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»Der Niedergang der Natur vollzieht sich in einem nie da gewesenen Tempo«

Weltnaturschutzunion fügt der »Roten Liste« 7000 bedrohte Arten hinzu / Zahlreiche Pflanzen in Deutschland verschwunden

  • Lesedauer: 3 Min.

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Viele Ackerwildkräuter sind kaum bekannt und vom Aussterben bedroht.
Viele Ackerwildkräuter sind kaum bekannt und vom Aussterben bedroht.

Paris. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat der »Roten Liste« 7000 bedrohte Arten hinzugefügt. In der neuesten Fassung der Roten Liste der IUCN sind somit 105.000 Arten aufgeführt, von denen 28.000 als direkt vom Aussterben bedroht gelten. »Der Niedergang der Natur vollzieht sich in einem nie da gewesenen Tempo«, erklärte IUCN-Chefin Grethel Aguilar. »Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Bewahrung der Biodiversität in unserem eigenen Interesse ist«, forderte sie.

Für die Bedrohung von Primaten, Fischen und Bäumen sind vor allem die Rodung der Wälder und das Überfischen verantwortlich. Im Mai hatte der Weltrat für Biodiversität (IPBES) einen Bericht veröffentlicht, nach dem »in den kommenden Jahrzehnten« rund eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Die Wissenschaftler forderten daher »tiefgreifende Änderungen« vor allem in der Landwirtschaft.

In die aktuelle Fassung der Roten Liste der IUCN wurden unter anderem Breitnasenfische und Gitarrenfische, aber auch sieben Primatenarten aufgenommen. So leben von der Roloway-Meerkatze nur noch 2000 Exemplare in der Elfenbeinküste und Ghana in freier Wildbahn. In West- und Zentralafrika seien 40 Prozent aller Primaten vom Aussterben bedroht, erklärte die Weltnaturschutzunion.

Die größte Gefahr bestehe für Arten, die von Menschen als Nahrung genutzt würden, erläuterte die IUCN-Expertin Craig Hilton-Taylor. In Japan sind den Angaben zufolge mehr als die Hälfte der Süßwasserfischarten vom Aussterben bedroht, in Mexiko mehr als ein Drittel. Auf die Rote Liste wurden aber auch mehr als 500 Tiefseefische und Mollusken gesetzt, die mehr als tausend Meter unter der Wasseroberfläche leben.

Am Freitag berichtete die »Neue Osnabrücker Zeitung« zudem unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen, dass in den vergangenen 150 Jahren zahlreiche Pflanzen auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik ausgestorben oder nicht mehr auffindbar sind. Viele weitere gelten als gefährdet. Demnach sind in dem Zeitraum 149 sogenannte Pflanzentaxa verschwunden. Dabei handelt es sich um ganze Arten oder deren Unterarten. Womöglich ist also eine deutlich höhere Zahl an Pflanzen ausgestorben.

Laut Ministerium sind allein 76 Arten der Farn- oder Blütenpflanzen betroffen. Aus dieser Gruppe gelten derzeit zudem 1.068 als gefährdet. Das entspricht einem Anteil von 27,5 Prozent der in Deutschland heimischen Pflanzen aus der Gruppe der Farn- und Blütenpflanzen, zu denen etwa Wiesen-Küchenschelle, Kornrade, Katzenpfötchen und Sonnentau-Arten zählen. Insgesamt habe sich deren Situation in den vergangenen Jahren verschlechtert. Deswegen wird laut Ministerium das Ziel aus der 2007 verabschiedeten Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt »für diese Pflanzengruppe voraussichtlich nicht erreicht werden«.

Die Grünen fordern ein konsequenteres Vorgehen der Bundesregierung gegen das Artensterben bei Wildpflanzen. Vor allem die Landwirtschaft müsse umweltfreundlicher wirtschaften, sagte die naturschutzpolitische Sprecherin Steffi Lemke der Zeitung. »Wir wollen großzügig pestizidfreie Gebiete schaffen und die Vergüllung der Landschaft beenden.«

Tatsächlich sieht die Bundesregierung die Ursache für die Bedrohung der Pflanzenvielfalt im Nährstoffeintrag in nährstoffarme Gewässer oder Landschaften wie etwa Moore oder Heiden. Auf unmittelbar landwirtschaftlich genutzten Flächen gelten vor allem sogenannte Ackerwildkräuter als gefährdet. Agenturen/nd

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