Sieben Tage, sieben Nächte

Kleine Schritte und große Sprünge

Von Stephan Fischer

Ein kleiner Schritt war es angeblich nur für ihn, ein großer für die Menschheit - in den überhaupt nicht spontanen Worten Neil Armstrongs beim ersten Menschenschritt auf dem Mond vor 50 Jahren. Und der letzte Schritt von der Leiter des Raumgefährts war auch gar kein Schritt, sondern ein kleiner Hüpfer. Oder ein kleiner Sprung - ins Ungewisse.

Der Weltraum bietet immer noch ob seiner schieren Größe und vieler dunkler, unbekannter Ecken genug Raum für alles Mögliche. Spekulationen zum Beispiel. Waren die Amerikaner überhaupt auf dem Mond? Oder doch eher im Fernsehstudio? Die Zweifel an der Mondlandung scheinen dank des Youtube-Düngers auf dem sehr fruchtbaren Internet-Acker eher zu wachsen. Und die Grundzutaten des Ereignisses bieten ja schon genug Einfallstore für den Zweifel: Eine Weltmacht (der alles zuzutrauen ist) unternimmt ein nie zuvor gewagtes Unterfangen (was kaum jemand in den technischen Einzelheiten nachvollziehen kann) aus nicht eindeutiger Motivation: Ging es jetzt um den Fortschritt der Menschheit als Ganzes oder doch nur um einen Systemwettstreit?

Wir wollen uns nicht an solchen Spekulationen beteiligen. Obwohl wir einen Blick hinter die Ereignisse nicht scheuen (Seiten 22/23). Zumal gerade der Weltraum in den letzten Jahren wieder en vogue geworden ist. Aber sind dabei wirklich große Sprünge zu erwarten? Derzeit scheint es eher um die Fortsetzung des irdischen Lebens auf anderen Planeten zu gehen. Doch wenn man nur eine Erde 2.0 sucht, zum Rohstoffabbau und als Fluchtplanet für den Fall, dass die Erde 1.0 für die Menschheit (auch selbst verschuldet) keinen Lebensraum mehr bietet - dann wird man auch nichts anderes finden.

Denn hier kommt die Pfadabhängigkeit ins Spiel: Ausgehend von Entscheidungen oder Ereignissen in Vergangenheit und Gegenwart sind bestimmte Ereignisse in der Zukunft fast zwangsläufig oder eben unmöglich. Wenn Milliarden für den Blick in den Himmel und die Sterne ausgegeben werden, wird der Blick in die Tiefsee folgerichtig oberflächlich oder gleich ganz an der Oberfläche bleiben.

Um richtig große Sprünge (Seite 8) zu machen, muss das Denken frei sein. Die Zukunft lässt sich nicht allein als das Lösen vergangener und gegenwärtiger Probleme angehen. Und überhaupt - warum immer nur in Problemen denken und nicht in Wünschen? Denn kaum einer wünscht sich Rohstoffe (Seite 6) oder eine interstellare Müllkippe. Wie wäre es mit Frieden, Freiheit, Zeit für Schönes?

Als »giant steps«, riesige Schritte, besang The Police die ersten Meter auf dem Mond. Um allerdings weiterzukommen, muss man die Gedanken umdrehen und in andere Richtungen lenken: Der viel größere Sprung - das waren die Schritte der Astronauten 1969 gesund zurück auf die Erde.