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Mitfahren auf eigene Gefahr

Verein Mobifair warnt vor Sicherheitsrisiken bei Reise- und Fernbussen

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das schwere Fernbusunglück, bei dem am 19. Mai auf der Autobahn A9 bei Leipzig eine Reisende getötet und 70 Menschen verletzt wurden, hat eine Diskussion über Arbeitsbedingungen und Sicherheitsfragen in der Branche ausgelöst. Ein im Auftrag von Flixbus verkehrender Bus war auf dem Weg von Berlin nach München von der Fahrbahn abgekommen und umgekippt; eine Leitplanke bohrte sich durch die Windschutzscheibe. Die Polizei vermutet als Unfallursache Sekundenschlaf des Fahrers. Schon im August 2018 war ein grünlackierter Flixbus im Landkreis Rostock umgekippt, wobei sechs Menschen schwer und zehn leicht verletzt wurden.

Das Münchner Unternehmen lockt europaweit mit Schnäppchenfahrpreisen Kunden an, die ansonsten wohl die Bahn nehmen würden. Der Verein Mobifair, der sich für fairen Wettbewerb in der Mobilitätsbranche einsetzt, schlägt Alarm: Unter dem Motto »Mitfahren auf eigene Gefahr« warnen die gewerkschaftsnahen Verkehrsexperten vor zunehmenden Sicherheitsrisiken bei Busfahrten. Mobifair stützt sich dabei auf Auswertungen von Polizeikontrollen bei Reisebussen sowie Fernbussen im Linienverkehr, die »erschreckend hohe Zahlen von Verstößen« zutage gefördert hätten. Die Kontrollwahrscheinlichkeit je Bus habe zuletzt bei jährlich 0,0023 Prozent gelegen. Dies sei »zu gering, um eine abschreckende Wirkung bei den Anbietern zu entfalten«, so der Bericht.

»Solange derartige Mängel festgestellt werden, ist Busfahren nicht sicher«, meint Mobifair-Vorstand Helmut Diener. Billige Tickets gingen nun einmal auf Kosten der Sicherheit. Opfer eines ruinösen Wettbewerbs seien im Endeffekt alle: »die Fahrgäste, die ein Sicherheitsrisiko eingehen, die fairen Unternehmen, die vom Markt gedrängt werden, und die Busfahrer, deren Berufsbild zerstört wird«. Flixbus sei für die sozialen Kontrollen, die Eignung und Befähigung der Fahrer sowie die Einhaltung der Ruhe-, Lenk- und Arbeitszeiten verantwortlich, mahnt Diener und fordert Fahrer auf, ihre Erfahrungen über eine Hotline oder per E-Mail zu melden.

Flixbus weist die Vorwürfe zurück. »Die Sicherheit unserer Fahrgäste und natürlich auch der Fahrer selbst hat bei uns höchste Priorität«, sagte ein Sprecher. Er betonte, dass die etwa 7000 Busfahrer Aushängeschild der Firma seien und eine »umfangreiche Ausbildung« zu Beginn ihrer Tätigkeit erhielten. Das Unternehmen rühmt indes auch sein »erfolgreiches Geschäftsmodell«. Es fußt auf der Vermittlungsplattform der Flixbus Holding, die keinen eigenen Bus betreibt, sondern sich Partner beziehungsweise Subunternehmen bedient und an diese den Kostendruck weitergibt. Das Modell haben die Flixbus-Manager mit Erfolg professionalisiert. Seit der 2011 von FDP und Busunternehmerlobby vorangetrieben Fernbusliberalisierung ist Flixbus zum Marktführer mit über 90 Prozent Anteil im Inland und Aktivitäten in 26 europäischen Ländern aufgestiegen. Rund 270 »Buspartner« sind europaweit mit etwa 1000 Bussen und 4500 Fahrern im Einsatz. Viele Konkurrenten wie ADAC/Postbus, city2city, DeinBus, MegaBus, OneBus.de und MeinFernbus gaben auf oder wurden geschluckt.

Dass der Aufruf von Mobifair die Gemüter bewegt, zeigt die Debatte auf der Facebook-Seite des Vereins. »Verantwortlich ist der Staat. Er erlaubt Subunternehmertum, gewährt Flixbus und Co. Steuervorteile, verzichtet auf Maut, hat so gut wie keine Kontrollen, und die Bußgelder sind lächerlich im Vergleich zu den Gewinnen«, schreibt ein Insider. »Flixbus sollte Einhalt geboten werden, gerade was seine Monopolstellung angeht, aber dahinter stecken ja Leute mit sehr viel Macht und Geld«, meint ein anderer. In der Tat lässt ein Blick auf die Anteilseigner das erahnen: Zu ihnen gehören die niederländische European Bus Holding, der Medienkonzern Holtzbrinck, die US-Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und Daimler Mobility Services.

Der auch in grünen Kreisen verbreiteten Ansicht, dass sich durch die Liberalisierung des Fernbusmarktes die Anzahl der Pkw-Fahrten reduziert habe, widerspricht Mobifair: »Tatsächlich hat sich das gesamte Reiseaufkommen erhöht, aber die Zahl der Pkw-Fahrten nicht reduziert.«

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