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Ein politisches Finale

Fans fordern gleiche Bezahlung für US-Frauenteam und buhen FIFA-Präsident Infantino aus

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Megan Rapinoe jubelt über das 1:0 im WM-Finale
Megan Rapinoe jubelt über das 1:0 im WM-Finale

Die USA haben die Fußballweltmeisterschaft gewonnen. Mit 2:0 gewann das Team der Frauen am Sonntagabend gegen die Niederlande. Politisch symbolisch: die queere US-Kapitän Megan Rapinoe schoss die US-Auswahl in der 61. Minute zum Sieg und gewann auch den goldenen Ball als beste Spielerin und den goldenen Schuh als beste Torschützin. Rapinoe hatte zuvor erklärt, nicht das Weiße Haus besuchen zu wollen, falls US-Präsident Donald Trump das Team bei einem Gewinn der Weltmeisterschaft einladen würde, wie es Tradition gegenüber den Siegerteams in anderen Sportarten wie etwa Football ist. Ihre Teamkollegin Ali Krieger hatte sie daraufhin unterstützt: »Ich weigere mich, diesen US-Präsideten zu respektieren«, erklärte sie gegenüber CNN.

Auch nach der Partie zeigte sich, wie politisch diese Weltmeisterschaft war. Schon kurz nach dem ersten Jubel nach Spielende brandete ein neuer Sprechchor im Stadion auf: »Equal Pay«. Auf sozialen Medien wie Twitter finden sich zahlreiche Videos der Szene mit der die Fans die Forderung der US-Mannschaft nach gleicher Bezahlung lautstark unterstützen. Hintergrund ist eine Klage von 28 Mitgliedern des US-Frauenteams wegen Diskriminierung.

Sie werfen dem US-Fußballverband vor, sie bei Bezahlung und Arbeitsbedingungen zu benachteiligen und nicht gleich zu bezahlen wie das Männerteam. Dabei hat das US-Frauenteam laut einer Analyse des US-Fernsehsenders CNBC von 2016 bis 2018 für höhere Werbeeinnahmen gesorgt als ihre weniger erfolgreichen männlichen Kollegen. Laut der New York Times lag die Höhe der Prämien für die Fußballweltmeisterschaft der Männer im vergangenen Jahr bei 400 Millionen US-Dollar, die der diesjährigen Weltmeisterschaft der Frauen aber nur bei 30 Millionen. Durchschnittlich liegen die Einkünfte der US-Frauen bei Berücksichtigung von Basisgehalt und Bonuszahlungen nur bei 38 Prozent ihrer männlichen Kollegen.

Im Stadion wurde auch FIFA-Präsident Gianni Infantino ausgebuht, als dieser mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Siegertreppchen schritt, um die Medaillen zu verleihen. Infantino hatte am Freitag vorgeschlagen, die Prämien für die Frauen nur zu verdoppeln. Das wären rund 15 Prozent der Prämien der Männer.

»Ich denke, die Frage, ob wir es wert sind, gleich bezahlt zu werden, hat sich jetzt erledigt«, erklärte Rapinoe nach dem Finale. Die Kapitänin des US-Teams warf Infantino auch Respektlosigkeit vor, weil die FIFA das Finale der Frauen auf den gleichen Tag wie das der Copa America-Meisterschaft gelegt hatte.

Auch außerhalb des Stadions war die Stimmung politisch. Ungewollt Opfer der Stimmung wurde ein Reporter des konservativen Sender Fox News, der in einer Kneipe in Lyon vermutlich patriotische US-Fans filmen wollte. Die jubelten auch tatsächlich, brachen aber vor laufender Kamera in »Fuck Trump«-Sprechchöre aus.

Korrespondent Greg Palkot filmte trotzdem tapfer weiter und interviewte gar einen Mann in der Szene. Doch der hatte für die Zuschauer des rechten Fernsehsenders nur folgende Botschaft: »Wir haben die Weltmeisterschaft gewonnen und jetzt müssen die Demokraten noch 2020 gewinnen und dann jagen wir den Rassisten aus dem Weißen Haus«. Statt Trump werden Rapinoe und das US-Frauenteam vielleicht das US-Repräsentantenhaus besuchen. Sie wurden von mehreren Abgeordneten eingeladen.

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