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Belgien feiert, Holland siegt

Mike Teunissen und Jumbo Visma dominieren den Tourauftakt in Brüssel

  • Von Tom Mustroph, Brüssel
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Tour de France hat eine neue Heimat gefunden. Schier überwältigend war die Begeisterung der Menge. Natürlich, die Rolle des einheimischen Helden Eddy Merckx als Ehrengast war ein zusätzliches Element der Freude. Als Merckx im offiziellen Begleitcabrio der ASO aufstand und auf der 1. Etappe den in Zehnerreihen am Straßenrand stehenden Zuschauern zuwinkte, gab es kein Halten mehr.

Aber ohnehin ist Belgien eine Radsportnation. Das zeigte sich nicht so sehr an den Ergebnissen. Die erste Etappe gewann im Sprint der Niederländer Mike Teunissen vom Jumbo-Visma-Rennstall, dem Nachfolgeteam des niederländischen Radsport-Flaggschiffs Rabobank. Und auch beim Mannschaftszeitfahren gingen die Gastgeber des Grand Departs leer aus. Hier gewann ebenfalls Jumbo Visma.

Aber die begeisterte Aufnahme der Tour war von Radsportkenntnis geprägt. Niemand lief quer über die Straße. Wer Fotos machen wollte, achtete auf Sicherheitsabstand zum vorbeirasenden Feld. Und selbst die belgische Polizei, die für die Absperrungen verantwortlich war, wirkte gelassener und souveräner als die französischen Kollegen, trotz deren mehr als 100-jähriger Erfahrung mit der »Großen Schleife«.

Sportlich bot das Eröffnungswochenende einige Überraschungen. Das erste Gelbe Trikot holte sich nicht Topsprinter Dylan Groenewegen ab. Auch Peter Sagan ging leer aus. Um Zentimeter nur wurde der Slowake vom Team Bora hansgrohe von Mike Teunissen geschlagen. Der war eigentlich der Anfahrer von Groenewegen. Der Kapitän aber stürzte. Stattdessen zog der Helfer durch. »Ich habe mich gar nicht mehr umgeschaut. Ich wusste, ich war in einer guten Position. Ich habe mich gut gefühlt. Und natürlich bin ich glücklich, dass ich so in die Bresche springen konnte«, sagte Teunissen im Ziel.

Der Sprinthelfer profitierte dabei auch davon, dass den vor ihm gestarteten Topleuten Sagan und Caleb Ewan (Lotto Soudal) etwas die Luft ausging. Sie hatten ihre Antritte zu früh lanciert.

In den Sturz von Groenewegen war auch Titelverteidiger Geraint Thomas verwickelt. Der Waliser verletzte sich nicht. Er wurde aber aufgehalten. Und weil vier seiner sieben Teamkameraden bei ihm blieben, und auch Co-Kapitän Bernal ungewöhnlich weit hinten war, belegte Team Ineos in der Mannschaftswertung einen unerwarteten letzten Platz.

»Es ist, wie es ist. Wir waren mit dem Sturz beschäftigt und damit, die Schäden zu minimieren. Dass wir dann heute als erste rausmussten, war Schicksal«, meinte der Spanier Jonathan Castroviejo, einer der Zeitfahrmotoren in der Truppe des Titelverteidigers, gegenüber »nd«.

Ineos musste als erste auf die Strecke und die eigene Performance ohne Richtzeiten der anderen Teams planen. »Das ist aber kein so großes Handicap. Im Mannschaftszeitfahren fährt jedes Team ohnehin seinen Rhythmus. Es kommt darauf an, dass die Ablösungen passen, dass niemand zu lange führt und dass das Tempo gleichmäßig hoch bleibt. Beim Einzelzeitfahren sind Richtzeiten wichtiger. Da muss man mehr den Rhythmus variieren und kann auf andere reagieren. Hier aber heißt es: Losfahren und durchziehen«, meinte Thomas im Ziel.

Der Plan ging auf. Ineos setzte nicht nur die ersten Richtzeiten. Das britische Team sah auch lange wie der Sieger aus. Erst nach etwa einer Stunde verbesserte Team Katusha - Alpecin die erste Zwischenbestzeit um drei Sekunden. Bei der zweiten Zwischenzeit lag die Truppe um den Berliner Rick Zabel noch um eine Sekunde vorn. Im Ziel aber fehlten dann sechs Sekunden. »Wir haben gut gekämpft, haben ein fast perfektes Zeitfahren hingelegt. Ich denke, die paar Sekunden Rückstand auf Ineos sind keine Schande«, meinte der Kölner Katusha-Profi Nils Politt zu »nd«.

Vor Katusha schoben sich noch der deutsche Rennstall Sunweb und das belgische Team Deceuninck Quickstep. Ineos musste bis zum Ende auf dem heißen Stuhl ausharren. Denn das als allerletztes gestartete Team Jumbo-Visma vom Gelb-Träger Teunissen startete furios in das Zeitfahren. 14 Sekunden Vorspürung hatte die Truppe um den früheren Zeitfahrweltmeister Tony Martin bei der ersten Zwischenzeit, 16 Sekunden waren es bei der zweiten.

Das Tempo war so hoch, dass Topsprinter Groenewegen sehr früh den Anschluss verlor. Zu fünft nur war das Team auf den letzten Kilometern. Vier Mann mindestens mussten gemeinsam ankommen, denn beim vierten wurde die Zeit gemessen.

Es wurde ein Herzschlagfinale: Das Team Jumbo Visma hatte zwar Vorsprung, aber weniger Fahrer als der Konkurrent Ineos auf den letzten Metern. Doch das war kein gravierender Nachteil. Am Ende gewann Jumbo Visma sehr deutlich mit 20 Sekunden Vorsprung. Und Mike Teunissen verteidigte Gelb.

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