Pflanzen for Future

Gärten, Tiere, Landwirtschaft

Von Mario Pschera

Der Ornithologe Peter Berthold bemerkte 2018 im Interview im Magazin »Chrismon« zu Deutschlands Gärten: »Zu über 90 Prozent sind das Psychopathengärten mit runtergehobeltem Psychopathenrasen. Es ist eine Frechheit, ein Stück des von Gott gegebenen Landes so zu missbrauchen! Wenn ich Kaiser von Deutschland wäre, würde ich ein Dekret erlassen: Ab 1. Januar 2019 hätte jeder Garten so und so bepflanzt zu sein, und wer das nicht macht, dem wird der Garten weggenommen. Dann bekämen andere Leute den Garten, zum Beispiel Flüchtlinge, die würden da Gemüse anbauen, Zwetschgen, Äpfel - wunderbar. Wenn alle Gärten naturnah wären, dann hätten wir deutschlandweit einen Biotopverbund.« Was Peter Berthold damit meint, kann man im Internet unter dem Suchbegriff »Gärten des Grauens« nachschauen. Unsere Leserschaft ist natürlich aus anderem Holz geschnitzt - Sie wissen um die Bedeutung von bepflanzten Gärten und Balkonen für die Artenvielfalt. Selbst auf kleinsten Flächen kann man eine ganze Menge für Insekten und Vögel tun und dabei sich selbst eine Freude bereiten.

Nicht jeder Standort ist für jede Gemüsepflanze geeignet. Mit etwas technischem Wissen lässt sich allerdings einiges herausholen. Die Gartenbauingenieurin Natalie Faßmann erklärt in »Das Kraterbeet«, wie sich durch tiefergelegte Beete und Sonnenfallen auch empfindlichere Pflanzen vor Wind und Kälte schützen lassen und gibt Tipps zur Bepflanzung, Pflege und Fruchtfolge.

Wem Wochenendfron und strammstehende Erdbeerstauden eher unheimlich sind, der halte es mit der Garten- und Landschaftsarchitektin Simone Kern: »Der antiautoritäre Garten« gestaltet sich selbst, man setze nur auf die richtigen Pflanzen. Natürlich geht es ihr eher darum, ressourcenschonend und naturnah mit heimischen Pflanzenarten ein vielfältiges Biotop zu schaffen, das entsprechend pflegeleicht ist. Ganz ohne Arbeit und Planung geht das nicht. Anschaulich und ausführlich erklärt sie, welche Böden zu welchen Gewächsen passen, wie Sonneneinstrahlung und Bodenfeuchte auszutarieren sind und wo bei Überwucherungen eingegriffen werden sollte.

In dieselbe Kerbe schlägt Norbert Griebl mit »Naturnah gärtnern«. Im Detail werden Pflanzen vorgestellt, die man ansiedeln sollte, sowie Pflanzen, die zu Unrecht als Unkraut angesehen werden, dennoch wichtige Funktionen im sogenannten Bauerngarten erfüllen. Besonderes Augenmerk wird auf die Attraktivität für Wildbienen und andere Insekten, Vögel und Kleinsäuger gelegt. Die Einteilung in Rubriken und Tabellen ermöglicht eine schnelle Übersicht und die zielgerichtete Suche nach praktischen Tipps.

Neben Umgraben, Säen, Hegen und Ernten sollte immer auch Zeit sein, sich ausgiebig mit der umgebenden Flora und Fauna auf Feld und Flur vertraut zu machen. Der »Kosmos Tier- und Pflanzenführer« bietet reichlich und gut sortiert Stoff, und es ist erstaunlich (und bedenklich), wie viele Arten mittlerweile in der Stadt angekommen sind, weil sie durch die industrielle Landwirtschaft verdrängt wurden. Kurz und knapp werden Erkennungsmerkmale, Lebensweise und Verbreitungsraum vorgestellt. Praktischerweise lassen sich mit der passenden App Erklärfilme und Tonbeispiele von Singvögeln abrufen. Das Buch gibt es in einer handlicheren und abgespeckten Variante auch als »Kindernaturführer« mit Mitmachtipps und zusätzlichen Bestimmungshilfen, mit denen auch Stadtkinder etwas anfangen können.

Zwei Bücher sollten in Zeiten menschengemachter Naturvernichtung zur Pflichtlektüre werden: »Biodiversität« von Bruno Baur und das Studienbuch »Ökologischer Landbau«, herausgegeben von Bernhard Freyer. Baur erläutert Entwicklungen und Wechselwirkungen von Ökosystemen, ihren ökonomischen Nutzen sowie Gefährdungen. Das daraus gewonnene Wissen lässt sich vertiefen mit dem Band zum ökologischen Landbau, seiner Geschichte und seinen Besonderheiten. Die Landwirtschaft ist ein umkämpftes Terrain, man sollte die politischen Akteure und Mechanismen kennen, um Schlüsse für eigenes Handeln zu ziehen.