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Wohnungsbau kommt in Schwung

75 Prozent mehr Fertigstellungen bei Landeseigenen und Genossenschaften angekündigt

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Neubau bei Genossenschaften und landeseigenen Wohnungsunternehmen nimmt in Berlin deutlich Fahrt auf. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), in dem neben gemeinwohlorientierten Immobilienhaltern auch Konzerne wie die Deutsche Wohnen und Vonovia Mitglied sind, geht für 2019 von der Fertigstellung von rund 7500 Wohnungen bei den dort organisierten Unternehmen aus. Ein Sprung um drei Viertel gegenüber dem Jahr 2018, als knapp 4300 Wohnungen fertig wurden. 2900 Wohneinheiten davon gingen auf das Konto der sechs Landeseigenen, über 800 wurden von Genossenschaften fertig gestellt, fast 600 steuerten private und kirchliche Unternehmen bei.

»Insbesondere unsere Genossenschaften würden gerne noch sehr viel mehr bauen, bekommen aber keine Grundstücke«, sagt BBU-Chefin Maren Kern bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch. Bei entsprechender Baulandversorgung würden sie rund 2000 Wohnungen pro Jahr errichten können, gibt Kern an. Von 2013 bis 2018 haben sich die Grundstückskosten fast verfünffacht - von rechnerisch 350 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche auf 2000 Euro. Auch die Baukosten steigen rasant - von etwa 2000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr 2015 auf erwartete 2750 Euro in diesem Jahr. Das sind fast 40 Prozent mehr.

Trotzdem soll bei der Fertigstellung neuer Wohnungen in den nächsten Jahren die Schlagzahl hoch bleiben. Für 2020 geht der BBU von über 7400 neuen Wohneinheiten aus, von 2021 bis 2023 sollen sogar knapp 30 000 Wohnungen fertig werden.

2018 konnte der Wohnungsbau in Berlin seit Jahren erstmals mit dem Bevölkerungszuwachs Schritt halten. Rund 18 000 fertiggestellten Wohnungen standen rund 31 000 Neuberliner gegenüber. Bei durchschnittlich 1,9 Bewohnern je Wohnung reichte das theoretisch für 34 200 Menschen.

Doch das Problem rasant steigender Mieten im Bestand löst der Neubau nicht. Während die verfügbaren Einkommen pro Kopf seit 1999 in der Hauptstadt bis 2017 um rund ein Drittel zulegten, stieg die durchschnittliche Mietspiegelmiete im gleichen Zeitraum um satte 60 Prozent.

»Die Haushaltsnettoeinkommen steigen schneller als die Mieten«, sagt jedoch die BBU-Chefin. In ihrer Rechnung bezieht sie sich auf das Medianeinkommen pro Haushalt, also jenen Punkt, an dem die Hälfte der Haushalte mehr verdient und die andere Hälfte weniger. Sie bezieht sich dabei auch erst auf die Zeit ab 2012, als die prozentual höchsten Mieterhöhungen im Vergleich zum Jahr 1999 bereits erfolgt waren. Außerdem ist das Haushalts-Medianeinkommen fast doppelt so schnell gestiegen wie das verfügbare Durchschnittsnettoeinkommen pro Kopf.

Deutlich weniger entspannt sieht Kern den geplanten Berliner Mietendeckel, der die Mieten in der Hauptstadt für fünf Jahre einfrieren soll. »Wir haben etliche Gespräche geführt, in denen mich die Genossenschaften verzweifelt gefragt haben: Was sollen wir tun?«, berichtet die BBU-Chefin. Sie garniert das mit einer Umfrage, an der 80 von knapp 350 Mitgliedsunternehmen teilgenommen haben. Demnach erwarten über 90 Prozent eine deutliche Reduktion oder sogar totale Einstellung von energetischen Sanierungen, negative Auswirkungen auf den Neubau erwarten demnach über 60 Prozent der Befragten. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen sei demnach bei 78 Prozent auf dem Nullpunkt angelangt. »Wir bitten einfach darum, dass man in einen konstruktiven Dialog eintritt. Ich glaube, dass die wirklich drastischen Auswirkungen, die das Einfrieren zur Folge hätte, noch nicht bei der Politik angekommen ist«, sagt Kern.

»Konstruktive Vorschläge zur genauen Ausgestaltung des Mietendeckels sind willkommen. Zumal das Gesetz gerade erarbeitet wird«, erklärt Grünen-Wohnungspolitikerin Katrin Schmidberger. Sie sei auf konkrete Vorschläge gespannt.

»Beim Mietendeckel geht es um den Stopp des rasanten Preisauftriebs am Berliner Markt«, sagt LINKE-Wohnungspolitikerin Gaby Gottwald. Sie verweist auch auf die kommende Genossenschaftsförderung. »Natürlich sind die Genossenschaften Partner unserer Wohnungspolitik«, versichert sie. Nicht zum ersten Mal keime bei ihr aber der Verdacht auf, dass sich der BBU »vor den Karren der Deutsche Wohnen spannen lasse«. Es mache »offensichtlich keinen Sinn«, wenn ein Verband sowohl Wohnungsunternehmen mit sozialem Auftrag organisiere als auch renditegetriebene börsennotierte Konzerne. »Der Eiertanz, den der BBU seit längerem zur Aufführung bringt, zeigt deutlich, dass die Zeit reif ist für eine Trennung«, so Gottwald.

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