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Eine Meerenge für viel Öl

Britischer Tanker von Iran festgesetzt

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Immer wieder zeigte das iranische Staatsfernsehen am Wochenende, wie sich Einsatzkräfte der iranischen Revolutionsgarden auf das Deck der »Stena Impero« abseilen, einem Tanker, der einer britischen Reederei gehört und unter schwedischer Flagge fährt. Das Schiff habe ein Fischerboot gerammt, vermeldeten die Moderatoren dann, und auch, dass man schon kurz zuvor die Besatzung eines anderen britischen Schiffes auf die Einhaltung der Umweltvorschriften habe hinweisen müssen.

Außerhalb Irans ist die Darstellung indes eine andere: Die BBC berichtet vom Funkverkehr zwischen der iranischen Marine und der Brücke des Tankers, in dem die Besatzung aufgefordert wird, Anweisungen Folge zu leisten. »Wollen Sie wirklich internationales Recht brechen?«, habe ein Besatzungsmitglied der britischen Fregatte HMS Monrose dazwischen gefragt. Nach Ansicht der britischen Regierung befand sich die »Stena Impero« in internationalen Gewässern.

Sicher ist, dass die iranische Marine am Freitag je nach Sichtweise die »Stena Impero« beschlagnahmt oder aufgebracht und samt Besatzung in den Hafen Bandar Abbas gebracht hat. Welche Version stimmt, lässt sich nicht sagen, zumal die Straße von Hormus, wo sich dieses jüngste Kapitel im Streit um das iranische Atomprogramm, um die von den USA einseitig verhängten Sanktionen gegen Iran abspielt, sehr speziell ist: Wenn man an der omanischen Küste direkt davor steht, wirkt sie wie ein See in einer brüllend heißen, weitgehend unbewohnten, unbewachsenen Berggegend. Nur: Durch diese an der engsten Stelle 40 Kilometer breite Meerenge wird gut ein Fünftel des weltweit vermarkteten Öls transportiert, in einer Fahrrinne, die gerade einmal drei Kilometer breit ist. Und diese Fahrrinne führt mal durch omanische, mal durch iranische Gewässer, über deren Grenzen es zudem auch unterschiedliche Sichtweisen gibt - ebenso wie über den rechtlichen Status. Haben Schiffe aller Nationen ein Durchfahrtrecht? Dürften Iran oder Oman ihren Teil der Meerenge für bestimmte Schiffe sperren? Es gibt mehrere Abkommen und Konventionen, die sich teilweise widersprechen.

Doch obwohl die Revolutionsgarden in der Vergangenheit mehrmals damit drohten, die Straße von Hormus zu sperren, wurde dies nie umgesetzt. Und nicht nur dies: Während sich die Regierungen Irans und der USA in diesen Tagen streiten, durchfahren auch amerikanische Kriegsschiffe weiterhin die Straße von Hormus, und damit iranische Gewässer.

Die Ereignisse am Freitag kamen nicht aus heiterem Himmel. Nachdem die britische Marine vor Gibraltar nach einem Hinweis aus den USA einen iranischen Tanker aufgebracht hatte, der, so die britische Version, die EU-Sanktionen gegen Syrien verletzen sollte, war in der iranischen Öffentlichkeit der Ruf nach einer Reaktion laut geworden. Auch in eigentlich regimekritischen Medien wurde dabei wiederholt Premierminister Mohammad Mossadegh erwähnt, der 1953 nach einer Operation der britischen und amerikanischen Geheimdienste gestürzt worden war. Auch wenn Mossadegh mit dem System der heutigen Islamischen Republik keine Schnittmengen hatte, wirken die damaligen Ereignisse in den Köpfen bis heute nach - was wiederum auch massiven Einfluss auf die iranische Innenpolitik hat.

Die Regierung von Präsident Hassan Ruhani hat heute kaum noch Unterstützer, was zum einen daran liegt, dass der Wirtschaftsliberale es schon vor der Wiedereinführung der amerikanischen Sanktionen nicht schaffte, Inflation und Lebenshaltungskosten in den Griff zu bekommen. Nun wird ihm aber auch noch vorgeworfen, er und sein Außenminister Mohammad Dschawad Zarif böten »dem Westen« zu wenig die Stirn. Das wiederum hat die Revolutionsgarden und ihre Führung gestärkt: Sie sind nicht nur militärische und wirtschaftliche Kraft, sondern streben auch nach politischem Einfluss.

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