Klimakrise

Im Hamsterrad

Stefan Otto über das Gefangensein im Konsumkapitalismus - und über mögliche Auswege

Von Stefan Otto

Wie wenig ein grünes Wachstum funktioniert, so wie es sich der Grünen-Vordenker Ralf Fücks wünscht, zeigt der Blick auf den Autoverkehr. Alleine in den vergangenen acht Jahren hat der Fahrzeugbestand in Deutschland um zehn Prozent zugenommen und beträgt aktuell rund 46 Millionen Stück. Was bringt es also, wenn die Autos zwar sauberer werden, dafür aber noch mehr von ihnen gefahren werden? Richtig: gar nichts. Der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid durch den Autoverkehr ist in den Jahren um 6,4 Prozent gestiegen.

Lesen die Gegenposition: Unterschätztes Kapital. Simon Poelchau glaubt, dass der Kapitalismus die Klimakrise meistern kann. Nur der Preis ist die Frage.

Ähnlich unsinnige Entwicklungen gibt es in der Textilbranche. Es wird irrsinnig viel produziert, weil eine Wegwerfmode existiert. Alle wissen auch, dass Elektrogeräte Soll-Bruchstellen haben, damit sie nur bedingt haltbar sind. Das sind Blüten eines Kapitalismus, der einzig auf Konsum und Profit aus ist. Er braucht ständiges Wachstum zur Selbsterhaltung und treibt die Menschheit damit in die ökologische Katastrophe. Und zu glauben, dass ein Wandel vom Warenverbrauch hin zu immateriellem Konsum zu schaffen ist, klingt so illusorisch wie klimaneutraler Individualverkehr.

Ein erster Schritt hin zu einer Umkehr ist die Anerkennung von ökologischen Belastungsgrenzen, worauf die »Fridays for Future«-Bewegung eindringlich hinweist. Aber ebenso müssen auch Obergrenzen für Wirtschaftswachstum erkannt werden. Angesichts der dramatischen Situation fordert die Postwachstumsbewegung zum individuellen Maßhalten auf. Ein zufriedenes Leben sei auch mit einem verminderten Ressourcenverbrauch möglich, so ihre Annahme. Spielräume dafür gibt es angesichts des Überkonsums, der Wohlstand muss nicht zwangsläufig sinken. Doch verlangt eine solche Lebensweise, soll sie denn nicht nur von einer Öko-Subkultur ausgeübt werden, einen Mentalitätswandel: Gemeinhin drückt nämlich gerade Konsum gesellschaftliche Teilhabe aus und sorgt Besitz für Ansehen. Es dürfte schwierig sein, für ein Maßhalten Zuspruch zu bekommen.

Aber auch auf der politischen Ebene braucht es Klimaschutzmaßnahmen, die bisher allerdings fast gänzlich ausbleiben. Dabei wäre es beispielsweise einfach, Kurzstreckenflüge zu verbieten und für solche Reisen auf die Bahn zu setzen. Doch die Diskussion darüber wird nur zaghaft geführt, weil solche Beschlüsse am Ideal der freien Marktwirtschaft kratzen. Dafür gibt es schlicht keine Lobby. Was aber nicht heißt, dass das so bleiben muss. Es ist gut möglich, dass die Akzeptanz für solche Schritte in dem Maße zunehmen wird, wie der langsam aber sicher einsetzende Klimawandel zu immer neuen Umweltkatastrophen führt.