Werbung

Schwul für Tunesien

Mounir Baatour tritt bei den tuensischen Präsidentschaftswahlen an. Er ist der erste offen schwule Kandidat in den arabischprachigen Länder

  • Von Philip Malzahn
  • Lesedauer: 2 Min.

Mounir Baatour ist der erste offen homosexuelle Präsidentschaftskandidat der arabischsprachigen Welt. Vergangene Woche konnte er die dafür benötigten 10 000 Unterschriften der Wahlbehörde vorlegen und wurde damit offiziell zur tunesischen Präsidentschaftswahl im November zugelassen.

Das Besondere an seiner Kandidatur ist nicht nur die Premiere an sich, sondern die Tatsache, dass Homosexualität in Tunesien unter Strafe steht. Um homosexuelle Handlungen beweisen zu können, dürfen tunesische Gerichte sogar sogenannte Schwulentests - eine Untersuchung des Darmtrakts - anordnen. Und genau hier möchte der 48-jährige Anwalt ansetzen: Mounir Baatour ist nämlich Vorsitzender von »Shams«, einer tunesischen Organisation für die Rechte von Homosexuellen und Transgender. »Tunesien braucht ein demokratisches Programm, das die unterschiedlichen Identitäten, Kulturen, Überzeugungen und Sprachen dieses Landes einbeziehen kann«, ließ er auf seiner Facebook-Seite verkünden.

Dazu wolle er den Artikel 74 der Verfassung abschaffen, der es Nicht-Muslimen verbietet, für das Präsidentenamt zu kandidieren. Außerdem möchte er die Rechte der berberischen Bevölkerungsgruppe stärken. Auf die Frage, wie er all das bewältigen wolle, antwortete er: »Als Präsident Bourguiba 1956 die Polygamie verbot, dafür Abtreibung und Adoption erlaubte, war das tunesische Volk auch sehr konservativ, aber es gab genug politischen Willen, diese Reformen durchzusetzen.«

Trotzdem werden dem zukunftsorientierten Baatour kaum Erfolgschancen zugerechnet. Einer aktuellen Umfrage zufolge betrachten unter zehn Prozent der Bevölkerung Homosexualität als akzeptabel. Damit wird sich der erste offen homosexuelle Präsidentschaftskandidat wohl zufrieden geben müssen, im Zuge seines Wahlkampfes gesellschaftliche Debatten anzustoßen und damit ein Zeichen zu setzen. Das allerdings hat er bereits jetzt erreicht.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!