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Sommer, Sonne, Antifa

Immer mehr Anwohner*innen wehren sich gegen Neonaziangriffe in Adlershof

  • Von Emil Larsson
  • Lesedauer: 3 Min.

Als erstes wird Fahrrad gefahren. Das Zentrum für Demokratie (ZfD) beginnt den »Antifaschistischen Sommertag« um elf Uhr mit einer Tour zu Orten der Solidarität im Bezirk Treptow-Köpenick, an dem sich Engagierte gegen Rechts und für Demokratie vernetzen. Startpunkt der Radtour ist die Geflüchteten-Unterkunft in der Alfred-Rand-Straße 19.

Seit 2015 gab es hier öfter rassistischen Protest der NPD. Auf die Fahrbahn vor dem Nachbarhaus hat jemand ein Hakenkreuz geschmiert. Doch in der Nachbarschaft gibt es auch andere Stimmen. So engagiert sich ein Verein von Nachbar*innen seit entstehen der Unterkunft für die Geflüchteten, und viele soziale Projekte und ein gemeinsam betreuter Garten sind entstanden.

Benedikt Hotz vom ZfD warnt die Teilnehmer*innen der Tour, dass rechte Gruppen in den Sozialen Medien dazu aufgerufen haben, die Veranstaltung zu stören. Hotz will sich davon nicht einschüchtern lassen. »Wir sagen klar: nicht mit uns! Wir sind ein vielfältiger Bezirk, wir sind ein solidarischer Bezirk.«

Auch an Berlin ist der gesellschaftliche Rechtsruck nicht spurlos vorüber gegangen. Besonders betroffen von Anschlägen durch Neonazis ist das nahe gelegene südliche Neukölln. Dort gab es eine Reihe von Brandanschlägen auf Pkw und Geschäfte, die mutmaßlich von Neonazis begangen wurden.

Nun nimmt auch im Ortsteil Adlershof die rassistische Gewalt zu (»nd« berichtete). An Pfingsten wurde dort der arabische Imbiss »Habiba« in der Dörpfeldstraße mit Buttersäure angegriffen und mit rechten Parolen beschmiert. Die Nazischmierereien - darunter ein Hakenkreuz und Sprüche wie »Ab in die Gaskammer«, »Scheiß Moslems« und »Raus hier« - standen noch länger gut sichtbar an der Hintertür. Ende Juni schossen Unbekannte auf die Wohnungstür einer geflüchteten Familie. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Die Familie selbst war bereits öfter Opfer von rechten Übergriffen geworden. So wurde ihr Briefkasten zerstört, der Gartenzaun beschädigt und die Eingangstür mit Hundekot beschmiert. Für viele Anwohner*innen ist das alles nicht länger hinnehmbar. Um den Rechten etwas entgegen zu setzen und sich klar zu positionieren, soll die Solidarität vieler Anwohner*innen mit Geflüchteten und anderen Ausgegrenzten im Bezirk hervorgehoben werden. Neonazistische Propaganda - wie Aufkleber und ähnliches - soll dagegen schneller als bisher beseitigt werden.

Die Tour führt zum Campus Kiezspindel im Ortsteil Spindlersfeld. Hier ermöglicht ein Sprachcafé das Kennenlernen von Geflüchteten und Anwohner*innen. Weiter geht es zur Brückenstraße in Oberschöneweide, wo sich jahrelang Teile der Neonaziszene festgesetzt hatte. Nach anhaltenden Protesten musste 2014 sowohl die Nazikneipe »Zum Henker« als auch der Militaria-Laden des ehemaligen NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmitdke schließen.

Seitdem, so Hotz, habe sich die Situation entspannt. »Für die Veränderung im Kiez war es entscheidend, dass gezeigt wurde: «Wir sind mehr und wir lassen uns von den Nazis nicht einschüchtern».

Nach der Tour geht es für viele der etwa 50 Radfahrer*innen weiter zum «Putzspaziergang» in den Ortsteil Adlershof. Viel zu putzen gäbe es gerade allerdings nicht, erklärt Jeannine Löffler, Projektkoordinatorin beim Register zur Erfassung diskriminierender und extrem rechter Vorfälle. Seit den Berichten über die Vorkommnisse in Adlershof seien viele Leute aktiv geworden und hätten bereits Aufkleber und Schmierereien entfernt.

Ähnliches berichtet auch die Anwohnerin Justina Leczcinski. Sie engagiert sich in der Nachbarschaft gegen Rassismus. «Ich möchte einfach, dass mein Kind mit seinen migrantischen Nachbarskindern spielen kann, ohne krumme Blicke zu ernten», so Leczinski.

Die Aktivist*innen machen mit ihrem «Sommertag» deutlich: Rechte Hetze hat in Adlershof keinen Platz.

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