Werbung

Umdenken im Endspurt

Vor dem DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus und dem Ligaauftakt grast Bayern München den Transfermarkt ab

  • Von Maik Rosner, Rottach-Egern
  • Lesedauer: 4 Min.

Kurz nachdem die Nachricht von Leroy Sanés Kreuzbandverletzung und OP in der kommenden Woche von Manchester City am Donnerstagabend bestätigt worden war, schlüpfte beim FC Bayern ein Zugang ins Trikot. Eine überraschend verpflichtete Flügelalternative zu Sané, 23, war dieser allerdings nicht. Vielmehr gab Verteidiger Lucas Hernández, 23, sein Debüt für die Münchner, gut vier Monate nach seiner Knie-OP wegen einer Innenbandverletzung. Und der bisherige Rekordzugang, für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid verpflichtet, sendete nach seinem 45-minütigen Einstand im Test gegen den FC Rottach-Egern aus der Kreisklasse (23:0) gleich ein weiteres hoffnungsvolles Signal für die gerade in den Bemühungen um ihren Königstransfer Sané ziemlich unsanft ausgebremsten Bayern. »Ich fühle mich nah an 100 Prozent«, sagte der französische Weltmeister Hernández vor dem Ende des Trainingslagers am Tegernsee am vergangenen Sonnabend, »ich hoffe, dass ich bis Montag zum Pokal in Cottbus einigermaßen fit werde und dabei sein kann.«

Ein längerer Einsatz auf der Dienstreise zum Viertligisten FC Energie dürfte für Hernández allerdings zu früh kommen, voraussichtlich ebenso beim Bundesligaauftakt am kommenden Freitag gegen Hertha BSC. Erst in dieser Woche war er ja nach langer Reha- und Aufbauarbeit ins Mannschaftraining eingestiegen. Ins Risiko gehen dürfte Niko Kovac mit seinem bisher einzigen als Stammkraft fest eingeplanten Zugang kaum, der als linker Innenverteidiger vorgesehen ist, zumal der Trainer weiterhin nur 17 Profifeldspieler in seinem Kader hat. Auffüllen dürfte er seine Belegschaft deshalb auch in Cottbus und voraussichtlich ebenso gegen Hertha weiterhin mit Nachwuchskräften.

Spätestens in drei Wochen, nach dem Transferende am 2. September, soll Kovac ein vollwertiger Kader zur Verfügung stehen, um die hohen Saisonziele ernsthaft in Angriff nehmen zu können. Das Double aus Meister- und Pokaltitel erfolgreich zu verteidigen haben sich die Bayern ebenso vorgenommen wie ein deutlich besseres Abschneiden in der Champions League, in der zuletzt im Achtelfinale gegen den späteren Titelträger FC Liverpool Schluss war. Dass es dafür wegen Sanés Ausfall von voraussichtlich sechs Monaten nun rasch eines Umdenkens im Transferendspurt bedarf, verkompliziert die ohnehin seit Langem stockenden Bemühungen um Verstärkungen weiter.

»Ich bin traurig und bedauere das sehr, dass sich Leroy schwer verletzt hat«, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic und bat um Verständnis, sich nicht näher zu der Personalie äußern zu wollen. Offen bleibt also, ob die Bayern vorerst Abstand nehmen von der angestrebten langfristigen Verpflichtung Sanés. Oder ob sie diesen trotzdem holen wollen wegen der nun womöglich besseren Verhandlungsposition durch seine schwere Verletzung, die Manchester Citys hohe Ablöseforderung (angeblich fast 150 Millionen Euro) drücken könnte. Sanés Trainer Pep Guardiola will von einem Verkauf aber nun erst recht nichts wissen. Er habe ohnehin »nicht an die Möglichkeit gedacht, dass er gehen könnte«, sagte der ehemalige Münchner Coach am Freitag.

In jedem Fall müssen sich die Bayern nun um sofort einsetzbare Alternativen bemühen. An Spekulationen über Ersatzlösungen mangelt es nicht, allerdings mit dem Nachteil, dass deren derzeitige Arbeitgeber um den hohen Handlungsdruck der Münchner wissen und deshalb gewiss keine Schnäppchenpreise im Schlussverkauf aufrufen werden, eher im Gegenteil.

Als besonders aussichtsreich gilt nun der 30-jährige kroatische Linksaußen Ivan Perisic. Berichten zufolge soll Kovac seine guten Kontakte zum ehemaligen Dortmunder und Wolfsburger forciert haben. Laut »Bild« ist sich Inter Mailand bereits mit den Münchnern über eine Leihe mit anschließender Kaufoption einig, die angeblich im Bereich des Marktwerts von 30 Millionen Euro liegen soll. Nur Perisic müsse noch zustimmen, hieß es. Der zunächst gehandelte Hakim Ziyech, 26, scheidet dagegen aus, da er nun bei Ajax Amsterdam verlängert hat. Denkbar wäre zudem Steven Bergwijn, 21, von der PSV Eindhoven. Der wechselwillige Niederländer (Marktwert 35 Mio. Euro) soll den Bayern bereits angeboten worden sein. Auch der deutsche Nationalspieler Timo Werner, 23, könnte wieder in den Fokus rücken. Allerdings soll sich RB Leipzig trotz des 2020 auslaufenden Vertrages bei den Ablösevorstellungen recht nah am imaginären Marktwert (65 Mio.) orientieren.

Hinzu kommen zahlreiche Spekulationen, unabhängig von Sané, wie um Spaniens U21-Europameister und Sechser Marc Roca von Espanyol Barcelona. Die Ausstiegsklausel des 22-Jährigen sieht eine Ablöse von 40 Millionen Euro vor, die 25 Prozent über seinem Marktwert liegt, an dem sich die Bayern bei der letzten Kontaktaufnahme orientiert haben sollen. Äußern wollen sich die Münchner nach ihren schlechten Erfahrungen mit vollmundigen Transferankündigungen und dem öffentlichen Werben um Kandidaten dazu nicht. »Wir werden Fakten bekanntgeben, keine Vermutungen«, sagte Präsident Uli Hoeneß nun nur noch latent offensiv. Man darf gespannt sein.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!