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Ein erster Schritt

Mit vier EM-Medaillen verlassen die deutschen Fechter in Düsseldorf so langsam ihr Jammertal

  • Von Dietmar Fuchs, Düsseldorf
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Allerbeste kam ganz zum Schluss. Benedikt Wagner führte den Säbel mit seinem Zitterhändchen beim 45:43 gegen Titelverteidiger Ungarn um den Einzelolympiasieger Aron Szilagyi zum entscheidenden Treffer und zum krönenden Teamgold bei den Fechteuropameisterschaften in Düsseldorf. Mit dem EM-Titel unterstrich das Quartett mit Max Hartung, Matyas Szabo, Wagner (alle Dormagen) und Björn Hübner-Fehrer (Werbach) ihre Stellung als deutsches Vorzeigeteam.

Doch reicht das schon, um die sportliche Krise für beendet zu erklären? Verbandschefin Claudia Bokel jedenfalls wusste keine genaue Antwort auf die Frage, wie viele Prozente ihrer Vision denn mit dem Geschehen von Düsseldorf bereits erreicht seien. Die 45-jährige ehemalige Degenweltmeisterin hatte nach dem Debakel bei der WM 2018 in Wuxi ohne deutsche Medaille zurückhaltend vorgegeben, 2028 wieder auf allen Ebenen Weltspitze sein zu wollen. Ihr Sportdirektor Sven Ressel wagt jetzt immerhin die Einschätzung: »Sportlich haben wir einen kleinen Schritt nach vorn gemacht.« Bei der WM in Budapest im Juli soll ein weiterer folgen, gern auch ein größerer.

Für die EM-Mannschaftswettbewerbe trifft Ressels Einordnung zu: Gold für das Säbelteam der Männer, Überraschungssilber für die Florettabteilung, ein vierter Platz für das weibliche Florettquartett, die Ränge sechs der Degen- und Säbelfechterinnen, sowie Position sieben nach zwölf im Vorjahr für die Degen-Männer - das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Vor allem auch deshalb, weil es so aussieht, als ob es für Olympia 2020 in Tokio ganz gut läuft nach dem Debakel von Rio de Janeiro: Für die Spiele 2016 hatte sich kein deutsches Team qualifiziert, nur die Individualisten Max Hartung und Matyas Szabo mit dem Säbel und Peter Joppich sowie Carolin Golubytskyki mit dem Florett durften in Rio auf die Planche. »Die Ausgangslage für Tokio ist deutlich besser, als sie es für Rio war«, sagt Bokel. Die Männer mit dem Säbel und die Florettfechterinnen holten in Düsseldorf wichtige Qualifikationspunkte. Sollten es beide ins olympische Turnier von Tokio schaffen, wären automatisch jeweils drei Fechter auch im Einzel dabei.

Die Probleme sind aber keineswegs komplett gelöst. In den Team-Events war viel von dem Spirit zu erkennen, immer mehr Treffer als der Gegner setzen zu wollen. Das pushte alle. In den Einzeln sah es weniger gut aus: Der Dormagener Hartung wurde als Europameister von 2017 und 2018 entthront, holte aber wie die Leverkusenerin Alexandra Ndolo mit dem Degen Bronze.

Der große Rest der 24 Starter hat im Einzel die eine oder andere Reserve nicht abgerufen. Mit dem Florett war der viermalige Einzelweltmeister Joppich als 19. noch bester Deutscher, mit dem Degen war es der Heidenheimer Stephan Rein als 25. und bei den Säbelfechterinnen die Dormagenerin Anna Limbach als 19.

Wohl auch deshalb wagte sich Claudia Bokel nicht an eine konkrete prozentuale Aussage zu ihrer Vision. Sie betonte stattdessen: »Wir haben noch so viele Ideen, die wir umsetzen wollen - sportlich, strukturell und finanziell.« Denn spätestens bei Olympia 2028 soll es für die zuletzt enteilte Konkurrenz wieder heißen: En garde - das deutsche Fechten ist wieder da. dpa/nd

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