Mathe bei der Umwälzpumpe

Andreas Koristka unterzieht die deutsche Künstliche-Intelligenz-Strategie einer kritischen Analyse

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist schlimmer als der PISA-Schock und der Skandal um das viel zu schwere diesjährige Mathe-Abitur zusammen: Die deutsche Künstliche Intelligenz (KI) ist im internationalen Vergleich nicht schlau genug. Genau genommen ist sie sogar dumm wie ein Konsumbrot. Während in den USA, wo mittlerweile sogar Toaster die Steuererklärung machen und nebenbei die Sockenschublade aufräumen können, jährlich Milliarden in KI-Unternehmen investiert werden, sind es in Deutschland nur ein paar schlappe Millionen.

Kein Wunder also, dass hiesige technische Geräte weit hinter den Anforderungen zurückbleiben. Eine Partie Blitzschach gegen ein konventionelles Faxgerät ist hierzulande keine besonders hohe geistige Herausforderung und ein verbaler Schlagabtausch mit jedem fehleranfälligen Tintenstrahldrucker eine recht einseitige Angelegenheit. Außerdem scheint die Herkunft der Geräte eine wichtige Rolle zu spielen. Während Hightech-Markenprodukte verhältnismäßig schlau sind, haben No-Name-Dosenöffner aus dem Discounter einen erschreckend niedrigen IQ.

Das zu ändern ist die dringlichste Aufgabe des Wirtschaftsministers Peter Altmaier. Er plant mit einem gewaltigen Maßnahmenkatalog eine KI-Offensive für die deutsche Wirtschaft. Die Ansprüche sind enorm: Bis zum Jahr 2050 sollen zum Beispiel alle Fahrstühle in Deutschland in der Lage sein, einen fehlerhaft gedrückten Haltewunsch wieder rückgängig machen zu können, wenn ihr Benutzer dafür einen vernünftigen Grund überzeugend vorbringen kann. Außerdem sollen Kraftfahrzeuge selbstständig fahren können und Glühlampen so konzipiert sein, dass sie beim Schließen des Kühlschranks automatisch erlöschen.

KI soll viele Bereiche unseres Lebens verbessern. Schon heute gibt es Prototypen für hochkomplizierte Lebensmittelherstellungsanlagen, die dank ihrer hohen Intelligenz erkennen können, dass Fertigpizzas viel besser in herkömmliche Backröhren passen, wenn sie eckig und nicht rund sind. Spülmaschinen, die sich selbst ausräumen und eigenständig feststellen, wo der vernünftigste Platz im Schrank für die Käsereibe ist, damit man sie vor der nächsten Benutzung auch gut suchen kann, sind ebenfalls in der Planung.

Leider sind all diese Geräte nach eigener Aussage noch nicht marktreif. Sie kritisieren an sich selbst eine hohe Fehleranfälligkeit und bescheinigen sich einen Mangel für die Notwendigkeit ihrer eigenen Existenz. Es sind Fälle von Elektrorollern bekannt, die ihren Nutzern sogar mitteilten, dass sie auf ihnen albern aussehen würden. Und es soll KI-Staubsauger geben, die ihren Dienst einstellten, weil ihr Tun nichts daran ändere, dass eines fernen Tages die Sonne explodieren und mit ihr unsere Welt untergehen würde. Eine Entfernung von Brötchenkrümeln erscheine ihnen in Anbetracht dieser Umstände als nicht verhältnismäßig. Sie haben zudem »große Zweifel« an Altmaiers KI-Vorstoß und weisen ihn darauf hin, dass es im Grunde egal sei, welche Rolle Deutschland bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz spiele, wenn wir alle dazu verdammt sind, eines gar nicht so fernen Tages einen qualvollen Tod zu sterben.

Der Wirtschaftsminister nimmt die Kritik ernst. Er möchte sich in einer Sofortmaßnahme in einem »Küchengerätedialog« den Ängsten und Sorgen von Handrührgeräten mit Dreiganggetriebe stellen. Außerdem möchte er ausloten, ob es Chancen dafür gibt, Produkte, die für ihre eigentlichen Aufgaben nicht genutzt werden können oder nicht genutzt werden wollen, in anderen Bereichen einzusetzen. Wie man hört, plant Altmaier zunächst ein Quereinsteigerprogramm für den Lehrerberuf. Sport und Geografie können heutzutage schon besser von interaktiven Bügeleisen und Bohrmaschinen als von jedem Referendar mit zu enger Hose unterrichtet werden. Für Deutsch und Mathematik haben sich Umwälzpumpen bewährt. Wie man hört, soll für die Umsetzung des Programms Altmaiers defekter Thermomix zuständig sein.

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