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CO 2 -Steuer auf Steaks

Thünen-Institut untersucht Vorschläge für die Besteuerung von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.

Über den Anteil der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft gibt es unterschiedliche Zahlen. Unbestritten ist jedoch, dass die Landwirtschaft den Klimawandel mit verursacht. Als eine Möglichkeit, die Treibhausgase zu reduzieren, wird derzeit in Europa über CO2-Steuern diskutiert. In den bisherigen Modellen und Vorschlägen spielen landwirtschaftliche Produkte kaum eine Rolle. Nun haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts, das dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellt ist, analysiert, welche Folgen eine CO2-Steuer für Landwirte in Deutschland haben wird. Dabei seien die Bodennutzung und die Tierhaltung die wichtigsten Stellschrauben.

Martin Banse und Victoriya Sturm vom Braunschweiger Thünen-Institut für Marktanalyse kommen dabei zu dem Schluss, dass Steuern auf Treibhausgasemissionen durchaus zur Emissionsminderung in der Landwirtschaft beitragen können. Der Effekt sei allerdings gering, könne zu Wettbewerbsverzerrung führen und müsse einhergehen mit weiteren Maßnahmen, so das Fazit der Studie, die mit Unterstützung der Edmund-Rehwinkel-Stiftung der Landwirtschaftlichen Rentenbank entstanden ist.

Im weltweiten Vergleich hat die Landwirtschaft in Deutschland mit etwa 1,3 Prozent nur einen kleinen Anteil an den globalen agrarrelevanten Treibhausgasemissionen. Dennoch gibt es auch hier ein Einsparpotenzial. Zudem gehen die Braunschweiger Agrarökonomen davon aus, dass der heimische Agrarsektor wirksame politische Maßnahmen »für die Erfüllung der eigenen Verpflichtungen« nutzen und damit eine »Vorreiterrolle« übernehmen könnte.

Untersucht wurden drei Modelle: eine CO2-Steuer auf Konsumebene, etwa durch Steuern auf Fleischprodukte. Oder die Besteuerung der Produktion von synthetischen Düngemitteln oder der Produktion sowie der Ausbringung von synthetischen Mineraldünger auf den Äckern. Sie kommen zu dem Schluss, dass alle drei Modelle zu Emissionsminderung führen würden.

Allerdings schneidet bei ihnen die Einführung einer CO2-Verbrauchersteuer - besonders auf Milch- und Fleischprodukte - am besten ab. Nicht nur ließen sich so am besten Emissionen mindern, da rund 70 Prozent der agrarrelevanten Emissionen auf die Tierhaltung zurückzuführen sind. Auch würden damit wahrscheinlich die Tierbestände in Deutschland weiter sinken, sprich noch weniger Emissionen in die Luft gepustet werden. Gleichzeitig würden - anders als bei Steuern auf Produktionsebene - die heimischen Landwirte nicht benachteiligt. Die ebenfalls untersuchte Abschaffung der Mehrwertsteuervergünstigung auf tierische Produkte wäre laut den beiden Agrarökonomen eine weitere mögliche Variante, um Treibhausgasemissionen zu senken.

Auf Seiten der Produzenten allerdings lassen sich damit keine Emissionen einsparen. Das könnte erreicht werden, indem sowohl Steuern auf die Produktion wie auch die Ausbringung von synthetischen Mineraldüngern erhoben würden. Mit beiden Maßnahmen könnten Emissionen eingespart werden - allerdings nur mit negativen Auswirkungen auf die Düngemittelunternehmen. Die Wissenschaftler warnen gar vor Produktionsverlagerungen ins Ausland.

Das Fazit: CO2-Steuermodelle können den Beitrag der Landwirtschaft zum Klimawandel reduzieren. Die Wissenschaftler warnen jedoch: »Um hinreichende Emissionsminderungen zu erzielen, sind weitere Maßnahmen zwingend erforderlich.« Dazu zählen sie den Schutz der Moore vor landwirtschaftlicher Nutzung, weniger Tierhaltung sowie mehr Grünland bzw. das Verbot von Grünlandumbruch.

Und auch die Verbraucher sind gefragt: Weniger Lebensmittelverschwendung, weniger Fleisch und Milchprodukte auf den Tisch und klimabewusster Einkaufen.

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