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Ein Spiel dauert 40 Minuten

Den Basketballern von Alba Berlin fehlen in der Finalserie Konstanz und kühlere Köpfe

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

Es kommt nur selten vor, dass man Aíto García Reneses etwas nicht so recht glauben will. Der 72-jährige Basketballtrainer von Alba Berlin nimmt seine Spieler zwar immer in Schutz, aber er spricht doch auch an, wenn es ihnen an irgendetwas gefehlt hat. In der 77:82-Heimniederlage im zweiten Finalspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Bayern München wollte er nichts Negatives gesehen haben. »Ich kann meinen Jungs nichts vorwerfen. Sie haben alles gegeben, was sie hatten. Das macht mich stolz«, sagte der Spanier danach.

Dass das nicht ganz stimmte, zeigten schon die selbstkritischeren Kommentare seiner Spieler. »Wir haben sehr gut gekämpft, nur eben nicht 40 Minuten lang durchgängig. Wir sind stark ins Spiel gestartet und haben es gut beendet, aber wir haben das Niveau eben nicht die ganze Zeit durchgehalten. Das müssen wir ändern«, sprach Spielmacher Peyton Siva eine Schwächephase in der Mitte der zweiten Partie der Finalserie an, in der die Münchner nun nur noch einen Sieg brauchen, um ihren Titel zu verteidigen.

In der Tat müssen die Berliner etwas ändern, um am Sonntag beim Meister mal einen Sieg bejubeln zu können. Wie in Spiel eins hatten sie auch am Mittwochabend vor eigenem Publikum den besseren Start erwischt, führten wieder schnell mit zehn Punkten, verschenkten den Vorsprung aber auch vor der Halbzeitpause wieder. Und erneut hatten die Bayern die bessere Schlussminute in einem engen Match, während sich Albas Akteure über Entscheidungen der Schiedsrichter ärgerten, die jedoch dieses Mal fast immer richtig gelegen hatten. »Vielleicht haben wir uns zu sehr auf die Schiedsrichter fokussiert. Das darf uns nicht passieren, denn es lenkt uns nur ab«, befand Center Johannes Thiemann.

Vor der Serie war oft über den Mangel an Erfahrung bei den jungen Berlinern geschrieben worden, in Spiel zwei wurde er nun deutlich sichtbar. Der 26-jährige Rokas Giedraitis erzielte zwar starke 14 Punkte, ließ sich aber auch zu mehreren dummen Fouls hinreißen, die sein vier Jahre älterer Münchner Gegner Vladimir Lučić zunächst clever provoziert und dann mit ein bisschen Theatralik auch gut »verkauft« hatte. So musste Giedraitis schon früh mit fünf Fouls das Feld räumen.

Ohne den Litauer direkt zu kritisieren, fand auch Albas Kapitän Niels Giffey hier eine Schwachstelle seines Teams: »Du wirst provoziert und provozierst zurück. Da musst du dann aber auch der coolere bleiben und mal einen halben Schritt zurückgehen«, forderte Giffey für Spiel drei. »Trotzdem musst du weiter physisch hart verteidigen. Das ist die Herausforderung«, die sein Team bislang offenbar nicht gut genug gemeistert hat.

Die viel erfahreneren Bayern zeigten hingegen, warum sie seit zwei Jahren das erfolgreichste deutsche Basketballteam sind. »Wir sind ruhig geblieben und haben sehr konzentriert gespielt. Alba gibt nie auf, egal, wie hoch du führst. Aber wir waren mental ein Stück stärker«, lobte Sportdirektor Marko Pešić sein Team. »Wir haben das Spiel durch unsere Verteidigung gewonnen. Alba in Berlin unter 80 Punkten zu halten, ist schon eine beeindruckende Leistung.«

Nicht weniger brauche es auch am kommenden Sonntag, um den Sack zuzumachen. »Wenn wir denken, alles ist in trockenen Tüchern, dann werden wir unser blaues Wunder erleben«, warnte Pešić. Die Berliner seien eine Mannschaft mit viel Charakter, die man nie unterschätzen dürfe.

Ähnlich sah das auch Albas Peyton Siva. »Ja, die Bayern sind unglaublich stark, aber wir können das noch besser. Natürlich haben sie uns zweimal besiegt, aber wir waren auch jedes Mal knapp dran. Es gibt überhaupt keinen Grund, den Mut zu verlieren«, gab der US-Amerikaner den 14 000 Fans mit auf den Heimweg. Der Plan sei simpel: »In München gewinnen und zurück nach Hause kommen.«

Für den Titel wären dann aber noch Siege am Dienstag in Berlin und am nächsten Freitag abermals in München nötig. Sehr wahrscheinlich wirkt das bislang nicht, auch wenn Albas 17-jähriges Talent Franz Wagner das ganz pragmatisch einschätzt: »Wir mussten sowieso ein Spiel auswärts gewinnen, um Meister zu werden. Jetzt sind es eben zwei.«

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