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Zeit zu handeln

Initiativen machen in Ostdeutschland mit einer Marktplatztour gegen den Rechtsruck mobil

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.

Wann, wenn nicht jetzt? Das fragt sich eine Initiative in Ostdeutschland - und möchte vor den Landtagswahlen im Herbst in Brandenburg, Sachsen und Thüringen gegen rechte Hetze zusammenstehen. Mit einer Konzerttour auf Marktplätzen in mehreren Städten werden Musik und politisches Engagement zusammengebracht. Das erste Konzert findet am kommenden Samstag in Zwickau statt.

»Mit WannWennNichtJetzt ermutigen wir alle dazu, im Alltag mehr Toleranz zu zeigen, aktiv zu werden und sich nicht in die Defensive drängen zu lassen«, erklärte der Sprecher der Kampagne, Bruno Rössel, auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Die Initiative will einen »Sommer der Solidarität« einläuten und zeigen, dass es im Osten viele Menschen gibt, die für linke und emanzipatorische Politik einstehen. Entstanden ist die Initiative aus dem Gedanken heraus, den Funken des großen Wirsindmehr-Konzerts in Chemnitz in andere Städte und den Alltag hineinzutragen.

Sarah Fartuun Heinze sagt dazu: »WannWennNichtJetzt bedeutet: wir sind nicht immer mehr, aber jetzt ist die Zeit zu handeln«. Die Theaterpädagogin aus Cottbus ist wie Rössler in die Planung der Konzerttour involviert. Sie fühlt sich in Cottbus zu Hause, auch wenn sie dort aufgrund ihrer Hautfarbe bereits beschimpft und mit dem Hitlergruß provoziert wurde. »Wir organisieren uns, um Städte zu schaffen, in denen sich alle Menschen frei bewegen können und nicht bedroht werden. Wir wollen Orte, in denen Busse fahren, Kultureinrichtungen kostenfrei sind und wir solidarisch miteinander handeln«, sagt Heinze zu den Zielen der Kampagne.

Finanziert wurde diese durch ein monatelanges Crowdfunding. Mehr als 60 000 Euro konnten gesammelt werden. Beflügelt wurde die Spendenaktion durch die Ergebnisse der Kommunal- und Europawahlen, bei denen die AfD viele Stimmen erhielt. Von diesem Geld wird die Tour finanziert, bei der es neben Konzerten auch Lesungen, Vorträge und Workshops geben wird, und beim ersten Marktplatzkonzert in Zwickau sogar ein Fußballturnier, wie Organisatorin Maria Evers stolz ankündigt.

Obwohl am Anfang auch mit großen Bands und Künstlern gerechnet wurde, sind die letztlich bestätigten Auftritte eher unbekannt. In Zwickau haben sich die Rapper Kobito und Matondo angekündigt, außerdem Shkoon und die Band Klostein. Der Sänger der letzteren sagte gegenüber »nd«, das Konzert sehe er als »Aufklärungsarbeit gegen Rechts«. Die Stimmung in der Stadt vor dem Konzert beschreibt er als angespannt. Er selbst sei als Veranstalter schon angegangen worden, sein Name wurde an Wände gesprüht, er bedroht. In letzter Zeit sei er mehrfach umgezogen, weil Nazis seine Adresse bekannt war. Besonders die Neonazikleinpartei III. Weg und die »Identitären« hätten sich in der Stadt breit gemacht.

Auch deshalb sei er glücklich darüber, dass am Samstag viele Menschen auch aus größeren Städten nach Zwickau kommen. »Es ist schön, zu sehen, dass die Menschen die ostdeutsche Provinz nicht vergessen haben«, sagt er.

Auch Maria Eversfreut sich, dass am Samstag viele Menschen nach Zwickau kommen. Ihr gehe es darum, »die Stadt ein wenig bunter zu machen«. Es sei ihr ein Anliegen zu zeigen, dass es in Zwickau seit Jahren eine engagierte Zivilgesellschaft gebe. Ein Miteinander zwischen Flüchtlingen und Alteingesessenen. Dieses bei der Marktplatztour »in Szene zu setzten«, ist ihr wichtig. Die letzten Kommunalwahlen, bei denen rechte Kräfte an Land gewannen, hätten ihr Angst gemacht. Umso mehr freue sie sich, einen so großen Protest dagegen organisiert zu haben.

Laut einem Sprecher des Bündnisses geht es bei der Tour darum, ein Gesprächsangebot für die Menschen vor Ort zu schaffen und die Pluralität der Gesellschaft sichtbar zu machen. Am 24. August kommt die Initiative dann mit dem Bündnis unteilbar in Dresden zusammen. Zur gleichnamigen Großdemonstration auf dem Altmarkt werden mehrere zehntausend Teilnehmer erwartet.

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