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»Alles andere als exzellent«

Berliner Universitäten könnten Exzellenztitel verliehen bekommen - trotz miserabler Arbeitsbedingungen

  • Von Vanessa Fischer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Noch ist nicht klar, ob die Korken an diesem Freitagabend knallen werden. Für die drei großen Berliner Universitäten und die Charité geht es dabei um viel: Sie haben sich in der Neuauflage der sogenannten Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder als Zusammenschluss beworben. Die Exzellenzstrategie soll den Wissenschaftsstandort Deutschland ebenso wie die Spitzenforschung an deutschen Hochschulen stärken. Jährlich wird dafür eine Summe von 148 Millionen Euro unter bis zu elf erfolgreichen Bewerbern aus dem ganzen Bundesgebiet verteilt. An Berlin könnten dabei maximal 28 Millionen Euro gehen.

Von Dienstag bis Donnerstag hatten 39 Expert*innen über die Anträge von 17 Einzeluniversitäten und zwei Verbünden beraten. Dabei konnten sich Universitäten und Hochschulen dieses Jahr erstmals auch zusammenschließen. Die Freie Universität (FU), die Humboldt-Universität (HU), die Technische Universität (TU) und die Charité nutzten diese Möglichkeit denn auch gleich. »Globale Herausforderungen sind nicht im Alleingang zu lösen«, heißt es zur Begründung auf den Seiten des »Berlin University Alliance« genannten Zusammenschlusses. Die gemeinsame Bewerbung birgt aber auch Risiken: Entweder gewinnen die vier Einrichtungen gemeinsam - oder sie verlieren gemeinsam. Ein Misserfolg wäre vor allem für die Titelverteidiger FU und HU ein Rückschlag. Aus dem Osten Deutschlands ist neben Berlin nur noch die TU Dresden im Rennen, die meisten Finalisten kommen aus dem Süden und Westen der Republik. Um 18 Uhr werden sie alle erfahren, ob ihnen ihr Antrag den Elite-Titel eingebracht hat.

Kritik an der Exzellenzstrategie gibt es vor allem seitens der Studierendenvertreter*innen. Sie warnen davor, dass die Fördermillionen ungerecht verteilt würden. »Unis, die eigentlich Gelder für ihre Entwicklung benötigen, werden vernachlässigt«, beklagte im vergangenen Jahr etwa der Allgemeine Studierendenausschuss (ASta) der Uni Hamburg. Dies könne zu einem Zweiklassensystem führen. Studierendenvertreter*innen anderer Hochschulen befürchten außerdem, dass die Lehre im Vergleich zur gezielten Förderung der Spitzenforschung zu kurz kommen könnte.

»Exzellente Unis sollten auch exzellente Arbeitsbedingungen haben«, kritisiert indes Jana Seppelt, ver.di-Gewerkschaftssekretärin für Hochschulen gegenüber »nd«. »Die Arbeitsbedingungen an den Berliner Hochschulen sind allerdings alles andere als exzellent«, so Seppelt weiter. Obwohl sachgrundlose Befristungen an Universitäten seit dem vergangenen Jahr nicht mehr zulässig sind, würden die Hochschulen diese Vorgabe nur sehr langsam umsetzen. Auch bei der Umgruppierung der studentischen Beschäftigten im Tarifvertrag habe es bisher wenig Fortschritte gegeben, erklärte Seppelt dem »nd«. Ver.di ruft deshalb an diesem Freitag zu einer Kundgebung mit dem Titel »Sekt oder Selters« ab 14 Uhr auf dem Vorplatz der Urania auf. Die Veranstaltung richtet sich explizit gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und sei kein Protest gegen die Exzellenzstrategie an sich.

Anders sieht das eine Beschäftigte einer Uni von der Initiative TVLfürStudis, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. »Bei den durch die Exzellenzinitiative geförderten Projekten bleiben die Mittel befristet, und damit auch die Stellen«, erklärt sie. Die Drittmittelfinanzierung führe somit zu schlechten Arbeitsbedingungen, so die Initiative. Erst in der vergangenen Woche hatte es am Landesarbeitsgericht eine endgültige Entscheidung über die Entfristungsklage einer Studentin gegeben, die im IT-Bereich der FU gearbeitet hatte. Zwar wurde die Klage gegen die FU gewonnen. Darin, dass die Universität trotz eindeutig gegen sie sprechender Rechtslage überhaupt soweit gegangen war, sieht die Initiative aber eine dezidierte Strategie, mit der sie ihre studentischen Beschäftigten »auslaugen« wolle.

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