Der Atem der Vampire

Notizen aus Venedig

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Von Jean-Paul Sartre gibt es den schönen Satz, er liebe Venedig, »aber ohne Sympathie«. Woran liegt das? Vielleicht, weil sich hier nichts bewegt. Die Stadt schwimmt wie uralter Schaum auf dem Wasser. Sie hebt und senkt sich, aber kommt nicht vom Fleck. Das provoziert eine gewisse Melancholie, die jeden Neuankömmling sofort am allgegenwärtig-gefährlichen Stillstand teilhaben lässt. Der Dichter August von Platen-Hallermünde etwa hat in seinem Tagebuch seitenweise über seine Ankunft in Venedig geschrieben. Seltsam: Es klingt vom ersten Satz an nach Abschied.

Die Venezianer schwimmen seit tausend Jahren mit ihrer Stadt, sie sind Überlebenskünstler, die aus allem Gewinn schlagen. Platen erfährt, dass man das Wasser hier auf keinen Fall trinken dürfe, es enthalte gefährliche Bakterien. Die Venezianer haben sofort eine Lösung parat: »Man vermengt es mit einer Anisessenz und es heißt dann Mistra.« So einfach geht das. Brecht muss in dieser St...


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