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  • Kiezkneipe Schiller’s

Waldemar soll nicht gehen müssen

Die Nachbarschaft setzt sich für eine von Schließung bedrohte Kiezkneipe in Neukölln ein

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Waldemar Schwienbacher vor dem Schiller’s
Waldemar Schwienbacher vor dem Schiller’s

Nach zehn Jahren soll Schluss sein. Dem Wirt der Kiezkneipe Schiller’s, Waldemar Schwienbacher, wurde der Pachtvertrags für seinen Laden in der Schillerpromenade 26 gekündigt. Vor drei Monaten bekam er die Nachricht. Nach einem Widerspruch wurde ihm eine mehr als doppelt so hohe neue Miete angeboten - die ist für den Kneipier nicht zu stemmen. Der 72-Jährige gilt als eine Institution im Kiez. »Waldemar steht hier jeden Tag von 14 Uhr bis tief in die Nacht. Alle sind willkommen, alle fühlen sich wohl, alle können sich das Bier leisten, das Schiller’s ist eine Kiezkneipe für alle im besten Sinne«, erzählt Frieda Sachsenheimer. Die junge Ärztin hat gemeinsam mit zwei weiteren Stammgästen die Initiative »Save Schiller’s« gegründet, als sie von der Kündigung erfuhr. Sie empört sich, weil hier nicht nur die Existenz eines einzelnen Menschen bedroht werde, sondern auch ein Raum im Kiez, an dem unterschiedlichste Menschen zusammenkommen.

Im Schillerkiez in Berlin-Neukölln, in unmittelbarer Nähe zum Tempelhofer Feld, ist man spätestens seit den Auseinandersetzungen um die Kneipen Syndikat und Labettolab sehr aufmerksam für Verdrängung durch exorbitante Mietsteigerungen. »Mir war lange nicht klar, dass das Gewerbe so wenig Schutz hat. Aber was ist Milieuschutz, ohne den Schutz des Kiezlebens?« fragt Sachsenheimer. »Wir wollen einen Schillerkiez, in dem bezahlbare Wohnungen und lebenswerte soziale Strukturen erhalten bleiben,« schreibt ihre Initiative.

Auch die Mieter*innen in den drei Häusern an der Straßenecke spüren Verdrängungsdruck, seit ihre Häuser vor vier Jahren an die Aramis Immobilien GmbH verkauft wurden. Eine Bewohnerin berichtet gegenüber »nd«, was sich seitdem verändert habe: Anhebungen der Betriebskosten, hochwertige Sanierungen einzelner frei werdender Wohnungen auf der einen, ausbleibende Reparaturen bei langjährigen Mieter*innen auf der anderen Seite. Zuletzt erhielten die Mieter*innen eine Mieterhöhung von 15 Prozent.

Pikant im Fall der Schillerpromenade: Die Aramis Immobilien GmbH gehört zum Firmengeflecht der Samwer-Brüder und ihrer Rocket Internet AG. Die 2007 von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander gegründete Aktiengesellschaft hat in der Vergangenheit beispielsweise den Online-Modehändler Zalando an die Börse gebracht. Bei der Hauptversammlung des Konzerns im Juni 2019 kündigte der Vorstand an, zukünftig vor allem in Immobilien investieren zu wollen. Grund seien fehlende neue börsenfähige Start-ups (»nd« berichtete). Bereits im Mai hatte der Konzern ein Haus in der Urbanstraße 67 gekauft und exorbitante Mieterhöhungen angekündigt. Die Hausgemeinschaft organisierte sich umgehend dagegen. Mit Erfolg: Im Juli übte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg für das im Milieuschutzgebiet gelegene Gebäude das Vorkaufsrecht aus. Die Häuser an der Schillerpromenade wurden verkauft, bevor das Gebiet zum Milieuschutzgebiet erklärt wurde. Alexander Samwer antwortete als Geschäftsführer der Augustus GmbH auf eine Anfrage von Mieter*innen der Schillerpromenade, die sie an die Aramis Immobilien GmbH gerichtet hatten, er hätte von keinen Mieterkämpfen gehört und wolle klarstellen, dass er nicht der Eigentümer der betroffenen Häuser sei.

Man hoffe nun, so Frieda Sachsenheimer, zunächst aber erst einmal, dass es eine menschliche Lösung für Waldemar Schwienbacher gibt. »Er möchte ohnehin nur noch zwei, drei Jahre weitermachen«, erzählt sie. »Aber er möchte es eben gut zu Ende bringen und nicht einfach rausgeworfen werden.«

Die Initiative »Save Schiller’s« ist im Kiez gut vernetzt: Eine Online-Unterschriftensammlung hat bereits nach einer Woche über 300 Unterschriften für den Erhalt der Kneipe erbracht.

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