Werbung

Heuchelei

Jana Frielinghaus schämt sich für die Bundesregierung

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.

In den sogenannten sozialen Netzwerken finden sich derzeit zahllose Kommentare selbst ernannter Seerechts-, Nautik-und sonstiger Experten zur unerlaubten Landung der »Sea-Watch 3« in Italien. Da wird über den »Pull-Faktor« Seenotrettung räsoniert, und auch Leute, die sich als Linke bezeichnen, versuchen einen Zusammenhang zwischen dem Engagement von Kapitänin Carola Rackete und der Bundeswehr-Vergangenheit ihres Vaters zu konstruieren. Andere erklären der Aktivistin, sie hätte die von ihrer Crew Geretteten doch ins vermeintlich sichere Tunesien, nach Malta oder Deutschland bringen können.

Das tagelange Geschacher um die Verteilung der 65 Geflüchteten an Bord der »Alan Kurdi« zeigte nun einmal mehr, wie dramatisch die Lage der Seenotretter und ihrer Schützlinge ist. Es zeigte auch: Man kann eben nicht mal eben in einem maltesischen Hafen oder irgendwo sonst anlegen.

Die Ereignisse der vergangenen Tage im Mittelmeer machen klar, wie sehr zivile Helfer allein gelassen werden - und dass die Beschlagnahmung etlicher ihrer Schiffe unmittelbar die Zahl der Toten erhöht. Jeder Ertrunkene ist eine Schande für die EU, vor allem aber für die deutsche Politik. Denn eine Bundesregierung hat jenes Dublin-System ersonnen, das zur Überlastung der südeuropäischen Staaten bei der Versorgung Geflüchteter und zum Erstarken rechter Gruppierungen dort geführt hat. Die Kritik von Bundesinnenminister Horst Seehofer an der Blockadepolitik Italiens ist vor diesem Hintergrund pure Heuchelei.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!