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Licht ins Dunkel des Kaffeehandels

Röstereien aus aller Welt machen öffentlich, wo sie ihre Bohnen einkaufen und was sie den Produzenten zahlen

  • Von Knut Henkel, Hamburg
  • Lesedauer: 4 Min.

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Vom lukrativen Kaffeemarkt profitieren hauptsächlich die großen Röster und Kaffeehändler - auf Kosten der Kaffeebauern in den Anbauländern. Deshalb gründete Röster jetzt eine Transparenzinitiative.
Vom lukrativen Kaffeemarkt profitieren hauptsächlich die großen Röster und Kaffeehändler - auf Kosten der Kaffeebauern in den Anbauländern. Deshalb gründete Röster jetzt eine Transparenzinitiative.

Bei Andreas »Pingo« Felsen von Quijote Kaffee gehen täglich neue Anfragen ein. »Die Resonanz ist gigantisch: Drei deutsche Röstereien sind heute Morgen beigetreten, zwei Schweizer am Nachmittag, und in den USA ist unsere Initiative gerade in den Branchen-Newslettern und Kaffeemagazinen das Thema.«

Der Gründer des zehnköpfigen Direktimport- und Röstereikollektivs aus Hamburg-Rothenburgsort spricht von »The Pledge« (dt. das Versprechen), einer Transparenzinitiative, die 16 bekannte Kaffeeröster aus den USA, Australien und Europa Ende Juni lanciert haben. Sie machen öffentlich, wo sie ihren Rohkaffee einkaufen, was sie den Produzenten zahlen und ob sie direkt mit ihnen kooperieren. Das soll die Großen der Branche unter Druck setzen. Quijote ist mit von der Partie, denn das Unternehmen versteht sich als »Open-Source-Rösterei«, die alles transparent macht: Ankaufpreise, Kooperationspartner und selbst die Röstprofile.

Kaffee ist nach Erdöl das wichtigste internationale Handelsgut. Doch die Preise für die aromatischen Bohnen sind für die Produzenten derzeit geradezu ruinös. Das amerikanische Pfund Arabica (456 Gramm) wird an der Börse von New York aktuell mit 1,07 Dollar gehandelt, das Pfund Robusta in London mit 0,81 US-Dollar. Davon profitieren die großen Unternehmen der Branche. Doch diese Preise liegen weit unter den Produktionskosten, die zum Beispiel in Mittelamerika ungefähr 1,30 US-Dollar betragen. »Hunderttausende Familien werden in den Ruin getrieben. Auswanderung, aber auch die Umwandlung von Kaffee- in Kokaplantagen sind direkte Folgen, weil die Familien ihre Lebensgrundlage verlieren«, erläutert Andreas Felsen.

Die Kaffeeindustrie hat auf diese katastrophale Entwicklung bisher keine Antworten gefunden, schreiben die Röstereien von »The Pledge« in ihrer Presseerklärung. Die Initiative, der sich immer mehr Röster aus aller Welt anschließen, will daran etwas ändern. Die beteiligten Kaffeehäuser verpflichten sich, für mindestens einen der angebotenen Kaffees aus ihrem Sortiment den Namen des oder der Produzentin anzugeben, aber auch den Einkaufspreis (FOB), die Menge und Qualität sowie die Dauer der Geschäftsbeziehung preiszugeben. Diese Angaben werden von der Initiative überprüft und dann online gestellt, wobei aber kein Mindestpreis pro Pfund der grünen Bohnen vorgegeben ist.

Dass die Preise jedoch deutlich über dem derzeitigen Weltmarktniveau liegen sollten, versteht sich von selbst. »Alles andere wäre aus Marketingperspektive ein Eigentor für die Kollegen«, meint Felsen, der zuletzt im Mai in Ecuador Lieferanten besucht hat. Quijote Kaffee bietet ihnen pro Pfund Robusta 2,40 US-Dollar und für Arabica 2,80 US-Dollar. Dafür verlangt das Kollektiv Qualität: 84 Punkte auf der Skala der US-amerikanischen Specialty Coffee Association müssen es schon sein. Die Skala ist die international relevante Messlatte für Kaffeequalität. Die 16 Röstereien, die »The Pledge« initiiert haben, importieren alle direkt und ausschließlich Kaffee von hoher Qualität.

So bedienen sie eine Marktnische, die von den Abnahmemengen her nicht sonderlich relevant ist, aber die auch die großen Konzerne verstärkt im Blick haben. Zum einen ist das mediale Interesse an Kaffeespezialitäten gewachsen, zum anderen bringt der Direkthandel zwischen Produzent und Röster ein positives Image. Das führe aber dazu, dass der Begriff immer öfter zu Marketingzwecken verwandt wird, kritisiert Felsen.

Er befindet sich derzeit auch in Gesprächen mit GEPA - die größte europäische Fairhandelsorganisation steht »The Pledge« positiv gegenüber. »Transparenz und direkte Beziehungen zu Kleinbauerngenossenschaften sind ein Grundprinzip des Fairen Handels«, erklärt ein GEPA-Sprecher gegenüber »nd«. Allerdings würden sich viele Röster mit dem Etikett »Direct-Trade« schmücken, aber den Rohkaffee trotzdem über Dritte einkaufen. Zudem müsse man Qualitäten, Einkaufspreise, Einkaufsmengen und Vertriebswege miteinander in Relation setzen. Darüber ist GEPA mit den Initiatoren von »The Pledge« im Gespräch. Von den Ergebnissen hänge es ab, ob man sich der Initiative anschließen werde.

Die Kaffeemacher GmbH aus Basel hat dies hingegen sofort getan. Für Benjamin Hohlmann, den Gründer des kleinen Kaffeehauses, ist es unstrittig, dass »die Produzenten zu wenig von der Wertschöpfung profitieren«. Für ihn ist »The Pledge« ein Schritt hin zu mehr Transparenz und ein Schritt, um »aufzuzeigen, was uns bereits gelingt und was noch nicht«. Die Kaffeemacher zahlen Produzenten in jeweils drei afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern zwischen 1,55 und 4,54 Dollar pro Pfund.

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