Werbung

Senatorin löffelt die Suppe aus

Sandra Scheeres stellt sich der Kritik, über die Rücktrittsforderung spricht sie nicht

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.
Senatorin Scheeres am Mittwoch zwischen Möhrencremesuppe, Grießbrei und scharfer Kritik.
Senatorin Scheeres am Mittwoch zwischen Möhrencremesuppe, Grießbrei und scharfer Kritik.

Schulplatzlücke, »mangelnde Vertrauenswürdigkeit«, Rücktrittsforderungen, Kritik von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) - Sandra Scheeres hat seit Schulbeginn einiges schlucken müssen. So richtig Appetit hatte die Bildungssenatorin am Mittwoch nach den politischen Vorwürfen der vergangenen Tage deshalb anscheinend nicht.

Dabei ist das Angebot beim kostenfreien Schulessen in der Martin-Niemöller-Grundschule in Hohenschönhausen, das die Senatorin testen wollte, durchaus einladend: Auswählen können die Kinder an diesem Tag zwischen Möhrencremesuppe und Schokogrießbrei als einem Essen und einem zweiten mit Indischem Rahmkäse mit Bulgur und Gemüse. Dazu gibt es eine Frischetheke mit Obst, Salat und Joghurt, an der sich die Grundschüler*innen selbst bedienen können. Ihre Schule ist eine von 370 Grundschulen, in denen seit Schuljahresbeginn alle Kinder für ein warmes Mittagessen nicht mehr bezahlen müssen. Die Ganztagskoordinatorin der Schule, Angela Wieczorek, lobt das neue Angebot: »Von unseren Schülern hatten 300 Essensverträge. Jetzt sind es schon 525. Es werden täglich mehr. Die Kinder freuen sich, zusammen zu essen, es schmeckt ihnen, es macht ihnen Spaß«, sagt Wieczorek.

Ihre Schulleiterin Monika Rümpel erklärt, wie die Schule die Herausforderung des auftretenden Platzmangels bewältigt hat: »Die Kinder gehen in kleinen Gruppen zwischen 11 Uhr und 13.30 Uhr zum Essen. Wir haben kreative Lösungen gefunden.« Es sei, so Rümpel, mit allem »Land in Sicht«, zumal im nächsten Jahr auch noch das große Mehrzweckgebäude mit integrierter Mensa neben der Schule fertiggestellt werde.

Die Situation vor dem zum Essensraum umfunktionierten Multifunktionsraum gibt ihr recht. Es geht für eine Grundschule mit mehreren Hundert Kindern im Essensbereich bemerkenswert ruhig zu. Bemerkenswert ruhig wirkt unterdessen auch Sandra Scheeres beim anschließenden Gespräch im zum Presseraum umfunktionierten Klassenzimmer.

Die Bildungssenatorin lobt die »vorbildliche Planung« an der Martin-Niemöller-Schule, wie generell im Bezirk Lichtenberg in dieser Angelegenheit. Schulen, Bezirke, Land und Schulaufsichtsrat, so Scheeres, hätten beim Thema Schulessen wirklich »an einem Strang« gezogen. Das Angebot sei eine Entlastung für Familien. »Wir wollen keine Stigmatisierung von Kindern, die vom Essen ausgeschlossen sind, weil die Eltern nicht zahlen können«, so Scheeres. Probleme bei der Umsetzung, sagt sie, gebe es nur an drei bis vier Grundschulen. Sandra Scheeres war in den vergangenen Tagen unter Druck geraten, als eine zukünftige Lücke von 25 000 Schulplätzen in Berlin prognostiziert wurde, über die »nd« bereits Anfang Juli berichtet hatte. Scharfe Kritik an der Senatorin kam auch vom Landeselternausschuss, der ihr mangelndes Engagement hinsichtlich der schlechten Qualität der Bildung vorwarf. Die CDU sprang mit einer Rücktrittsforderung auf den Zug auf.

Als Scheeres daraufhin eine Qualitätskommission unter dem Bildungsforscher Olaf Köller ankündigte, zeigte sich auch GEW-Landesvorsitzender Tom Erdmann »erstaunt«. Die GEW fordert eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Pädagogen und der Rahmenbedingungen an den Berliner Schulen.

Scheeres verteidigt am Mittwoch die Kommission. »Wir haben keine Bildungskrise«, sagt sie. Die 25 000 Schulplätze seien eine »maximale Prognosezahl«. Man müsse mit realistischen Zahlen argumentieren. Diese werden für Anfang der nächsten Woche erwartet.

Auch das Abgeordnetenhaus befasst sich in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause wohl mit dem Thema.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!