Blumengärten für intelligente Faule

Im Potsdamer Karl-Foerster-Garten blüht es das ganze Jahr

Von Anke Ziebell

Für Gartenfreunde ist der Karl-Foerster-Garten in Potsdams Norden ein Muss. Nicht von ungefähr ist das gut 6000 Quadratmeter große Anwesen einer der meistbesuchten Privatgärten Deutschlands. Aber auch für Leute, die nicht allzu gern in der Erde wühlen, nicht von jeder Pflanze den Namen kennen, sind die fünf »Gartenzimmer«, die Foerster vor über 100 Jahren »eingerichtet« hat, eine wirkliche Entdeckung. Vielleicht wegen der Stimmung, die hier herrscht - der blühende Salbei duftet, im Teich tummeln sich Goldfische, Froschquaken ist zu hören und dazwischen immer wieder Randnotizen - mit weißer Schrift auf grauem Schiefer - von dem bekannten Gärtner und Schriftsteller. »Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen als andere«, so lautet eins der Zitate, die man zwischen den üppigen Pflanzen entdecken kann.

Fast noch schöner sind die Geschichten, die Felix Merk, Gartendenkmalpfleger der Stadt Potsdam, vom Garten und seinem Gärtner bei seinen Führungen zu erzählen weiß.

Karl Foerster (1874-1970), der berühmte Staudenzüchter und Gartenphilosoph, lebte und arbeitete sechs Jahrzehnte in Bornim und schuf rund um sein Wohnhaus Gartenwelten, die den Potsdamer Ortsteil als »Worpswede der Gartengestalter« weltbekannt machte. 1912 legte er seinen Schau- und Versuchsgarten an, mit dem er ein bedeutendes Kapitel moderner Gartengeschichte schrieb. Er wollte die Vielfalt von Stauden und Gehölzen demonstrieren. Foerster kombinierte winterharte Stauden mit Blumenzwiebeln, Gräsern, Farnen und Gehölzen und gruppierte sie so, dass es zu jeder Jahreszeit etwas Buntes, Blühendes im Garten zu sehen gibt. Getreu seinem Motto: »Es wird durchgeblüht«.

Für Foerster war jede Pflanze ein Individuum. Die Leidenschaft dafür wurde schon recht früh geweckt. Der kleine Karl wurde in der Berliner Sternwarte an der Friedrichstraße groß, die sein berühmter Vater, der Astronom Wilhelm Foerster, leitete. Auf dem Planetariumsgelände legte die Mutter für jedes der fünf Kinder einen eigenen Garten an, den jedes Kind nach seiner Fasson gestalten durfte. »Jedes Gärtchen sah anders aus: Einer der Brüder hatte eine Blumenwiese, wo er gern las - er wurde später Philosoph -, der andere zog kleine Gräben in den Sand und ließ seine Schiffchen dort fahren - dieser wurde Schiffsbauer. Und bei Karl standen Blumen in kräftigen Farben und blitzenden Gegensätzen im Garten«, erzählt Felix Merk.

Gärtnern allein reichte Karl Foerster nicht. Hunderte von Pflanzen hat er gezüchtet, fast 70 Rittersporne - eigens für den blauen Schatz der Gärten hatte er ein riesiges Versuchsfeld angelegt. Er schrieb neben unzähligen Zeitungsfeuilletons mehr als 30 Bücher für Gartenliebhaber. Mit seinem Schwager gab er von 1920 bis 1941 die Zeitschrift »Gartenschönheit« heraus. Er galt als Vordenker moderner und naturnaher Gartengestaltung. So propagierte er »Blumengärten für intelligente Faule« mit mehrjährigen ausdauernden, winterharte Blütenstauden, die durch eine standortgerechte Pflanzung weniger Pflege benötigen.

Der Karl-Foerster-Garten allerdings - der im Laufe der Zeit mehrmals umgestaltet wurde und seit 1981 unter Denkmalschutz steht - kommt ohne eine stete und fachkundige Pflege nicht aus. »Das ist notwendig, um das lebendige und sensible Kunstwerk zu erhalten«, erklärt Felix Merk.

Im Zuge der Bundesgartenschau 2001 wurde er als Gartendenkmal rekonstruiert. Seitdem wird der Karl-Foerster-Garten von der Stadt Potsdam gepflegt.

»Mehr als 4000 Pflanzen haben hier ihren Platz, darunter 1000 verschiedene Stauden, mehr als 50 Rosensorten, vor allem Kordis-Rosen, einige davon älter als 50 Jahre, und natürlich Rittersporn und Phlox. Denn ein Garten ohne Phlox ist laut Foerster ein Irrtum«, weiß Kristina Scheller, die als eine von zwei Gärtnerinnen für die Pflanzenpracht verantwortlich ist.

Der Bornimer Garten steht jedem interessierten Besucher offen. Darauf legte Karl Foerster stets großen Wert. Seine Tochter Marianne, selbst eine Gartenarchitektin, die bis 2010 hier lebte und den Garten pflegte, führte diese Tradition fort. Sie vermachte das Foerster-Anwesen nach fast 100 Jahren in Familienbesitz der treuhänderischen Marianne-Foerster-Stiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Und wer heute den Garten am Raubfang besucht, der findet die fünf Gartenteile - den Frühlingsweg, den Senkgarten, das Herzstück der Anlage, das Herbstbeet, den Wohngarten und den berühmten Steingarten, der die Geschichte von einem Abstieg vom Berg ins kühle Tal erzählt - in Lage und Ausdehnung noch so, wie sie um 1911 angelegt wurden. Nur der ursprünglich sechste Teil, der Versuchsgarten, existiert nicht mehr. Auf seinem Gelände liegt heute die Gärtnerei Foerster-Stauden.