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Eingesperrt und umgebracht

Flüchtlinge sterben in Libyen auch ohne Luftangriffe, meint Philip Malzahn

  • Von Philip Malzahn
  • Lesedauer: 1 Min.

53 Tote, 130 Verletzte - das ist die traurige Folge eines Luftangriffes auf ein Internierungslager für Flüchtlinge bei Tripolis. Doch es gibt noch eine weitere Zahl, die genauso wichtig ist und gerade bei einer solchen Gräueltat in den Hintergrund rückt: 6000. Laut Angaben des libyschen Ministeriums zur Bekämpfung der illegalen Migration werden derzeit 6000 Menschen in Internierungslagern festgehalten, die von der Nationalen Einheitsregierung mit massiver Finanzspritze der EU unterhalten werden. Die Zustände dort sind bekannt: Folter, Missbrauch und sogar Sklavenhandel durch die Kämpfer der Einheitsregierung. Augenzeugen aus dem bombardierten Lager bei Tadschura berichteten, dass nach dem ersten von zwei Einschlägen die örtlichen Milizen mit Schüssen die Menschen vor einer Flucht aus ihrer Baracke gehindert hätten. Der zweite Einschlag traf dann genau diese.

Die EU ist nicht für die Angriffe vom Mittwoch verantwortlich. Das Morden der lokalen Machthaber in Libyen steht und fällt nicht mit den Millionen aus Brüssel. Doch die EU ist mitschuldig daran, dass diese Menschen zwischen den Fronten eines Bürgerkriegs inhaftiert werden - angeblich auch, um sie vor einer lebensgefährlichen Überfahrt nach Europa zu schützen. Am Donnerstag verkündete sogar überraschend der Innenminister der Einheitsregierung, man erwäge nun die Schließung aller Lager. Die EU sollte diese Idee unterstützen.

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