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S-Bahn mit stabilem Plus bei Zuverlässigkeit

Trotz mangelnder Infrastruktur ist der Betrieb deutlich pünktlicher geworden

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die permanenten Baustellen mit zum teil chaotisch verkehrenden Ersatzbussen mögen darüber hinwegtäuschen. Aber die S-Bahn Berlin konnte in diesem Jahr ihre Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit dank des Qualitätsprogramms »S-Bahn plus« im regulären Betrieb deutlich steigern.

»Wir dürfen selbstbewusst sagen, dass die S-Bahn pünktlicher geworden ist«, sagt Jens Hebbe, Leiter der Betriebszentrale der Berliner S-Bahn. Er kann das mit Zahlen belegen. In den ersten fünf Monaten fuhren die Züge durchgängig mit über 96 Prozent Pünktlichkeit, im Februar und Mai waren sogar über 97 Prozent der Züge pünktlich. Laut Anforderungen des Verkehrsvertrages entspricht das einer Verspätung von maximal vier Minuten.

Im vergangenen Jahr gelang es der S-Bahn Berlin GmbH nur einen einzigen Monat, die im Verkehrsvertrag vereinbarte Hürde von 96 Prozent zu nehmen. »Der Juni 2019 war dann nicht mehr ganz so positiv«, muss Hebbe einräumen. Starke Gewitter zur Monatsmitte waren zwar beeindruckend zu beobachten, hätten aber die technischen Anlagen »teilweise stark in Mitleidenschaft gezogen«. Auch Temperaturen von bis zu 39 Grad setzten insbesondere den Fahrzeugen der Baureihe 481, den in Fankreisen wegen der charakteristischen Frontscheibe »Taucherbrillen« genannten Zügen, deutlich zu. Das führte zu nur noch 92,8 Prozent Pünktlichkeit. In der ersten Juliwoche waren allerdings schon wieder 96,9 Prozent aller Züge pünktlich. Im Vergleich zum Jahr 2018 ist das eine Steigerung um 1,8 Prozentpunkte, auf den lange notorisch chaotischen Ringbahnlinien sogar um 2,3 Prozentpunkte. Das war kürzlich bei einer öffentlichen Vorlesung des Eisenbahnwesen-Seminars der Technischen Universität Berlin zu erfahren.

180 Einzelmaßnahmen wurden in den verschiedenen Tochterunternehmen des zersplitterten DB-Konzerns angegangen. An den Fahrzeugen wurden notorisch unzuverlässige Teile wie kleine Elemente der Türsteuerung prophylaktisch ausgetauscht. Die Baureihe 481 soll zudem hitzefester werden. Zusätzliche Lüfter in der Wand zwischen Fahrerkabine und Fahrgastraum sollen eingebaut werden. »Die Vorbereitungen haben wesentlich länger gedauert als erwartet«, räumt Jürgen Strippel, Leiter des Fahrzeugmanagements bei der S-Bahn, ein. »Wir hoffen und wir gehen davon aus, dass wir im Herbst mit dem Umbau beginnen können«, sagt er.

Die Fahrzeugstörungen konnten durch eine intensivere Beschäftigung mit dem Rollmaterial deutlich reduziert werden. »Bisher ist in den Werkstätten nicht immer genau bekannt gewesen, warum ein Fahrzeug aussetzen musste«, räumt Strippel ein. Nachdem in der Transportleitung der S-Bahn Berlin GmbH eine entsprechende Störungshotline eingerichtet wurde, die die Gründe erfasste, kam heraus: »Es ist gar nicht der ganze Fahrzeugpark, der wild verteilt Störungen hat, sondern nur ein kleiner Prozentsatz«, sagt Strippel. »Im Zweifel haben wir bei einzelnen Fahrzeugen wochenlang nach Fehlern gesucht«, so der Ingenieur. Zum Teil wurden auch externe Experten zu Rate gezogen. Mit der intensiven Beschäftigung mit den einzelnen Störungen habe es schließlich auch einen deutlichen Einbruch bei den Auswirkungen gegeben. Von durchschnittlich rund 65 fahrzeugbedingten Verspätungsminuten pro Tag im Jahr 2018 sank die Quote auf rund 38 Minuten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2019.

Die Maßnahmen können nötige Infrastrukturausbauten nicht ersetzen. »Zusätzliche Gleiswechsel, Kehranlagen, Bahnsteigkanten« seien nötig, sagt Hebbe. Dazu gebe es intensive Gespräche auch mit dem Senat.

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