• Politik
  • Jüdisches Ghetto in Litauen

Es gibt wieder Vergangenheit

In Litauen nicht alltäglich: Stadtverwaltung unterstützt Erinnerung an jüdisches Ghetto

  • Von Ute Weinmann, Šiauliai
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Am vergangenen Sonntag fand in der nordlitauischen Stadt Šiauliai eine Veranstaltung statt, wie sie vor zehn Jahren in dieser Form wohl undenkbar gewesen wäre. Mit einem Marsch des Lebens, einer Gedenkkundgebung und weiteren Programmpunkten soll an die Liquidierung des jüdischen Ghettos vor 75 Jahren erinnert werden. Die Idee dazu stammt von der lokalen jüdischen Gemeinde und ihrem Vorsitzenden, Sania Kerbelis. Bemerkenswert ist, dass der lokale Verwaltungsapparat das Gedenken unterstützt. »Seltsamerweise ruft die Verwaltung von Šiauliai sogar zur aktiven Teilnahme an der Veranstaltung auf«, freut sich Kerbelis. Er erinnert sich gut an die Zeit, als offizielle Stellen versuchten, das Thema Holocaust so weit als möglich zu ignorieren.

Šiauliai war einst ein Zentrum der Lederindustrie und eine jüdische Stadt. Anfang des 20. Jahrhunderts stellten Jüdinnen und Juden dort weit mehr als 50 Prozent der Bevölkerung, durch die Emigrationsw...


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