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  • Politik
  • Georg Friedrich Prinz von Hohenzollern

Herr Prinz von Preußen ist streng genommen gar kein Prinz

Der Ururenkel von Kaiser Wilhelm II. gilt als bescheiden - erweist sich aber in Verhandlungen um Besitztümer als keineswegs schüchtern

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist der größte historische Fehler in der Geschichte der SPD, dass sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs einen Burgfrieden mit Kaiser Wilhelm II. schloss, sodass dieser am 1. August 1914 bemerken konnte: »Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche.«

Doch die SPD schien wenig gelernt zu haben, als sie rund 100 Jahre später Georg Friedrich Prinz von Hohenzollern hofierte. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eilte am 29. August 2011 zur Hochzeit von Georg Friedrich mit Sophie von Isenburg in die Potsdamer Friedenskirche und schwärmte hinterher, wie romantisch die Trauung gewesen sei. Aus Anlass der Landesgartenschau in Oranienburg scharwenzelte der damalige Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) 2007 ehrerbietig um das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern herum und entblödete sich nicht, ihn mit »königliche Hoheit« anzusprechen. Dabei wäre ein freundliches »Herr« angemessen gewesen. Denn der Adel und seine Privilegien sind in Deutschland seit 1919 abgeschafft. Vorher hätte Laesicke einen Prinz Georg Friedrich vor sich gehabt, seitdem ist es ein Herr Georg Friedrich - und Prinz von Preußen ist lediglich dessen Familienname. Freilich bezeichnet die offizielle Biografie seine Kinder, die zehnjährigen Zwillinge Carl Friedrich und Louis Ferdinand, die dreijährige Emma und den zweijährigen Heinrich, als Prinzen und Prinzessin. Doch das ist eigentlich nicht richtig, denn auch bei denen handelt es sich nur um den Familiennamen.

Dabei wollte der 1976 in Bremen geborene Georg Friedrich, dessen Vater früh verstarb, als Junge doch ganz normal leben. Es nervte ihn, beständig gefragt zu werden, ob er eine Krone habe, in der Kutsche fahre und auf einem Schloss wohne. Als Erwachsener hat er die Öffentlichkeit nicht offensiv gesucht. Er hat Betriebswirtschaft studiert und sich darum gekümmert, dass der Besitz profitabel verwaltet wird, damit die weitverzweigte Familie ihre Apanage erhält, die Zahlung, die ihren Lebensunterhalt sichert. Im Gegensatz zu seinem Großvater träumt der Ururenkel des letzten Kaisers nicht mehr vom Thron. Die Anrede »königliche Hoheit« hat er seinerzeit auf den Stufen von Schloss Oranienburg wortlos hingenommen, dazu bescheiden gelächelt.

So zurückhaltend, beinahe schüchtern, soll der Bundeswehrmajor der Reserve, der bei den Gebirgsjägern diente, aber keineswegs sein, wenn es um geschäftliche Dinge geht. Das offenbarte er auch im Verhandlungspoker mit Bund und Ländern um Gemälde und andere Kunstobjekte und um 1,2 Millionen Euro Entschädigung vom Land Brandenburg für nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone enteignete Immobilien und Ländereien, darunter Schloss Rheinsberg. Er und seine Anwälte brachten ein Wohnrecht auf Schloss Cecilienhof, Schloss Lindstedt oder in der Villa Liegnitz ins Spiel. Das war dann aber auch dem Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) zu viel, der versprach, dass es Schlösser des Volkes bleiben werden.

Herr Georg Friedrich Prinz von Hohenzollern beschwert sich derweil über Indiskretionen. Die Presse hat etwas über den Inhalt der vertraulichen Verhandlungen erfahren und sollte eigentlich gar nichts wissen, und wenn doch, dann jedenfalls nicht nur die halbe Wahrheit, wie es jetzt heißt. Das Haus Hohenzollern argwöhnt, nur Politiker oder ihre Mitarbeiter können den Journalisten gesteckt haben, was sich hinter verschlossenen Türen abspielt. Der angebliche Geheimnisverrat soll aufgeklärt werden.

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