Werbung

Gefängnis für Grabscher: Philippinen verbieten Belästigung

Sexuelle Belästigung wird auf den Philippinen strafbar. Präsident Rodrigo Duterte soll selbst schon oft gegen das neue Gesetz verstoßen haben

  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Rodrigo Duterte, Präsident der Philippinen, hält am 29.11.2016 in Palayan (Philippinen) eine Rede.
Rodrigo Duterte, Präsident der Philippinen, hält am 29.11.2016 in Palayan (Philippinen) eine Rede.

Manila. Sexuelle Belästigung wird auf den Philippinen strafbar. Gegen das am Dienstag in Kraft getretene Gesetz soll Präsident Rodrigo Duterte selbst schon oft verstoßen haben. Nach dem neuen »Gesetz über sichere Räume« drohen in dem südostasiatischen Inselstaat fürs Hinterherpfeifen, für anzügliche Blicke, frauenfeindliche, homophobe und transphobe Beleidigungen oder das ständige Erzählen schmutziger Witze Bußgelder oder gar Arrest. Auf Exhibitionismus, Begrapschen, Stalken, Kneifen oder das Reiben an fremden Körpern stehen künftig bis zu sechs Monate Gefängnis.

Kritikerinnen Dutertes wiesen am Dienstag darauf hin, dass nun ausgerechnet der »oberste Frauenverächter« Missstände in diesem Bereich beseitigen wolle. Der 74-jährige Präsident sei der »dreisteste Zuwiderhandler«, wenn es um das zentrale Anliegen des Gesetzes gehe, erklärte die Partei für Frauenrechte, Gabriela, im Kurzbotschaftendienst Twitter. Duterte sei für seine »lange Liste machistischer und faschistischer Bemerkungen« bekannt.

Ende vorigen Jahres löste der Staatschef des 106-Millionen-Einwohner-Landes einen Aufschrei der Empörung aus, als er erzählte, wie er als Teenager eine schlafende Hausangestellte im Intimbereich angefasst habe. Im August 2018 hatte er in einer Rede gesagt: »Solange es viele schöne Frauen gibt, gibt es auch viele Vergewaltigungsfälle.« 2016 pfiff Duterte bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz einer Journalistin hinterher, im vergangenen Jahr küsste er eine Frau von den Philippinen bei einem Besuch in Südkorea - was als Zeichen von Machtmissbrauch gewertet wurde. Bei anderer Gelegenheit forderte er Soldaten auf, kommunistischen Guerilla-Kämpferinnen in die Vagina zu schießen, damit diese »nutzlos« würden. Als er noch Bürgermeister von Davao war, sagte er über eine vergewaltigte Australierin, er hätte bei der Vergewaltigung »der Erste sein sollen«.

Die Journalistin Inday Espina-Varona erklärte, Duterte sei der »oberste Frauenverächter«. Das von ihm unterzeichnete Gesetz sei zwar »längst überfällig«. Wenn es aber von diesem Präsidenten unterzeichnet werde, so zeige dies nur, dass er sich als »über dem Gesetz stehend« betrachte. Dutertes Sprecher Salvador Panelo erklärte hingegen, der Präsident werde sich an das Gesetz halten. »Wenn er Witze reißt, so geschieht dies, um Menschen zum Lachen zu bringen«, fügte Panelo hinzu. »Es geht nie darum zu beleidigen.«

Duterte steht außerdem wegen seines »Anti-Drogen-Kriegs« international in der Kritik. Den blutigen Feldzug hatte er bei seinem Amtsantritt Mitte 2016 ausgerufen und zur Tötung von Rauschgifthändlern und Drogenkonsumenten aufgefordert. Seitdem sind nach Angaben der Behörden mindestens 6.600 Menschen getötet worden. Menschenrechtler hingegen sprechen von bis zu 27.000 Opfern, darunter mindestens 100 Kinder. In der vergangenen Woche hatte der UN-Menschenrechtsrat die Regierung in Manila aufgefordert, die willkürlichen Tötungen zu stoppen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Agenturen/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!