umgeschlagen. Hunderttausende junge Menschen haben nach der Wende Brandenburg wegen der Arbeit verlassen müssen. Sie konnten hier also keine Kinder bekommen.

Diettrich erklärte, noch immer seien es die 18- bis 25-Jährigen, die am häufigsten wegziehen. Er sprach von 300 bis 400 pro Jahr. Dringend riet der Professor von einer weiteren Zentralisierung der Berufsbildung ab. Mit einer solchen Strategie habe sich Mecklenburg-Vorpommern keinen guten Dienst erwiesen. Wenn der Weg zur Berufsschule 150 Kilometer lang sei, dann sei sie im Winter angesichts der durchwachsenen Qualität des Öffentlichen Personennahverkehrs nicht mehr stabil erreichbar. Die Schulen müssten untereinander stärker kooperieren, um Berufsschulklassen noch voll zu bekommen.

»Die Zeit der Schulschließungen ist vorbei«, beugte die Bildungsministerin im Anschluss Fragen vor, ob es mit der Zahl der Ausbildungsstandorte weiter abwärts gehen werde. Noch werden rund 10.000 Ausbildungsverträge im Jahr abgeschlossen. Doch müsse das immer wieder erkämpft werden, sagte Ernst.

Auch Berufsschullehrer fehlen inzwischen in erheblichem Umfang. Man müsse sich mit Seiteneinsteigern behelfen und habe mit ihnen unterschiedliche Erfahrungen gemacht, sagte Joachim Schenk, Schulleiter des Oberstufenzentrums Oder-Spree. »Wer zu uns kommt und glaubt, jetzt habe er nur noch viel Ferien, von dem verabschieden wir uns in der Probezeit.« Ein Problem sei die tarifliche Einstufung. Schenk warb für entschieden mehr Geld für die Lehrer.

Fachmann Diettrich empfahl, über die Neueinführung der Berufsausbildung mit Abitur nachzudenken. Ministerin Ernst sagte dazu, man habe dies eigentlich verworfen. Das wäre für die Auszubildenden »zu viel«. Die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern seien auch nicht unbedingt dafür und es lasse sich auch schlecht organisieren.

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