Werbung

Ein Kandidat schwimmt auf Geld

Freie Wähler starten Wahlkampf mit einer Ein-Mann-Show ihres Landesvorsitzenden

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenige Schritte vor dem Eingang zum Parlament haben die Freien Wähler am Montag ihren Wahlkampf zur Landtagswahl am 1. September eröffnet. Dabei in jeder Hinsicht in Großaufnahme: ihr Spitzenkandidat Pèter Vida.

Mit dem Ziel, sechs Prozent der Stimmen zu erringen und damit erstmals in Fraktionsstärke in den Landtag einzuziehen, starten die Freien Wähler in die heiße Phase des Wahlkampfs. Ihr Zeichen ist die Glühlampe. Sie symbolisiere die Erleuchtung und den »gesunden Menschenverstand«, mit dem man an die Probleme herangehe, erklärte Spitzenkandidat Vida. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai habe seine Bewegung 6,3 Prozent der Stimmen geholt, sei nun in sämtlichen Kreistagen Brandenburgs in Fraktionsstärke vertreten. Diesen Erfolg wolle man bei der Landtagswahl wiederholen. In allen 44 Wahlkreisen sind die Freien Wähler mit eigenen Kandidaten dabei. Mit dem »gesunden Menschenverstand« treten sie gegen Panikmacher an, fuhr Vida fort. Brandenburg drohe weder der Untergang des Abendlandes noch das Aussterben noch der Klimatod.

2014 waren drei Kandidaten der Freien Wähler in den Landtag eingezogen, doch zwei davon haben der Gruppierung den Rücken gekehrt: Iris Schülzke und der frühere Sozialdemokrat Christoph Schulze. Schulze hatte seinen Wahlkreis, den er seit 1990 zuvor immer für die SPD geholt hatte, 2014 für die Freien Wähler gewonnen und damit die Fünf-Prozent-Hürde ausgeschaltet. Für ihre 2,7 Prozent bekamen sie deshalb drei Mandate zugestanden.

Nicht ausgeschlossen ist, dass es noch einmal so ähnlich kommt. Nachdem die Freien Wähler mit 21,5 Prozent der Stimmen die Kommunalwahl in Bernau gewonnen hatten, könnte Pèter Vida in dieser Gegend durchaus den Landtagswahlkreis gewinnen. Dann wäre es nicht so schlimm, wenn die Freien Wähler knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern sollten. Wenn SPD, CDU, AfD, LINKE und Grüne in den Meinungsumfragen landesweit bei 16 bis 19 Prozent liegen und damit dicht beieinander, dann könnte ein Ergebnis von 21,5 Prozent diesmal durchaus schon genügen, um einen Wahlkreis zu gewinnen. Auf drei der sechs Großplakatmotive der Freien Wähler ist das Konterfei von Vida zu sehen. Für einen Spitzenkandidaten sei das »normal«, meint er.

Inhaltlich orientieren sich die Freien Wähler an Themen, mit denen sie in der Vergangenheit gut angekommen sind: Altanschließer, keine weiteren Windräder (»4000 reichen, wir haben damit unseren Beitrag zur Energiewende geleistet«, sagt Vida), niedrigere Hürden für Volksinitiativen und Volksentscheide, Garantie für alle Schulstandorte in den kommenden 20 Jahren, Baustopp am Großflughafen BER in Schönefeld. Die Freien Wähler wollen dafür sorgen, dass nicht noch mehr Geld in das »gescheiterte Unternehmen« BER gesteckt wird. Auch dürften nicht weiter Kredite in haftendes Kapital verwandelt werden. Der Landesregierung warf Vida vor, auf Potsdam zentriert zu sein. Das müsse aufhören. Er versprach »starke, engagierte und charakterfeste Kandidaten« der Freien Wähler. Wenn er für sich und seine Bewegung den gesunden Menschenverstand reklamiere, so wolle er anderen nicht krankes Denken vorwerfen, wohl aber falsche Entscheidungen, stellte Vida klar.

Auf einem seiner Wahlplakate schwimmt der Spitzenkandidat auf einem Papierschiffchen, das aus einem 50-Euro-Schein gefaltet ist. Im Geld schwimmt er allerdings nicht. Für ihre Kampagne setzen die Freien Wähler einen niedrigen sechsstelligen Betrag ein. Ihre Großaufsteller sind aus Kostengründen »Marke Eigenbau«, wie Vida betont.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln