Einladung ins Weihnachtswunderland

Heißes Angebot für kalte Wintertage: Leserreise am 3. Advent nach Seiffen

Von Heidi Diehl

Zugegeben, in diesen heißen Tagen denkt noch niemand so richtig an Weihnachten. Aber die Zeit vergeht wie im Fluge, im nächsten Monat schon könnten die ersten Lebkuchen wieder in den Geschäften stehen. Da können wir doch locker mithalten - mit einer tollen Leserreise!

Im Wissen darum, dass diese sicher viele »Romantiker« ansprechen wird, mache ich Ihnen ein heißes Angebot für kalte Tage: Genießen Sie den 3. Advent mitten im Weihnachtswunderland! Zunächst werden wir nach Seiffen fahren, die wohl bekannteste Gemeinde im Erzgebirge, in der die Spielzeug- und Volkskunstherstellung eine lange Tradition hat. Wer schon immer mal wissen wollte, wie aus einem unscheinbaren Holzring in wundersamer Weise filigrane Reifentiere entstehen, sollte sich unbedingt einen Platz für diese besondere Leserreise sichern. Denn im Freilichtmuseum des Ortes werden wir uns diese - nur in Seiffen beheimatete - uralte Herstellungsmethode anschauen.

Ein Bummel durch das (hoffentlich verschneite) Städtchen mit seiner berühmten sechseckigen Kirche wird uns gut einstimmen auf das Abendessen, das »Neunerlaa«. Das aus neun verschiedenen Gängen bestehende Menü wird im Erzgebirge traditionell am Heiligen Abend serviert. Jeder Gang hat eine bestimmte Bedeutung - gewissermaßen kann man so schlemmend die Grundlage für ein gesundes, glückliches nächstes Jahr legen. (Dafür nimmt man doch gern eine unruhige Nacht auf sich, weil man so vollgefuttert ist, dass man kaum zum Einschlafen kommt!)

Genießen werden wir das »Neunerlaa« im ersten Haus am Platze, im Hotel »Buntes Haus« mitten im Zentrum von Seiffen. Es ist nicht nur das erste, sondern auch das älteste Haus Seiffens, denn das ehemalige Erbgericht wurde vor nunmehr 480 Jahren ins Grundbuch des Ortes mit der Nummer 1 eingetragen.

In dem überaus gemütlichen und gastfreundlichen Haus werden wir auch die Nacht verbringen, bevor wir am nächsten Tag unsere Reise fortsetzen: nach Grünhainichen, wo wir eine der traditionsreichsten Handwerksmanufakturen des Erzgebirges besuchen werden - die vor 114 Jahren von zwei jungen Frauen gegründete kunsthandwerkliche Firma Wendt & Kühn. Was die 28-jährige Margarete Wendt gemeinsam mit der ein Jahr jüngeren Margarete Kühn 1915 mutig wagte, wurde von der männerdominierten Geschäftswelt im besten Fall belächelt, fast immer aber ignoriert und stets mit Argwohn beobachtet: Frauen als Unternehmerinnen - wo gibt’s denn so was?! Die beiden hatten sich 1907 an der Kunstgewerbeschule Dresden kennengelernt, die in jenem Jahr erstmals auch Frauen zum Studium zuließ. In ihrer Manufaktur entstanden Lichterengel, Truhen, gedrechselte Dosen und Leuchter, mit denen sich die beiden jungen Frauen ein Jahr nach Firmengründung erstmals an der Leipziger Messe beteiligten. Die ersten Engelmusikanten, die zum Markenzeichen werden sollten, entwarf Grete Wendt 1923. Ihren Ritterschlag erhielten die Frauen 1937 auf der Pariser Weltausstellung - der »Engelberg mit Madonna« erhielt den Grand Prix und eine Goldmedaille. Spätestens dadurch wurde Wendt & Kühn zu einem begehrten Markenzeichen für schönste traditionelle Handwerkskunst.

Bis heute werden im Stammhaus der Firma die in aller Welt als Sammlerobjekte beliebten Elf-Punkte-Engel nach den Originalentwürfen von Margarete Wendt in reiner Handarbeit produziert. Mindestens 38 Arbeitsschritte und rund vier bis sechs Wochen Arbeit sind notwendig, um so einen kleinen »Lebensbegleiter« herzustellen. Wir dürfen einen Blick hinter die Kulissen werfen und zuschauen, wie aus einem Stück Holz die berühmten Engel entstehen. Selbstverständlich genießen wir auch einen Blick in Margarete Wendts großen Musterschrank, der im Mittelpunkt der anlässlich des 100. Firmenjubiläums neu gestalteten »Wendt & Kühn Welt« steht.

Bevor es wieder nach Hause geht, besuchen wir noch das vom sächsischen Kurfürsten August errichtete Schloss Augustusburg, das zu den schönsten Renaissanceschlössern Mitteldeutschlands gehört. Die Besichtigung der Kirche mit dem restaurierten Lucas-Cranach-Altar endet im Brunnenhaus mit der »Brunnenhebe« inklusive einer »Wasserverkostung« - lassen Sie sich überraschen. Gut gestärkt nach einem Mittagessen im Schlossrestaurant kehren wir mit vielen schönen Erlebnissen - und sicher so manchem Weihnachtsgeschenk im Gepäck - nach Berlin zurück.