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  • Berlin
  • Lebensmittelverschwendung

Mal was anderes als Bulette

Ein Verein engagiert sich erfolgreich gegen Lebensmittelverschwendung und für klimafreundliche Ernährung

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mitgründerin Leoni Beckmann liefert gerettete Lebensmittel ins Restaurant »Restlos Glücklich«.
Mitgründerin Leoni Beckmann liefert gerettete Lebensmittel ins Restaurant »Restlos Glücklich«.

Diesen Freitag um 12 Uhr soll auf dem Alexanderplatz losgebrutzelt werden - klimafreundlich, billig und vor allem: lecker. Mehrere Hundert Menschen will der gemeinnützige Verein Restlos glücklich im Rahmen der Aktion »Berlin isst fürs Klima« zwei Tage lang verköstigen. Erwartet wird am Freitagmittag auch Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt (Grüne). Die für die Mega-Volksküche benötigten Lebensmittel wurden im wahrsten Sinn des Wortes von Aktivist*innen des Vereins gerettet.

»Lebensmittel, die aus dem Verkauf aussortiert werden, weil mal die Kühlung ausfällt oder weil sie einfach nicht mehr ganz perfekt aussehen, die sind ja deshalb noch lange nicht zum Wegwerfen«, sagt Hannah Legleitner, die in der Schöneberger Geschäftsstelle von Restlos glücklich arbeitet. Die neun haupt- und 80 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, erzählt Legleitner, holen deshalb Lebensmittel mit solchen Schönheitsfehlern ab, wenn sie von Supermärkten oder auch kleineren Geschäften rechtzeitig benachrichtigt werden. »Wir wollen, dass es möglich ist, diese Lebensmittel legal abzugeben«, so die studierte Kulturwissenschaftlerin. Zum sogenannten Containern, dem Entnehmen von weggeworfenen Lebensmitteln aus den Mülltonnen von Supermärkten, rufe man deshalb nicht auf. »So weit sollte es gar nicht erst kommen«, findet Legleitner.

Der Verein, der vor fünf Jahren gegründet wurde, hat es sich im Zuge seines Kampfes gegen Lebensmittelverschwendung in Berlin zur Aufgabe gemacht, kreative Konzepte und Rezepte unter die Leute zu bringen. Dafür bieten die Mitarbeiter*innen eine Vielzahl von Kursen an. »Man muss anders planen, anders lagern, auch anders kochen«, so Legleitner.

Die Angebote würden gut angenommen. »Viele kommen auf uns zu und sind begeistert, wie gut sich vieles umsetzen lässt«, meint die junge Frau. Besonders am Herzen liegen ihr und ihren Mitstreiter*innen aber die Koch-Workshops, die in Berliner Grundschulen angeboten werden. Mittlerweile erreicht der Verein über 40 Schulen pro Jahr. Nicht nur mache Kindern improvisiertes Kochen viel Spaß, die Aktivistin geht auch davon aus, dass mit der Erfahrung des Selberkochens Bewegung in die mitunter schwierige Situation Zuhause kommt: Den Kindern schmeckt das gekochte Essen nicht - und es wird weggeworfen. Elf Millionen Tonnen Lebensmittel sind es jedes Jahr laut Bundesernährungsministerium, die in Privathaushalten weggeworfen werden, 39 Prozent am Gesamtanteil in Deutschland.

Dagegen setzt das Team von Restlos glücklich auf Ernährungsbildung: »Wir wollen Anstöße geben, etwas ausprobieren, aber nichts vorschreiben. Wir befürworten ökologische Ernährung, aber wollen niemanden davon überzeugen, vegan zu leben«, so die Beraterin. Vegan gekocht wird bei den Workshops aber trotzdem.

70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen von Nahrungsmitteln, erklärt der Verein, seien auf tierische Produkte zurückzuführen. Buletten, Currywurst, Hamburger und Döner seien deshalb »echte Klimakiller«. Wer mit seiner Ernährung etwas fürs Klima tun will, sollte viel Pflanzliches verwenden, das möglichst aus der Region kommt und gerade Saison hat - also weder aus fernen Ländern eingeflogen, noch lange in Kühlhäusern gelagert werden muss. Wie eine solche Ernährung billig und ohne viel Zeitaufwand aussehen kann, verrät Restlos glücklich gern.

Am Alex wird es übrigens Wurzelgemüse und Buletten aus Brot geben. Klingt vielleicht gewöhnungsbedürftig - aber wer es nicht probiert hat, sollte nicht gleich abwinken.

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